Mark Wallinger kennen wir eigentlich als Bären. Vor zehn Jahren, da war er mittels eines Stipendiums in Berlin, schlüpfte der Brite mit dem herrlichen Humor, ja richtig, in ein Bärenkostüm. So tappte er als Mr. Bear nächtens durch die leere, gläserne Halle der Nationalgalerie. Zehn Tage, besser Nächte dauerte diese Performance, und immer mehr Leute drückten ihre Nase platt an den Fensterscheiben des ehrwürdigen Mies van der Rohe-Baus. Er legte sich dort flach auf den Rücken oder zog schlicht seine Kreise durch die Halle.

Die Aufnahmen dieser Performance jedenfalls schickte Wallinger ein, als er in seiner Londoner Heimat in die engere Auswahl für den Turner-Preis kam. 2007 erhielt er die renommierte Auszeichnung. Berlin bringt Glück, und jetzt ist Wallinger also zurück mit eben diesem Video „Sleeper“, dass zweieinhalb Stunden bärige Ausschnitte zeigt. Mitgebracht hat der 54-Jährige zudem noch seine Selbstporträts, an der Serie arbeitet er bereits seit 2007.

Das Ich ist der Stellvertreter

Allerdings ist hier Schluss mit lustig, der Künstler beschäftigt sich mit dem eigenen Ich, seiner Rolle als Künstler. Nicht als schönes Abbild, sondern als Abstraktion. Das große „I“, das englische Ich, ist der Stellvertreter. Schwarz und fett und groß steht es da auf der weißen Leinwand. Dann wieder taumelt es, einsam, löst sich auf in seinen flattrigen Konturen. So gibt es viele Ichs, das stabile Ich, das klapperdürre und das beschwipste Ich.

Muss man sich jetzt Sorgen machen um Mr. Wallinger, diese Frage darf man stellen. Muss man nicht: Der Brite hat in letzter Zeit viele Arbeiten für den öffentlichen Raum geschaffen, unter anderem „Labyrinth“ für die Londoner U-Bahn zum 150. Geburtstag. Da können einige malerische Ich-Exerzitien etwas Beruhigendes haben für den gestressten Künstler. Sich einfach mal neu denken, warum nicht?

Carlier/Gebauer, Markgrafenstr. 67. Di-Sa 11-18 Uhr. Bis 1. März

Auf deutscher Seite kann in Sachen Humorpotenzial das Künstlerduo Anna & Bernhard Blume antreten. Leider starb der fotografierende Ehemann vor zwei Jahren. Umso schöner, dass jetzt an gleich drei Stellen in Berlin Arbeiten der beiden zu sehen sind. Die „Aktionmetaphern“ in der Akademie gehören zur neuesten und auch letzten Werkgruppe, die die beiden gemeinsam entwickelt haben.

Wo die Natur zum Dämon wird

Ihre Fotoarbeiten sind Meilensteine der fotografischen Selbstinszenierung, absurd, skurril und schräg. In der Galerie Buchmann begegnen wir den Blumes beim Sonntagsspaziergang ziemlich kleinkariert im „Wald“ – sie im knappen Kostüm, er im Karo-Sakko mit viel zu kurzen Hosen. Die Natur wird bei ihnen zum Dämon: Und so hängen, hangeln und klettern die beiden an und durch die kahlen Ästen und Stämme. Loriot hätte das nicht besser machen können. Die „Wald“-Serie ist besonders, die Blumes begaben sich hier ein erstes Mal nach draußen, in die Natur. In ihren schwarzweißen Fotos kommt es zum Aufstand der Dinge. Möbel purzeln durcheinander, Teller und Vasen entwickeln ein Eigenleben und Kartoffeln springen der tapferen Hausfrau entgegen.

Galerie Buchmann, Charlottenstr. 13. Di-Sa 11-18 Uhr. Bis 8. März.

Neue Nationalgalerie, Potsdamer Str. 50, Di-Mi 10-18, Do 10-20, Fr 10-18, Sa-So 11-18. Bis 31.12.