Schenkung

Liebermanns letzte Zeichnung geht an die Berlinische Galerie

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Gabriela Walde

Foto: Berlinische Galerie - Zustiftung der Dr. Jörg Thiede-Stiftung

Die „Dr. Jörg Thiede-Stiftung“ schenkt dem Kreuzberger Museum 70 Bilder und Zeichnungen der Berliner Secession. In der neuen Dauerausstellung sollen sie dann zu sehen sein.

Jörg Thiede weiß Bescheid, wenn es um den Sammler an sich geht. Zwei Typen gibt es, sagt er, er lacht. Da sei der „böse Sammler“, der guckt, kauft und verkauft. Ein Herz hat der nicht für seine Kunst. Ein Bauchmensch, ja, das ist er. Einer, der kauft und behält, für ewig. Er vergleicht sich da mit dem verstorbenen Sammlertycoon Hans Berggruen, der nächtens manchmal mit seinen „Kindern“ sprach.

Doch auch Bauchmenschen treffen rationale Entscheidungen. 73 Werke überschreibt der Berliner Unternehmer nun der Berlinischen Galerie. Und als Überraschung gab es gestern noch eine wunderschöne Zeichnung dazu, die letzte von Max Liebermann überhaupt, ein melancholisches Porträt seiner Frau Martha aus dem Jahr 1932. Die Werke ergänzen die Sammlung der Berlinischen Galerie, deren Schwerpunkt auf Berliner Künstlern liegt. Thiede hat Künstler der „Vereinigung XI“ und der „Berliner Secession“ versammelt, wie eben Max Liebermann, Lesser Ury, Franz Skarbina und Carl Saltzmann. Der starke Einfluss der französischen Impressionisten ist hier schön zu studieren, beispielsweise an der „Mutter“ (1900) von Ulrich Hübner. Derzeit ist eine kleine Auswahl der Werke im Eberhard-Roters-Saal im Obergeschoss des Kreuzberger Museums präsentiert. Das soll nicht so bleiben, bei der Neuaufstellung der Dauerausstellung, spätestens im Frühjahr 2015, sollen sie integriert werden. So steht das in Thiedes Vertrag.

Flick, Marx, Marzona, um nur einige zu nennen, – Berlins Museen speisen sich aus verschiedenen Privatsammlungen. In Zeiten knapper Kassen wird das zunehmend wichtiger für die Häuser, wenn sie attraktive Ausstellungen bieten und durch Kunstankäufe international den Anschluss bewahren wollen. Umso sehnsüchtiger warten sie auf Sponsoren oder Sammler, sagt Thomas Köhler, Chef der Berlinischen Galerie. Zumal sich Thiedes Werke „so famos eingliedern“. Was nicht immer so funktioniert.

Ursprünglich wollte Thiede, dass die Werke an die Staatlichen Museen überschrieben werden, dann machte die Bürokratie wohl einen Strich durch die Rechnung, und schließlich sollten sie ja auch nicht im Depot landen. Diese Klausel hat übrigens das Sammlerpaar Ulla und Heiner Pietzsch im Vertrag verankert.

Bilder müssen nicht nur gepflegt werden, sie wollen „auch leben“ und brauchen „ein helles und offenes Haus“. Die Impressionisten, findet Thiede, „brauchen vor allem eines: Licht, Licht und noch mal Licht“. Und das werden sie in der Berlinischen Galerie wohl haben.

2004 überführte Thiede seine Privatsammlung, rund 140 Bilder, Zeichnungen und Skulpturen, in eine gemeinnützige Stiftung. 2006 eröffnete er seine Villa Hamspohn am Wannsee als Salon. In prominenter Gesellschaft, gleich neben der Liebermann-Villa gelegen. Zehn Jahre, dann ist Schluss, so war Thiedes Idee damals. Das imposante Gebäude steht nun zum Verkauf.

Und wird er weiter sammeln?

Da überlegt er nicht lange. Einmal Sammler, immer Sammler, heißt es. Die Neue Secession reizt ihn, jene Künstlergruppe, die sich von der Berliner Secession um 1910 abspaltete. „Da ist noch vieles nicht bearbeitet“, sagt er. Glück für die Berlinische Galerie.