Postbahnhof

Stephen Malkmus verabschiedet sich mit Berlin-Konzert

Sänger Stephen Malkmus zog 2010 mit Frau und Kindern aus den USA nach Berlin. Jetzt gehen sie wieder zurück. Der Ex-Sänger der Band Pavement mag die Stadt, doch ist er hier nie richtig angekommen.

Foto: Leah Nash / dpa

Was das Konzept „Zimt“ angeht, so hat sich Stephen Malkmus einige Gedanken gemacht. Er war mal Sänger der Band Pavement. Pavement waren die wichtigste Indie-Rock-Band auf der ganzen Welt. Von den Achtzigern bis in die Neunziger. Vielleicht neben Dinosaur Jr.

Seit der Auflösung von Pavement spielt er in seiner neuen Band Stephen Malkmus and the Jicks. Malkmus war 2010 von Portland mit seiner Frau und den Kindern nach Berlin gezogen. Und jetzt geht er wieder zurück nach Portland. Aber an diesem Montagabend spielt er noch einmal im Postbahnhof, und ein neues Album hat er auch veröffentlicht. Es heißt „Wig Out at Jagbags“.

Jetzt aber zurück zum Zimt. Zimt sei nämlich in den Sechzigern in Amerika das Hippie-Ding überhaupt gewesen. „Die Hippies“, sagt Malkmus durch das Telefon, er sitzt in Bologna, zehn Grad, Sonne, Espresso-Wetter, viva Italia, „die Hippies haben da angefangen Zimt in Muffins und Tee zu machen.“ Sie wollten so orientalisch sein. Dabei kam der Zimt ja aus Indien und gar nicht aus dem Orient. „Hey, ich mache Zimt in meinen Tee“, imitiert er eine junge Frau, „ich bin eine Hippie-Göttin.“ Und man lässt das jetzt einfach mal so auf sich wirken, was der Stephen Malkmus sagt, weil es auf seinem Album ja einen Song gibt, der „Cinnamon and Lesbians“ heißt.

Bezug zur Realität ziemlich egal

Stephen Malkmus ist 47 Jahre alt, und doch für immer ein Junge, dem der Bezug zur Realität ziemlich egal ist. Der in seiner Musik, in seinen Texten so abschweift, wie nur ein Kind abschweifen kann, wenn es denkt, es sei in einem Land voller Uhren, die Hüte tragen, Beine haben, ab und zu klingeln, und zu klassischer Musik Marshmallows essen. „Musik ist für mich der Punkt, an dem das Gehirn aufhört, rational zu sein. Am Ende eines fertigen Songs bin ich hoffentlich in einer anderen Welt, ein einer besseren als am Anfang.“

Er hat sich wohl gefühlt in Berlin. „Niemand hier hat uns seltsam angeschaut. Wir waren einfach ein Teil von Berlin. Berlin ist so zivilisiert. In Amerika will ständig jemand mit dir reden, dir eine kostenlose Probe im Supermarkt geben, oder dir irgendeinen Kram empfehlen, den du nicht brauchst.“ In Berlin zu leben, hat für ihn Freiheit bedeutet.

Trotzdem sind Malkmus und seine Frau nie richtig angekommen. In den vergangenen Jahren haben sie stets zur Zwischenmiete gewohnt. Prenzlauer Berg, Schöneberg, Charlottenburg. Kollwitzplatz. Rathaus Schöneberg. Stuttgarter Platz. Immer möbliert. Immer nichts Festes. 40.000 Euro hätte es gekostet, den Hausstand nach Berlin zu schiffen.

Die Schule wurde schließlich zum Problem. Sein Kollege Fran Healy, der hat die Band Travis gegründet, dessen Kinder gehen auf eine Schule in Friedrichshain. Auf eine bilinguale Schule. Fran Healy hat sogar eine Schulhymne für die Schule geschrieben. Malkmus hat am Bass mitgespielt. Malkmus dagegen wollte, dass seine Kinder an die JFK gehen. Aber die deutsch-amerikanische John-F.-Kennedy-Schule wollte es nicht. „Die JFK ist schuld daran, dass ich wieder weggezogen bin“, sagt er lachend. Für einen Abend kommt er aber noch einmal wieder.

Postbahnhof am Ostbahnhof: Stephen Malkmus and The Jicks am 27. Januar 2014 um 20 Uhr. Tickets ab 22,70 Euro