Fast ein Jahr lang musste Tobias Rehbergers Karo-Bild der Staatsbibliothek Unter den Linden verdeckt bleiben – jetzt darf das Werk wieder unverhüllt gezeigt werden. Im Plagiatstreit zwischen dem Frankfurter Bildhauer und der britischen Op-Art-Künstlerin Bridget Riley haben sich beide Seiten am Mittwoch vor Gericht geeinigt. Das Werk in einem Lesesaal der Bibliothek muss allerdings den Zusatz tragen: „Uhrenobjekt nach Movement in Squares von Bridget Riley“, wie das Kammergericht mitteilte.

Dem Kompromiss war ein Monate langer Streit vorausgegangen. Riley (82) hatte dem Prorektor der Frankfurter Städelschule vorgeworfen, seine Installation im Raritäten-Lesesaal der Staatsbibliothek sei eine unzulässige Bearbeitung ihres Werks „Movement in Squares“ aus dem Jahr 1961. Riley gilt als eine der führenden Vertreterinnen einer Kunstrichtung, die mit optischen Illusionen arbeitet.

Erfreuliche Einigung

Zuvor hatte sich das Berliner Landgericht geweigert, per Einstweiliger Verfügung das Bild abhängen zu lassen. So ging Riley in die nächste Instanz.

Tobias Rehberger, der an der Frankfurter Hochschule für Bildende Künste lehrt, gilt als einer der wichtigen zeitgenössischen Bildhauer, der 2009 mit dem Goldenen Löwen der Biennale von Venedig ausgezeichnet worden war. Eine Jury hatte ihn ausgewählt, das Wandbild für einen der am 19. März eröffneten neuen Lesesäle der Berliner Staatsbibliothek zu schaffen. Im Rara-Saal war es gerade einmal neun Tage lang zu sehen, bevor der Rechtsstreit die Verhüllung forderte. Das Bild gehört zu einer vierteiligen Werkgruppe, die Rehberger (46) für die neuen Lesesäle schafft. Rileys Bild ist 122 mal 122 Zentimeter groß. In einem für die Op-Art typischen geometrischen Muster zeigt es ein schwarz-weißes Schachbrett, das in der Mitte durch eine engere Linienführung scheinbar zusammenfließt. Nach einem ähnlichen Modell arbeitet auch Rehberger – allerdings ist seine Installation rechteckig, 5 Meter mal 5 Meter groß.

Riley hatte zum Beginn des Streits gefordert: „Das Monstrum muss da weg.“ Die Anwälte der Gegenseite erklärten, Rehberger habe Rileys Bild gar nicht gekannt, die Idee eines Schachbrettmusters sei zur Verwendung frei. Rehbergers Anwalt Jakob Braeuer sprach am Mittwoch von einer erfreulichen Einigung. Wann das Bild von seiner undurchsichtigen Schutzfolie befreit werde, sei noch offen, sagte eine Sprecherin der Staatsbibliothek. Insgesamt arbeitet Rehberger an drei weiteren Objekten, die sich mit dem Thema Zeit befassen.

dpa/sei