Comedy-Star

Eddie Izzard kämpft in Berlin mit der deutschen Sprache

Sein Humor funktioniert überall auf der Welt. Eddie Izzard ist ein intelligenter Unterhalter, der auf hochkomödiantische Weise Unsinn redet - am Dienstagabend im Admiralspalast. Und zwar auf Deutsch.

Foto: Quatsch Comedy Club

Was haben Menschenopfer, Karl der Erste, nach Eiskrem buddelnde Maulwürfe, Richard Löwenherz und ein Typ namens Steve miteinander zu tun? Nichts. Und doch finden sie alle Platz in der absurd-komödiantischen Welt des britischen Comedians Eddie Izzard. Im vollbesetzten Imperial Club des Admiralpalasts begann der wortgewandte Entertainer am Dienstagabend ein mehrwöchiges Berlin-Gastspiel. Sein ambitioniertes Ziel: er will in einem Crash-Kurs Deutsch lernen. Und sein aktuelles Programm "Force Majeure" komplett auf Deutsch präsentieren. Work in Progress. Abend für Abend.

Und sofort nimmt er mit großer Geste die kleine Bühne in Beschlag. Ein intelligenter Unterhalter, der auf hochkomödiantische Weise Unsinn redet. Der seine Erzählungen geräuschvoll und pantomimisch unterstreicht. "Mein Deutsch ist Notfall-Deutsch", bekennt er. Aber es soll immer besser werden in den kommenden Tagen. Sein deutscher Lieblingssatz ist: "Sprechen Sie englisch?" Noch tut er sich merklich schwer. Aber die stets rettende Soufleuse Denny sitzt ja hilfreich am Bühnenrand.

Lose Enden, die sich irgendwann verknüpfen

Er legt Fährten aus, die er später im Programm wieder aufgreift. Er wirft mit losen Enden um sich, die er im Lauf des Abends verknüpft. Er ist ein Meister der Improvisation, der sich vom Hundertsten ins Tausendste zu reden weiß. Nicht jedes englische Wortspiel funktioniert auch im Deutschen. Eddie Izzard weiß das. Er webt seinen komischen Flickenteppich mit Bedacht. Und baut selbst den unüberhörbaren Pausengong aus dem Admiralspalast nebenan ein in seine Show.

Es ist nicht das erste Mal, dass der überzeugte Europäer sich in einer anderen Sprache versucht. Sein voriges Programm "Stripped" hat er komplett ins Französische übersetzt und feierte damit Erfolge in Frankreich und in Kanada. Izzard, der sich als "heterosexuellen Transvestiten" bezeichnet, trat früher gern geschminkt, in Frauenkleidern und High Heels ins Rampenlicht. Inzwischen trägt der 51-Jährige allerdings edles Sakko und Jeans – zu grell lackierten Fingernägeln und höllisch hohen Schuhen.

Izzards Humor funktioniert überall

Für Izzard ist klar: Lachen ist universal. Sein Humor funktioniert auf der ganzen Welt. Und in jeder Sprache. Obwohl man ihm schon am liebsten auf Englisch zuhört. Mit "Force Majeure" ist er zurzeit auf einer ausgedehnten Welttournee über alle Kontinente. Durch 25 Länder. Sein nächstes Ziel ist bereits klar: er will für sein Mammutunternehmen auch noch Spanisch, Russisch und Arabisch lernen. Izzard ist ein Marathon Mann, und das nicht nur auf der Bühne. Im Jahr 2009 hatte er sich in den Kopf gesetzt, 43 Marathons in 51 Tagen zu laufen. Einmal rund um die britische Insel. Ohne zuvor sportlich sonderlich aktiv gewesen zu sein.

Man hielt ihn für komplett durchgedreht. Vor allem die Sportärzte, die ihn in nur vier Wochen auf die Strapazen vorbereiten sollten. Doch Eddie Izzard ließ sich nicht beirren. Und absolvierte unter ständiger Beobachtung von Sportmedizinern, Trainern und der BBC die Tortur durch England, Wales, Irland und Schottland. Für die ersten Strecken benötigte er an die zehn Stunden. Die letzte Etappe zurück nach London schaffte er in fünf Stunden und 30 Sekunden. Und sammelte bei diesem Benefizlauf so ganz nebenbei weit über eine Million Pfund für die Wohltätigkeitorganisation "Sports Relief".

Marathonlauf für Nelson Mandela

Im vergangenen Jahr wollte er 27 Marathons durch Südafrika laufen. Einen für jedes der 27 Jahre, die Nelson Mandela im Gefängnis saß. Nach dem vierten Lauf musste er das Unternehmen auf Anraten der Ärzte abbrechen. Aber noch in diesem Jahr will er die Aktion wieder aufnehmen und auch beenden. Was Eddie Izzard sich in den Kopf gesetzt hat, das zieht er auch durch. Und wenn ein Gag auf Deutsch mal nicht richtig ankommen will, arbeitet er so lange daran, bis es klappt. Ringt nach Worten, sucht und findet Hilfe im Publikum. Und wenn mal alles fließt ist "Force Majeure" vielleicht auch nicht mehr nur gute 45 Minuten kurz wie an diesem ersten Abend.

Denn kein Abend ist wie der andere. Izzard ist einer, der sich vom eigenen Erzählfluss treiben lässt, ältere Nummern in neue Geschichten verpackt und immer wieder durch pantomimische Einlagen besticht. Wie beispielsweise bei seiner Sichtweise auf olympisches Dressurreiten, auf "unsäugetierische" Gangarten, auf die ein Pferd selbst nie kommen würde. Er verlegt den Dressurakt ins alltägliche Leben, was reichlich Lacher provoziert. Eddie Izzard ist sozusagen die Fortsetzung von Monty Pythons Flying Circus mit den Mitteln der Stand-Up-Comedy. Nicht umsonst adelte ihn John Cleese einst als "The Lost Python".

Als Straßenkomödiant fing er an

Eddie Izzard, im Südjemen als Sohn eines englischen BP-Angestellten geboren, begann seine Karriere als Straßenkomödiant in Covent Garden, hatte seinen ersten Auftritt 1987 im Comedy Store London und eroberte bald darauf die internationale Comedyszene. Er wurde mit dem British Comedy Award ausgezeichnet, erhielt später einen Emmy für seine vom US-Sender HBO ausgestrahlte Show "Dressed To Kill". Er war der erste Comedian, der in der legendären Hollywood Bowl von Los Angeles auftrat. Und auch als ernsthafter Schauspieler feierte er Erfolge sowohl im Londoner West End als auch am New Yorker Broadway. Im Kino sah man ihn in "Oceans Twelve" und "Oceans Thirteen", er spielte Gustav von Wangenheim in "Shadow of the Vampire" und war Charlie Chaplin in "The Cat's Meow". Zuletzt sah man ihn als Arzt und Serienkiller in der TV-Serie "Hannibal".

Ein charmanter und etwas nervöser Workoholic steht da auf der Bühne im Imperial Club. Und hat man sich erst einmal auf ihn eingelassen, ist Lachen programmiert. Für die nächsten Wochen ist Berlin sein Domizil. Am 7. Februar kann er übrigens auf der Bühne seinen 52. Geburtstag feiern. Eddie Izzard hat den Kampf mit der deutschen Sprache aufgenommen. Das Programm variiert jeden Abend, bis es gegen Ende des langen Gastspiels deutschsprachige Perfektion erreicht hat. Nahezu. Denn vor Überraschungen ist man bei Eddie Izzard nie sicher. Längst bereitet sich der engagierte Anhänger der Labour Partei auf ein neues Fernziel vor. 2020 will er gegen Boris Johnson antreten und Bürgermeister von London werden.

Info: Eddie Izzard im Imperial Club im Admiralspalast, Friedrichstraße 101, Mitte, Tel. 01805-25 55 65, tägl. außer Mo., bis 9. Februar, Karten kosten 16,50 Euro

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