Zoo Palast

Film ab – Willkommen im schönsten Kino der Stadt

Der Zoo Palast hat in neuem Gewand eröffnet. Er ist nicht nur mit der neuesten Technik ausgestattet, sondern bietet vor allem ein Luxuserlebnis – und ein Bekenntnis zur City West.

Wir durften schon rein! Eigentlich wurde der Zoo Palast nach dreijährigem Umbau ja erst am Abend mit großem Starauflauf wiedereröffnet. Aber zuvor gab es schon eine Preview, quasi als Testlauf. Und wir gehörten zu den Auserwählten, die als Allererste einen Film im neuen, für 5,5 Millionen Euro umgebauten Haus sehen durften. Wobei der Film ausnahmsweise völlig egal war. Das Kino selbst ist der Star. Und so drängelten sich schon Horden von Zoo-Palast-Liebhabern eine Stunde davor, um in „ihr“ Kino zu kommen.

Wir waren erst vor zwei Wochen hier. Da war noch alles Baustelle, Foyer und Treppen quasi nackt. Jetzt staunt man, wie schnell das alles fertig geworden ist. Wir gehen die Treppe in den Großen Saal hinauf, und dann geht einem das Herz auf. Fast hatten wir vergessen, wie der Saal einen beim Eintreten überwältigt. Es ist der größte der Stadt – sieht man mal vom Berlinale-Palast am Potsdamer Platz ab, aber der ist ja 50 Wochen im Jahr Musicaltheater. Wir setzen uns in Reihe E, der fünften von oben. Das ist ungefähr da, wo wir früher die Berlinalen durchgesessen haben. Ungefähr: Denn die Sitzplätze wurden von 1070 auf 800 reduziert, dafür gibt es jetzt mehr Beinfreiheit zwischen den Reihen. Wahnsinn, der Blick in den Saal.

Ein Wasserfall rauscht herab

Das 50er-Jahre-Flair hat man weitestmöglich erhalten oder besser reaktiviert. Dennoch sitzt man hier auf neuesten, komfortablen Sitzen, mit denen man automatisch nach hinten sinkt. Kino im Fast-Liegen. Als der Vorhang anfangs zu- statt aufgeht, lacht das Preview-Publikum erst. Aber dann beginnt plötzlich ein Wasserfall von oben herabzurauschen, in buntesten Farben illuminiert. Großes Raunen im Saal. Der Zoo-Palast ist das erste deutsche Kino seit einem halben Jahrhundert, das sich diesen Luxus leistet. Danach gibt es eine Lightshow, die zeigt, was die Technik alles zu bieten hat. Dann bläst uns der Sound aus 58 Lautsprechern buchstäblich um die Ohren. Dolby Atmos, quasi 3D für die Ohren. Und dann geht der Film los. Auf einer 21 mal 8,80 Meter breiten Leinwand. Der Mann, der uns davor Willkommen heißt, wirkt winzig darunter.

Retro im Look, aber technisch auf allerneuestem Stand: Das ist der neue Zoo-Palast. Sieben Säle bieten insgesamt 1650 Plätze, die Hälfte davon allein im Großen Saal. Der kleinste Saal, die Bibliothek, fasst nur 50 Sitze und ist für Feierlichkeiten auch buchbar. Man sitzt nicht nur bequemer als in den meisten anderen Kinos; schon die Tür wird einem geöffnet, freundliches Personal nimmt einem die Garderobe ab, auf den Logenplätzen werden Getränke serviert. Wie beim Fliegen in der Ersten Klasse. Für zwei Stunden dem Alltag entfliehen: Das gilt hier nicht nur für den Film, den man guckt, das beginnt hier gleich an der Kasse.

Kinoadresse Nr. 1 in Deutschland

Fast drei Jahre war das Kino geschlossen, wurden die fünf kleinen Schachtelkinos links neben dem Haupthaus abgerissen und durch drei neue ersetzt. Im Haupthaus dagegen hat man alles so gelassen, wie es war. Das war auch die Vorgabe vom Denkmalschutz, dem man ausnahmsweise mal danken muss. Der neue Betreiber Hans-Joachim Flebbe und seine Architektin Anne Maske haben sich aber entschlossen, auch sonst den alten Schick zu beleben. Jeder hat ja eine eigene Geschichte zu diesem Kino, und jeder wird es, trotz Rundumerneuerung, wiedererkennen. Und wieder lieben.

Glücklicherweise. Denn der Zoo-Palast ist ja nichts weniger als die Kinoadresse Nr. 1 in Deutschland. Und das seit hundert Jahren. Hier, an der Budapester Straße, wurde 1913 eins der ersten großen Lichtspielhäuser erbaut, die die alten Hinterhofkinos verdrängten. Das wurde 1919 großzügig umgebaut und zum Ufa-Palast am Zoo umgetauft. Eins der schillerndsten Kinos der Weimarer Republik, in denen Klassiker wie „Metropolis“, „Der letzte Mann“ oder „Faust“ Premiere hatten. Bis das Haus im Krieg zerstört und 1955 abgerissen wurde.

Die Berliner Schnauze sprach von der „Klappstulle“

Doch nur zwei Jahre später wurde hier ein neues Kino eröffnet, der Zoo-Palast. Mitten in der neuen City-West, als Schaufenster des Westens. Passend zum Bikini-Haus, das nebenan entstand, ein „Bikino“, in dem zwei Säle keilartig ineinander gebaut wurden. Oben der Große Saal, unten das kleine Atelier am Zoo, was die Berliner Schnauze gleich liebenswürdig als „Klappstulle“ bezeichnete.

Eingeweiht wurde das Haus am 28. Mai 1957 mit der Komödie „Die Zürcher Verlobung“, Lilo Pulver persönlich durchschnitt das Band. Noch im selben Jahr zog auch die Berlinale vom Titania in Steglitz hierher – und blieb, bis zum Umzug in die neue Mitte am Potsdamer Platz im neuen Jahrtausend, 43 Jahre lang das Herz der Filmfestspiele. Wo sich nicht nur die Schaulustigen, sondern auch die Stars drängelten.

Wilde, bewegende Zeiten

Hollywoodlegenden wie Walt Disney, Gary Cooper, Shirley MacLaine und Catherine Deneuve gaben sich die Ehre, in jüngerer Zeit stellte hier Madonna ihr Filmdebüt vor und Roland Emmerich seinen „Independence Day“. Hier fanden aber auch die großen Berlinale-Eklats statt, als 1970 Michael Verhoevens „o.k.“ vom Festival ausgeschlossen wurde, 1979 wegen des Vietnamfilms „... die durch die Hölle gehen“ fast das Festival abgebrochen wurde oder Jurypräsidentin Gina Lollobrigida sich 1986 öffentlich vom Goldenen Bären für das RAF-Drama „Stammheim“ distanzierte. Wilde, bewegende Zeiten waren das.

Sie schienen endgültig vorbei, als die Berlinale an den Potsdamer Platz zog. Der Zoo-Palast war seither nur noch Spielstätte für die Nebensektionen Panorama und Kinderfilmfest. Und schien, wie überhaupt der Alte Westen, gegen Mitte zu verlieren und zu verblassen. Das ist ab sofort Schnee von gestern. Mit der Eröffnung des Waldorf Astoria Hotels Anfang des Jahres bekam das Areal rund um die Gedächtniskirche neuen Aufwind, in wenigen Monaten wird auch das Bikini-Areal fertig sein. Und mit dem Zoo-Palast erstrahlt jetzt schon das Herzstück am Platz.

Größere Rolle bei Berlinale

Künftig sollen hier auch wieder große Filmpremieren stattfinden, die erste wird am 11. Dezember „Mitty“ mit Ben Stiller sein, fünf Tage später folgt die Weltpremiere von „Der Medicus“. Und auch Berlinale-Chef Dieter Kosslick hat Großes mit dem Zoo-Palast vor. Das Festival wird zwar nicht zurückziehen an seinen alten Stammplatz, wie immer wieder kolportiert wird; der Wettbewerb wird weiter am Potsdamer Platz ausgerichtet. Aber der Zoo-Palast wird nicht mehr nur Panorama- und Kinderfilme zeigen. Auch anderen Highlights soll künftig der rote Teppich ausgerollt werden.

Welche das sein werden, daran wird derzeit noch eifrig gebastelt. Aber so viel ist schon klar: Der Zoo-Palast wird dem Friedrichstadtpalast Konkurrenz machen, der bisher allein die „Berlinale Specials“ präsentierte. Nachdem das Festival lange in den Osten expandierte und sich dann wie eine Krake auch in die Kieze ausbreitete, kehrt es nun, zumindest im Ansatz, wieder zurück. Ein klares Statement und Bekenntnis zum alten, lange etwas vernachlässigten Berliner Westen. Nicht nur vom Ambiente also, sondern auch in dieser Hinsicht darf man sich an alte Zeiten erinnert fühlen.