Zoo Palast

„Das berühmteste und bedeutendste Kino Deutschlands“

Kinovisionär Hans-Joachim Flebbe ist der neue Betreiber des Zoo Palastes und hat sich mit der Renovierung einen Millionen-Traum erfüllt. Sein Herz schlägt für das Kino als Luxuserlebnis.

Foto: Clemens Bilan / Getty Images

Er war schon einmal hier. Als Hans-Joachim Flebbe mit seiner Cinemaxx-Kette die Schachtelkinos verdrängte, hat er auch schon einmal den Zoo Palast übernommen. Für nicht ganz drei Jahre. Dann wurde er allerdings von der UCI-Konkurrenz abgedrängt. Inzwischen ist Flebbe nicht länger bei Cinemaxx. Und sein Herz schlägt auch nicht mehr für das Multiplex, sondern fürs Premiumkino, wie er es in Berlin mit der Astor Filmlounge betreibt. Jetzt hat er auch den Zoo Palast aufwendig zum Luxuskino umrüsten lassen. Für ihn geht damit sogar ein Jugendtraum in Erfüllung. Wir haben mit dem 62-Jährigen in seiner neuen Spielstätte gesprochen.

Berliner Morgenpost: Herr Flebbe, können Sie sich noch an Ihr allererstes Mal im Zoo Palast erinnern?

Hans-Joachim Flebbe: Als ich Ende der siebziger Jahre in Berlin gewohnt habe, führte mich der erste Weg in dieses Kino. Ich habe mich sofort in das Haus verliebt. Aber die Verbindung ist schon viel älter. Als ich noch als Junge ins Kino ging, liefen dort die Wochenschauen, und ich fand es immer am spannendsten, wenn über die großen Premieren in Berlin berichtet wurde. Da sind die großen Stars über den roten Teppich des Zoo Palastes geschritten. Dass ich selbst einmal als Kinobetreiber hier die Gäste selbst begrüßen darf, ist ein überwältigendes Gefühl.

Warum dieser Einsatz gerade für dieses Kino?

Dies ist einfach das berühmteste und das bedeutendste Kino Deutschlands. Es mag Multiplexe mit mehr Besuchern geben, aber mit Blick auf den Bekanntheitsgrad und die emotionale Bindung, die nicht nur Berliner zu diesem legendären Filmtheater haben, ist es schon einmalig. Diese Aura, dieser riesige Saal. Wir haben das selbst bei den Bauarbeiten gemerkt: Als wir das erste Mal die Technik ausprobierten, haben die Bauarbeiter geklatscht. Und jeder hatte seine persönliche Geschichte zu diesem Haus. Eine solche Bindung gibt es zu keinem anderen Kino. Schon als ich in den achtziger Jahren in Berlin die Lupen und den Filmpalast am Ku’damm übernommen hatte, habe ich Max Knapp, den Erbauer, überredet, mir sein Kino anzuvertrauen. Das hat anderthalb Jahre gedauert, bis er es mir dann 1989 überantwortet hat.

Sie sind damals nach nicht einmal drei Jahren von der UCI-Kette überboten worden und mussten den Zoo Palast wieder aufgeben. Empfinden Sie jetzt Genugtuung, erneut der Hausherr zu sein?

Nun, ich empfinde eine große Freude. Natürlich ist da auch eine enorme Verantwortung. Das hier ist kein Kiezkino oder irgend ein neues Multiplexkino, sondern ein einzigartiges Haus mit Charakter. Nachdem ich bei Cinemaxx ausgeschieden bin, habe ich jetzt hier noch einmal die Möglichkeit zu zeigen, wo meiner Meinung nach die Zukunft des Kinos liegt. Die Aufgabe war, das Alte zu erhalten, die Tradition, die Seele zu bewahren, aber eben versehen mit der neuesten Technik und dem Komfort, der heute möglich ist. Wir wollen nicht nur retrospektiv den Charme erhalten, wir wollen die Geschichte des Hauses auch weiterschreiben.

Sie waren einst der große Kino-Neuerer mit Ihrer Cinemaxx-Kette. Hat sich das Multiplex inzwischen überholt, ist das Premium-Kino, dass Sie nun vertreten, ein Gegenentwurf zu den Sälen für die Massen?

Überholt würde ich nicht sagen. Das Premiumkino Zoo Palast ist eine Weiterentwicklung. Wir haben mit den Multiplexen damals die Schachtelkinos abgelöst, aus denen das Publikum in Scharen geflohen ist. Die Besucherzahlen sind Anfang der neunziger Jahre ja drastisch gesunken. Da war die Idee des Multiplex-Kinos mit vielen großen Sälen genau richtig. Die Zielgruppe, die wir damit erreicht haben, war das jüngere Publikum. Aber die gucken sich Filme jetzt eher auf dem Computer zu Hause an oder laden sie sich gar illegal im Internet herunter. Unsere Zielgruppe sind die etwas Älteren, die nicht nur den Film sehen, sondern den Kinobesuch als Erlebnis erfahren wollen. Bei der Astor Filmlounge habe ich gelernt, dass es dafür ein großes Potenzial gibt.

Das Astor hat nur einen Saal, der Zoo Palast jetzt sieben. Ist das nicht ein großes Wagnis?

Beim Zoo Palast ist das Wagnis eigentlich begrenzt. Jeder kennt das Kino, man muss es nicht erklären. Andererseits bin ich immer Risiken eingegangen, um das Kino zu verändern. Deshalb ist der Zoo Palast für uns ein Grand Cinema. Der Zoo Palast ist wie ein Grand Hotel, so sollen die Gäste sich zumindest fühlen. Wir haben hier mehr Komfort, Service und Personal. Die anderen Kinobetreiber versuchen beispielsweise, durch Ticketautomaten Personalkosten zu sparen. Wir setzen da genau aufs Gegenteil.

Wird sich der Komfort auf die Preise auswirken?

Die Preise liegen zwischen 6,50 Euro für Kinder und 13,50 Euro in der Loge. Der Durchschnittspreis dürfte zwischen zehn bis elf Euro einpendeln. Das ist etwas teurer als im Multiplex, dafür bieten wir aber auch mehr. Ich glaube, wir werden den anderen Kinos aber auch kein Publikum wegnehmen. Zu uns werden eher jene Besucher kommen, die länger nicht im Kino waren und ein Event erleben wollen – und natürlich alle Filmliebhaber.

Nun ist die Astor Filmlounge keine 200 Meter entfernt. Machen Sie sich da nicht selber Konkurrenz, wird das Astor unter dem Zoo Palast leiden?

Nein, das glaube ich nicht. Das Astor ist wie ein Spezialitätenrestaurant. Das ist nur ein Saal für 230 Besucher, wir kommen oft an die Kapazitätsgrenzen. Und mehr als zehn, zwölf Filme im Jahr können wir im Astor gar nicht zeigen. Der Zoo Palast hat sieben Säle und kann ein breiteres Angebot bieten. Wir sind zwischen Astor Filmlounge und Multiplex angesiedelt.

Wann wissen Sie, ob Ihr neuer Zoo Palast vom Publikum angenommen, ob Ihr Konzept ein Erfolg wird?

Das kann ich Ihnen genau sagen: Am Donnerstag um 18 Uhr. Drei Stunden vorher laufen die ersten regulären Vorstellungen. Dem Kinobetreiber geht es ähnlich wie einem Filmproduzenten bei einer Premiere: Bevor der Film angelaufen, haben Sie keine Vorstellung, ob es den Besuchern gefällt. Dann gibt es entweder Champagner oder Wodka.

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