Es werde Licht. Das ist der Moment, der Hans-Joachim Flebbe glücklich macht. Eigentlich wollte er uns den neuen Zoo Palast ja noch gar nicht vorführen. Ist doch alles noch eine große Baustelle. Überall wird gehämmert, gebohrt und gefräst. Der Baulärm ist enervierend. Und die Säle sind zwar schon recht weit gediehen, aber die im Putzlicht zeigen, nein, das geht eigentlich gar nicht. Aber die Leinwand hängt schon, und da wird jetzt das Testbild projiziert. „Das erste Mal Bild!“, strahlt Flebbe. Das, meint er, sei immer ein magischer Moment.

Es ist wie so oft bei Renovierungen. Noch kann man nicht glauben, dass hier bald alles fertig sein soll. Das Foyer ist noch ein einziges großes Loch, die Treppen sind bloßer Beton, die Wände noch nackt. Aber wir können Flebbe beruhigen: Das kennen wir auch von unserem letzten Umzug. In zwei Wochen soll der Zoo-Palast wieder eröffnet werden. Endlich, nach fast dreijährigem Leerstand.

Am 29. Dezember 2010 gingen hier die Lichter aus. Dann begannen die Umbauarbeiten für den kompletten Bikini-Komplex an der Hardenbergstraße. Der Eigentümer, die Bayerische Hausbau, hat das denkmalgeschützte Ensemble bereits 2002 gekauft und vom Hochhaus am Bahnhof Zoo bis zur ehemaligen Blauen Kugel aufwendig sanieren lassen.

Mehr Beinfreiheit im Neuen Berliner Zoo-Palast

Der alte Zoo Palast steht unter Denkmalschutz. Schachtelkinos hat man in den siebziger Jahren einfach drangebaut. Fünf von ihnen wurden nun ganz abgerissen, drei neu aufgebaut. Die haben nichts mehr mit den alten Sälen zu tun. Das Haupthaus aber, der große Saal und das Foyer, wurden so renoviert, dass sich äußerlich nicht viel ändert.

Im Gegenteil, Innenarchitektin Anna Maske setzt ganz auf das bekannte Fünfziger-Jahre-Flair, mit Nierentisch-Ambiente, Vorhängen und typischer Wandbespannung. Nostalgie vereint mit modernster technischer Ausstattung: mit Dolby-7.1-System, gleich zwei 70mm-Projektoren, die heute kaum noch verwendet werden; mit riesigen Leinwänden, 22 mal 8,50 Meter allein in Saal 1. Und vor allem mit viel Beinfreiheit.

Früher gab es hier 1070 Sitze, jetzt sind es nur noch 800, die für die Berlinale um zwei Reihen auf 850 erweitert werden können. Aber hier sitzt man nicht nur. Flebbe führt das vor, und wir müssen ihm das gleich nachtun. Man liegt förmlich drin, kann die Beine ausstrecken. Und in den Logen werden sogar Getränke serviert. Die alten Kammerspiele hat man zu einem Club-Kino mit eigener Bar umfunktioniert, das man auch für Geburtstage mieten kann. Alle Säle zusammen kommen auf 1650 Sitze. Seinen Traum vom Kino hat sich Flebbe 5,5 Millionen Euro kosten lassen.

Geschichtsträchtige Stätte in der City-West

Man hat schon viele Totengesänge auf die alte City-West angestimmt. Das ist spätestens vorbei, seit das Waldorf Astoria im Januar eröffnet wurde und nun auch das Bikini-Areal kurz vor der Vollendung steht. Der Zoo Palast sollte eigentlich schon vor einem Jahr eröffnet werden, aber man kennt ja die Querelen mit Baustellen, vor allem in Berlin. Jetzt wird er immerhin noch 2013 fertig. 100 Jahre, nachdem hier der Palast am Zoo eröffnet wurde. Eines der pompösesten Lichtspieltheater Berlins, in dem Klassiker wie „Metropolis“ uraufgeführt wurden. Bis das Haus im Zweiten Weltkrieg zerstört und 1955 abgerissen wurde.

An der Stelle des alten Ufa-Palastes wurde dann der Zoo Palast gebaut und 1957 feierlich eröffnet. Eines der schönsten und bedeutendsten Kinos der Bundesrepublik. Und bis zum Umzug an den Potsdamer Platz anno 1999 Haupthaus der Berlinale. Errol Flynn kam hier gleich im ersten Jahr, Marlene Dietrich, Walt Disney, James Stewart, Tom Hanks folgten.

Rückkehr des einstigen Zoo-Palast-Hausherrs

Auch nach 1999 blieb der Zoo Palast noch ein wichtiges Berlinale-Kino für die Sektionen Panorama und Kinderfilmfest. Auch ein Star wie Madonna hat hier ihr Regiedebüt vorgestellt. Aber das Kino war, vor allem in den letzten UCI-Jahren, ein bisschen abgerockt. Das muss man an dieser Stelle schon mal sagen dürfen.

Flebbe war schon einmal Hausherr im Zoo Palast, zweieinhalb Jahre bis 1993. Damals noch als Gründer und langjähriger Vorstand der Cinemaxx-Kette. Er hat den Zoo Palast dann aber an die UCI-Kinowelt verloren, die hohe Mieten nicht scheute, die er nicht bereit war zu zahlen. Flebbe hat dann auch Cinemaxx verlassen und setzt seither auf ein anderes, luxuriöseres, komfortableres Kino-Erleben. Er hat das schon vorgemacht, als er den Filmpalast am Kudamm 2008 in die Astor Filmlounge verwandelt hat, das bislang schönste Kino der Stadt, das jetzt vielleicht vom Großen Bruder Zoo Palast überboten wird.

Fühlt er Genugtuung, jetzt in sein altes Haus zurückzukehren? Flebbe schüttelt den Kopf. „Das ist nicht das richtige Wort. Ich bin stolz, dass ich das wichtigste Kino Deutschlands so umgestalten konnte, wie ich mir die Zukunft des Kinos vorstelle.“

Warteschlangen soll es im Zoo-Palast nicht geben

Am 27. November eröffnet das neue Zoo Palast. Als erstes werden hier „The Counselor“, „Tribute von Panem“ und der neue Disney-Trickfilm „Eiskönigin“ gezeigt. Die Tickets sollen 10, Logen 12 Euro kosten, ohne Aufschlag bei Internet-Vorbestellung. Und Warteschlangen soll es gar keine geben. Das werden wir dann gleich mal testen, ob das einzuhalten ist. Denn die Neugierde wird wohl vor allem in den ersten Tagen riesig sein.

Eine Hoffnung müssen wir indes enttäuschen. Gerade hat ein Berliner Boulevardblatt verkündet, die Berlinale kehre nach 14 Jahren Abstinenz vom Potsdamer Platz in die City-West zurück. Das ist Unsinn. Der Zoo Palast wird selbstredend wieder Berlinale-Kino. Aber das Zentrum für dem Wettbewerb bleibt nach wie vor der Berlinale-Palast. Dort finden schließlich doppelt so viele Zuschauer Platz wie im Zoo Palast.