Ein umstrittener Spot, in dem Adolf Hitler als kleiner Junge von einem Mercedes erfasst wird, hat einen Nachwuchsfilmpreis beim First Steps Award gewonnen. Regisseur Tobias Haase von der Filmakademie Ludwigsburg bekam bei der Gala am Montagabend in Berlin die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung in der Sparte Werbefilm.
In dem schon vorab viel beachteten, provokanten Spot wird Hitler dank moderner Autotechnik in seinem Heimatdorf als Kind überfahren. Am Ende erscheint der Slogan „Erkennt Gefahren, bevor sie entstehen“. Der Autohersteller Mercedes-Benz, ein Unterstützer des Filmpreises, hatte sich von dem Clip distanziert.
Die Jury stärkte Regisseur Haase den Rücken, er bleibe seinen Idealen treu. „Solche Ideen-Verfechter braucht die Kreativbranche.“ Als Zuschauer werde man durch den Spot förmlich gezwungen, sich eine Meinung zu bilden. Noch nie habe die Jury so kontrovers diskutiert.
Ehrenpreis für Praunheim
Mit einem Werbespot hat auch bei Franz Dinda alles angefangen. „Für das lustige Taschenbuch damals“, sagte der Autor und Schauspieler, „mein erster Satz lautete ‚Spaß kannst Du haben’.“ Für Ursula Karven war es nicht der erste Auftritt, der den ersten Schritt bedeutet hat, wie sie sagte. „Für mich war es der Moment, als ich die Angst vor den Kameras verloren habe, bei ‚Blue Blood’ in den 80er-Jahren“, so Karven.
Franz Dinda und Ursula Karven waren am Montag zur Verleihung der „First Steps Awards“ ins Stage Theater am Potsdamer Platz gekommen. Auch ihre Kollegen, Minu Barati-Fischer, Nina Eichinger, Peter Lohmeyer, Ulrich Matthes, Lisa Martinek, Aylin Tezel, Kostja Ullmann, Oliver Wnuk mit Yvonne Catterfeld, Dennenesch Zoudé und Regina Ziegler, zeigten sich dem Nachwuchs. In sechs Kategorien wurden die Preise für studentische Abschlussfilme deutschsprachiger Filmschulen vergeben. Zum 14. Mal, mit 82.000 Euro dotiert, von der Deutschen Filmakademie.
Der „erste Schritt“ des Nachwuchses wird damit von Initiatoren wie Produzent Nico Hofmann, dem Vorstand der Deutschen Filmakademie, Thomas Kufus, und Schauspielerin Iris Berben sowie von der Jury mit Franz Dinda und David Sieveking honoriert. Stefanie Stappenbeck moderierte, Filmemacher Rosa von Praunheim, 70, bekam den Ehrenpreis.
Hofmann und Eichinger hatten die Idee
„Man profitiert doch vom Nachwuchs, lernt von ihm, hinterfragt sich und seine Leistung durch die Leistung der jungen Kollegen“, sagte Iris Berben vor der Veranstaltung. Die Präsidentin der Deutschen Filmakademie gab zu, selbst keinen ersten großen Schritt gemacht haben zu müssen. „Ich bin da mehr oder weniger reingerutscht ins Business, eher spielerisch“, sagte sie.
Nico Hofmann hat den ersten großen Schritt in seinem zweiten Jahr an der Filmhochschule gemacht, erzählte er. „Als ich das Kriegstagebuch meines Vaters verfilmt habe.“ Gemeinsam mit dem 2011 verstorbenen Bernd Eichinger hatte er einst die Idee zu den First Steps Awards entwickelt. „Bei mir weckt das hier immer auch Vatergefühle“, sagte Hofmann.
Um 22 Uhr standen die Schützlinge fest: Talkhon Hamzavi („Parvaneh“), Barbara Ott („Sunny“), Tobias Haase (Werbespot), Cosima Maria Degler („Zwei Mütter“), Anna Thommen („Neuland“) und Jöns Jönsson („Lamento“). „Ich bin auf alle wirklich sehr stolz“, sagte Hofmann. Der First Steps Award gilt als der wichtigste deutsche Nachwuchspreis.
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