Haushalt

Ein Drittel von Berlins Kulturetat fließt allein in die Opern

Am Montag beginnen die Beratungen für den Berliner Kulturhaushalt 2014/15. Die Opern bekommen das meiste Geld. Doch auch der Religionsunterricht ist ein wichtiger Posten.

Das Schaulaufen ist gestrichen: Legendär sind die Auftritte von Claus Peymann vor dem Kulturausschuss im Berliner Abgeordnetenhaus. In diesem Jahr wird es im Rahmen der Haushaltsberatungen aber nicht zu diesen unterhaltsamen Auftritten kommen, denn die Fraktionen haben auf Wunsch der Regierungskoalition auf Anhörungen verzichtet.

Das ist bedauerlich, denn fürs Publikum, die Sitzungen sind öffentlich, war das immer sehr kurzweilig. Allerdings nur dann, wenn Künstler wie Peymann oder Frank Castorf auftraten.

Fakt ist: Am kommenden Montag ist die politische Sommerpause definitiv vorbei: Dann beginnen im Kulturausschuss die Beratungen des Etats. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) will gleich zum Beginn der Beratungen um 14 Uhr sprechen. Es ist damit zu rechnen, dass der amtierende Kultursenator lobende Worte für den Entwurf des Doppelhaushalts für die Jahre 2014/15 findet, den der Senat vor der Sommerpause verabschiedet hat, und die Opposition die Verteilung der Mittel kritisiert.

Das meiste Geld geht an die etablierten Institutionen: Allein die zehn größten Zuschussempfänger sollen im kommenden Jahr 309 Mio. Euro bekommen, die restlichen 70 Millionen teilen sich viele kleine und mittlere Einrichtungen.

Der Kulturanteil am Berliner Gesamtetat liegt bei circa 1,8 Prozent. Die Ausgaben sollen im kommenden Jahr um zehn Millionen auf 379 Mio. Euro und 2015 um weitere 17 Mio. Euro auf dann 396 Mio. steigen, ein großer Teil der Erhöhung dient dem Ausgleich der vor einigen Jahren beschlossenen Tarifanpassung bei der Opernstiftung, dem größten Zuschussempfänger. Dahinter verbergen sich allerdings auch drei Opernhäuser samt Orchester, das Staatsballett und der Bühnenservice mit seinen Werkstätten.

Männer zieht es in die Staatsoper

Wie auch bei den Sprechtheatern verteilen sich die Mittel höchst unterschiedlich auf die einzelnen Häuser: So wird die Staatsoper in diesem Jahr mit 45 Mio. Euro unterstützt, die Deutsche Oper bekommt 39 Mio. Euro, die Komische Oper knapp 30 Mio. Euro, so steht es im Haushaltsplan. Der nebenbei auch noch andere spannende Zahlen bietet, beispielsweise „genderrelevante Daten“: Demnach sind die Frauen im Publikum der Staatsoper, die noch eine Weile im Ausweichquartier Schiller-Theater spielen muss, weil sich die Sanierung des angestammten Domizils Unter den Linden hinzieht, im Vergleich zu den anderen Häusern mit einem Anteil von 46 Prozent in der Minderheit. An der Deutschen Oper liegt der Anteil der weiblichen Besucher bei 52 Prozent, bei der Komischen Oper sogar bei 56 Prozent und beim Staatsballett sogar bei 63 Prozent. Für Singles, die Anschluss suchen, möglicherweise eine wichtige Information.

Zweitgrößter Posten im Kulturetat 2014/15 sind die Ausgaben für den Religions- und Weltanschauungsunterricht mit 48,4 Mio. Euro – ein Etatansatz, den man eher im Schul- und Bildungsbereich vermutet hätte.

Unter den Sprechtheatern liegt traditionell das Deutsche Theater vorn, was die Höhe der Zuschüsse angeht, die auch davon abhängt, wie viel Personal an einem Haus beschäftigt ist. In der Kritikergunst ist die von Ulrich Khuon geleitete Bühne in jüngerer Zeit etwas gefallen, die Zahl der herausragenden Inszenierungen ist irgendwie viel geringer als beim Amtsantritt des Intendanten erhofft. In die neue Saison startet das 2014 mit 22,2 Mio. Euro unterstützte Haus am 30. August mit Stephan Kimmigs Inszenierung „Demetrius / Hieron. Vollkommene Welt“, für die Friedrich Schiller und der junge Dramatiker Mario Salazar die Texte geliefert haben.

Fünf Millionen Euro beträgt der finanzielle Abstand zur Volksbühne, die noch bis 2016 von Frank Castorf geleitet wird, der in diesem Sommer mit Wagners „Ring“ sein Bayreuth-Debüt gab. Zuschussplatz Nr. Drei unter den Sprechtheatern belegt die Schaubühne, die 2014 vom Land 13,6 Mio. Euro erhalten soll. Dahinter liegt das Berliner Ensemble mit 11,8 Mio. Euro. Einerseits ärgert diese Platzierung den BE-Direktor Claus Peymann, weil er seine Bühne als unterfinanziert ansieht, andererseits kann er darauf verweisen, dass er unter den fünf Berliner Staatstheatern dasjenige leitet, das am wirtschaftlichsten arbeitet, weil er mit dem geringsten Zuschuss pro Karte auskommt: 67 Euro legte das Land im Schnitt im vergangenen Jahr drauf, bei der Volksbühne waren es 115 Euro, beim Deutschen Theater 149 Euro, bei der Schaubühne 148 Euro.

Kosten laufen aus dem Ruder

Auf Platz 4 der Zuschussempfänger liegt die Zentral- und Landesbibliothek, die im kommenden Jahr mit 20,3 Millionen Euro vom Land rechnen kann. Die Kosten von circa 250 Mio. Euro für den geplanten Neubau auf dem Tempelhofer Feld sind im Doppelhaushalt nicht eingestellt, weil die Arbeiten erst nach 2015 beginnen sollen. Falls es dabei bleibt, denn die Pläne sind beim Koalitionspartner CDU umstritten. Die Grünen finden den Standort okay, halten es aber für sinnvoller, die Bibliothek in den vorhandenen Flughafengebäuden anzusiedeln, wie die kulturpolitische Sprecherin Sabine Bangert sagte.

Kaum Unterschiede gibt es bei der Finanzierung der beiden großen Orchester: Das Konzerthaus am Gendarmenmarkt soll im kommenden Jahr 15,5 Mio. Euro bekommen, die Philharmoniker 15,6 Mio. Euro. Im Vergleich zu Hamburg leistet sich Berlin in diesem Bereich etwas mehr: Die Transferzahlungen an Orchester lagen 2012 in der Hauptstadt bei 10,59 Euro pro Einwohner, in Hamburg bei 5,86 Euro. Anders sieht es bei den Museen und Theatern aus: Pro Einwohner gab Hamburg 19,23 Euro für Museen aus (Berlin: 16,85 Euro) und für Theater 30,19 Euro (Berlin: 29 Euro). Bei den Opern liegt Berlin mit 34,49 Euro vorn, die Hansestadt kam im vergangenen Jahr pro Einwohner mit 26,98 Euro hin.

Möglicherweise steigen die Hamburger Ausgaben im Orchesterbereich, wenn die Elbphilharmonie irgendwann mal eröffnet wird. Für hauptstädtischen Spott taugt dieses kostenmäßig aus dem Ruder gelaufene Projekt allerdings nicht. Auch bei der Sanierung der Staatsoper weiß angesichts der Verzögerungen niemand, wie teuer es letztlich wird.