Operette

Für Ralph Morgenstern ist Berlin auch Heimatland

TV-Moderator Ralph Morgenstern serviert erst die „Csárdásfürstin“ in der Waldbühne und zieht dann selbst in die Hauptstadt. Ein überfälliger Schritt, wie er selbst findet.

Foto: JÖRG KRAUTHÖFER

Mit Operette ist er groß geworden. Sein Vater war ein großer Fan. Die Oma auch. Das fand Ralph Morgenstern als Kind prima. Weil das noch alte Schellackplatten waren. „Die konnte man so doll zerschlagen.“ Auch eine Aufnahme der „Csárdásfürstin“ ging auf diese Weise zu Bruch. Es ist daher nicht ohne Ironie, wenn Morgenstern nun am kommenden Sonnabend in der Waldbühne just in einer Inszenierung dieser Kálmán-Operette in der Waldbühne zu erleben ist. Mit Melodien wie „Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht“ oder „Heia heia, in den Bergen ist mein Heimatland“.

Aber gemach: Diesmal geht nichts zu Bruch. Auch nicht im übertragenen Sinn, dass da modernes Regietheater das Singspiel auf den Kopf stellt. Ursli Pfister, ein Paradiesvogel wie Morgenstern, hat auch schon mal „Die Csárdásfürstin“ gemacht, in Köln. Hat dabei natürlich die Titelrolle übernommen. Und eine große Travestienummer draus gemacht. Die Produktion des Budapester Operettentheaters, das nun im Morellental gastiert, wird aber ganz klassisch sein. Die Titelrolle übernimmt Anna-Maria Kaufmann; Morgenstern gibt den Butler. Eine Doppelrolle: Alfons dient in hohem Hause in Wien, Zwillingsbruder Mischka serviert in Budapest. Eine Eins-A-Buffo-Rolle, quasi das Sahnehäubchen auf der Soubrettencreme.

Der Star von Klatsch und Tratsch

Morgenstern kennt man vor allem aus dem Fernsehen, als Moderator von Klatsch- und Tratschformaten wie „Blond“ und „Kaffeeklatsch“. Und man kennt ihn schrill, mit kreischend buntem Outfit, originellen Käppis und betont trutschigem Auftreten. Privat ist er aber gar nicht so. Als wir uns jetzt im Restaurant Grosz treffen, kommt er zwar mit knallpinkem Hemd, aber ohne Käppi. Ohne überdrehte Körpersprache. Dass er etwas hektisch ist, liegt nur daran, dass der Flieger Verspätung hatte: „Er brauchte zwei Maschinen Anlauf“. Einsteigen, aussteigen, Gepäck suchen: Wie er das erzählt, ist das fast eine Kabaretteinlage. So viel wird schon jetzt klar: Als Buffo-Element ist er genau richtig.

Morgenstern ist aber nicht nur Moderator. Und nicht nur Schauspieler, in Berlin vorzugsweise am Renaissance-Theater, etwa in „33 Variationen“. Nein, was viele nicht wissen: Der 56-Jährige war auch mal Popstar, Anfang der Achtziger mit der Gruppe Gina X. Man muss sich nicht also wundern, wie er in eine Produktion wie „Die Csárdásfürstin“ landet, sondern eher, warum er nicht viel öfter auch zum Singen engagiert wird. Er hat etwa am Potsdamer Platz mit Dirk Bach und Gayle Tufts den herrlichen Wasserspeier-Dreier im „Glöckner von Notre-Dame“ gegeben. Aber das ist schon zwölf Jahre her. Morgenstern weiß das so genau, weil sein Hund damals noch im Welpenkorb lag. Er hat ihn doch nicht etwa Quasimodo genannt? Nein, nein, wehrt er ab. Es ist eine Sie. Und sie heißt Twiggy.

Bei so vielen Leuten geht ihm „die Muffe“

Twiggys Herrchen darf sich jetzt in eine Reihe mit Katharina Thalbach und Volker Schlöndorff stellen. Denn das waren die Aushängeschilder der Seefestspiele der beiden Vorjahre. „Ist das nicht schön?“, kiekst Morgenstern. „Nun mach ich ja keine Regie, sondern nur den Butler. Aber ich fühl mich ganz wohl in der Galerie.“ Die Seefestspiele heißen auch in diesem Jahr so, obwohl ihnen bekanntlich der Wannsee abhanden gekommen ist und sie nun in der Waldbühne stattfinden. „Das“, meint Morgenstern mit süffisantem Grinsen, „wird mir jetzt irgendwie unterschlagen.“ Die einzigartige Abendstimmung dort hätte er schon gern erlebt. „Aber“, süffisantes Grinsen, „unter uns Pastorentöchtern: dass ich noch mal in die Waldbühne komme, das freut mich diebisch.“ 17.000 Plätze fasst die Freilichtbühne. Vor so einem großen Publikum hat er noch nie gespielt. Und schon gar nicht gesungen.

Als er das erste Mal dort ankam, sah das erst mal ganz moderat aus. Von oben. „Aber wenn du dann runtergehst, das wird ja immer größer!“ Dramatisch hält er sich die Hände vors Gesicht. „Und als ich ganz unten ankam, wollte ich gleich wieder weglaufen. So viele Leute sitzen da? Da geht einem ja die Muffe.“ Und begonnen wird ja noch bei Tageslicht! Im dunklen Theater sieht man nur die ersten Reihen. „Aber hier ist dir klar bewusst, wer alles zuschaut.“ Das, macht er sich Mut, wird dann aber eine ganz eigene Dynamik bekommen. Und auch „etwas mit mir“ machen.

Köln ist zu klein geworden

Derzeit muss Ralph Morgenstern ständig hin und her pendeln. Geprobt wird nämlich in Budapest. Und dann löst er noch das Haus seiner Eltern auf. Dazwischen kommt er kaum zur Ruhe. Und schon gar nicht zum Umzug. Dabei will er doch endlich und endgültig nach Berlin. Er gilt zwar als Kölner Ur-Gestein. Und hat auch schon 40 Jahre am Rhein gelebt. Aber eigentlich arbeitet er schon seit 15 Jahren in Berlin. Als das ZDF die Ufa-Studios am Tempelhofer Damm übernahm, verschlug es ihn mit seinem „Kaffeeklatsch“ von Wiesbaden hierher. Auch „Blond am Sonntag“ und „Blond am Freitag“ wurden hier produziert. Von daher, findet er, sei es Zeit, „dass ich endlich hierher ziehe.“ Leicht kalman-abgewandelt dürfte er also schmettern: Heia heia, in Berlin ist mein Heimatland.

Sein Lebenspartner wohnt schon hier, praktischerweise ganz in der Nähe des Restaurant Grosz. Er wurde beruflich hierher versetzt. „Und fand das ganz schrecklich.“ Morgenstern dagegen freut sich auf die Stadt. Irgendwie sei Köln zu klein geworden. Und nicht international genug. Wegen der „Csárdásfürstin“ hat sich das Packen noch verzögert. Die Operette ist sozusagen der Tusch, die Ouvertüre zum endgültigen Berlin-Einstand. Wenn Morgenstern ab September am Renaissance-Theater mit den Proben zu „Der ideale Mann“ beginnt, dann kann zu Fuß zur Arbeit gehen. Jetzt muss er sich aber erst mal überlegen, wie er sich auf den Fall X in der Waldbühne vorbereitet. Etwa ein Neoprenanzug unterm Butler-Kostüm? Nein nein, meint er entschieden, das schlechte Wetter haben hier die Philharmoniker gepachtet.

Waldbühne 17. August, 19.30 Uhr.

Tel.: 01806-999 000 555. www.deag.de