Theater

Claus Peymanns Berliner Ensemble soll ins Hansa-Viertel

Rolf Hochhuth gibt sich im Streit um sein Theater am Schiffbauerdamm jetzt kompromisslos: Sein Anwalt hat eine Räumungsklage eingereicht. Der Dramatiker schlägt dem BE sogar ein neues Zuhause vor.

Foto: akg-images / Dieter E. Hoppe / picture-alliance / akg-images

Rolf Hochhuth ist ja häufiger mal empört. Aber derzeit befindet sich der Dramatiker in einem permanenten Erregungszustand. Denn der 82 Jahre alte Autor musste erleben, wie in den vergangenen Tagen seine Versuche scheiterten, doch noch auf gütlichem Weg eine Einigung im Streit um das Theater am Schiffbauerdamm zu erreichen.

Das Haus gehört Hochhuth über seine Ilse Holzapfel Stiftung, ist an die Senatsverwaltung für Kultur vermietet, die wiederum Claus Peymann mit seinem Berliner Ensemble als Untermieter hat.

Aber sie lassen ihn nicht rein, klagt Hochhuth: Wie schon 2012 werde „die Eigentümerin“, also seine Stiftung, also er selbst, auch 2013 wieder „unter haltlosen Vorwänden“ am Betreten ihres Theaters gehindert, schreibt Hochhuth jetzt in einem Brief an den Regierenden Bürgermeister und Kultursenator Klaus Wowereit (SPD). Inzwischen sind Hochhuth und Wowereit Gegner vor Gericht, weil Hochhuths Anwalt vergangene Woche Räumungsklage eingereicht hatte.

„Miserable Miete“ von 214.000 Euro pro Jahr

Hochhuth beklagt, dass der Senat ihm wesentliche Rechte aus dem Mietvertrag vorenthalte, indem er nicht dafür sorge, dass die Stiftung während sechs Wochen im Sommer das Haus mit eigenen Produktionen Hochhuth´scher Theaterstücke bespielen kann. Zudem ist im Vertrag das Recht fixiert, dass Hochhuth jedes Jahr an drei Tagen im Oktober sein berühmtes Drama „Der Stellvertreter“ über die Rolle des Papstes bei der Juden-Deportation aus Rom 1943 aufführen darf.

Im Gegenzug für diese Nutzungsrechte habe die nach Hochhuths Mutter benannte Stiftung das Theatergebäude dem Senat für die laut Hochhuth „miserable Miete“ von 214.000 Euro pro Jahr überlassen. Die Aufführung zeitgenössischer Stücke ist der Stiftungszweck, wenn die Stiftung nicht spiele, drohe ihr die Steuerfreiheit verloren zu gehen, schreibt Hochhuth an den Regierenden Bürgermeister.

Er beteuert in seinem Brief, dass die Räumungsklage sehr wohl leicht zu vermeiden gewesen wäre. Wowereits Kulturstaatssekretär André Schmitz sei lange bekannt, dass die vom Senat mit der Verwaltung des Hauses betraute Berliner Immobilien-Management GmbH (BIM) ihm unter „dem Vorwand“, dort müsse gebaut werden, „den Zugang zu meinem Theater“ verweigert.

Mahnung über fast 600.000 Euro

Die BIM ist dem Dramatiker sowieso ein Dorn im Auge. Denn der Kultursenat hatte das Gebäudemanagement ohne Rücksprache mit der Stiftung an diese landeseigene Gesellschaft übertragen und es auch so dargestellt, als ob die BIM anstelle des Senats Partner im Mietvertrag geworden sei. Das ist nach der Auffassung von Hochhuths Anwalt Markus Kerber nicht möglich.

Außerdem hatten die BIM-Leute den Hauseigentümer verärgert, weil sie ihm Anfang dieses Jahres eine Mahnung über fast 600.000 Euro schickten. Das Geld sollte er für Renovierungsarbeiten am Theater bezahlen, obwohl diese laut Vertrag der Mieter zu tragen hat.

In vielen Briefen und Telefonaten, so beklagt Hochhuth in seinem Brief an Wowereit, habe er versucht, die BIM zu einem Kompromiss für den Sommer zu bewegen. Ihm stünden zwar sechs Wochen Sommernutzung zu, finanziell sei er aber höchstens in der Lage, das Haus 14 Tage lang zu nutzen. So hätte die BIM durchaus dort bauen können. Die BIM habe ihm dann jedoch mitgeteilt, das Theater sei ab 2013 eine Baustelle und nicht zu betreten. „Grund genug, nach alljährlich mehrfachen Erfahrungen dieser Art Räumungsklage einzureichen“, schließt Hochhuth den Brief an Wowereit ab.

Räumung des Theaters so schnell wie möglich

Von seinem Anwalt fordert der Theater-Eigentümer nun einen harten Kurs. Jede Bereitschaft ihrerseits zu einem Kompromiss sei für die Gegenseite „nichts als die weiße Flagge“. Der Sommer solle ablaufen „über Verhandlungen, damit wir zwar auf unsere Rechte pochen können vor Gericht, doch der Sommer ist dann vorbei“.

Hochhuth möchte unbedingt sein Stück „Sommer 14“ über die Vorgeschichte des Ersten Weltkrieges noch in diesem Sommer auf seine Bühne bringen. Deswegen strebt er die Räumung des Hauses durch Intendant Claus Peymann und sein Berliner Ensemble so schnell wie möglich an.

Die rund 240 Mitarbeiter des BE versucht Hochhuth zu beruhigen, es drohe ihnen nicht der Verlust ihres Arbeitsplatzes. Deshalb ist sein Brief neben Wowereit auch an den Betriebsratsvorsitzenden Dirk Meinelt gerichtet.

Senat ist nicht bereit für Gespräche

Der Dramatiker schlägt vor, das Berliner Ensemble könnte aus dem Gebäude am Schiffbauerdamm ausziehen und das Theater der Akademie der Künste am Hanseatenweg in Tiergarten unterkommen. Das Haus sei für Theater bestens geeignet, behauptet Hochhuth. Dem Hansa-Viertel, wo es kaum Kulturveranstaltungen gebe, könnte eine Belebung auch gut tun.

Der Senat ist bisher nicht bereit, sich auf Gespräche mit seinem Vertragspartner einzulassen. Nach seiner Rechtsauffassung hat Hochhuth es stets versäumt, wie es im Mietvertrag vorgeschrieben ist, ein Einvernehmen mit dem BE über die Sommerbespielung herzustellen und seine Vorhaben rechtzeitig im Frühjahr des Vorjahres anzuzeigen.