Kunstmarkt

Martin Klosterfelde schließt seine Galerie in Berlin

Einer der Platzhirsche im Berliner Kunstmarktbetrieb gibt überraschend seine Galerie an der Potsdamer Straße auf. Das Problem war wohl eines, das derzeit viele Galeristen haben.

Foto: Reto Klar

Nun heißt es bald Farewell: Martin Klosterfelde, einer der Platzhirsche im Berliner Kunstmarktbetrieb, schließt überraschend seine Galerie – die letzte Schau ist eine Hommage an den 1975 jung verstorbenen Niederländer Bas Jan Ader, der durch sein Verschwinden auf dem Pazifik zur Legende wurde. Legendär ist die Galerie Klosterfeld heute schon – zumindest auf dem Berliner Pflaster.

Der Sohn einer Hamburger Galeristin startete 1996 mit 23 Jahren. Da hatte er gerade ein Jahr bei Christie’s und zwei Jahre bei der Großgaleristin Barbara Gladstone in New York gearbeitet. Er bezog einen kleinen Raum an der Linienstraße, im Herzen von Berlin-Mitte, gleich um die Ecke der Kollegen neugerriemschneider, Neu oder Eigen + Art. Gemeinsam mit Künstlern und Clubgängern machten sie das Berlin der Neunziger Jahre zum Mythos der Kunstszene – gekrönt 1998 von Klaus Biesenbachs erster Berlin Biennale. Dort waren gleich zwei Künstler aus dem Programm Klosterfelde vertreten. Sie stehen bis heute für eine Generation Berlin, die einen neuen, spielerisch-performativen Umgang mit der Konzeptkunst aufs Tapet brachte.

2001 zog Klosterfelde in weitläufige Räume im Galeriekomplex Zimmerstraße und untermauerte sein angesagtes Programm um alte Helden: Den Kalifornier Matt Mullican, Jahrgang 1951, der inzwischen in Berlin lebt, und Hanne Darboven, die Grande Dame der Konzeptkunst. 2004 betrieb die Galerie parallel den alten Raum in der Linienstraße, um dort verstärkt junge Künstler zu zeigen.

Vergleichsweise kleine Flächen mit vielen Türen und alten Holzfenstern

Es war die Zeit des Kunstmarkt-Booms, in dem Klosterfelde längst ein festes Standbein auf den wichtigsten Kunstmessen der Welt hatte. Im Jahr nach dem Wirtschaftscrash war Klosterfelde einer der ersten, der an die Potsdamer Straße zog – heute eines der Zentren der Galerienszene.

Die Räume der Altbauwohnung stellten die Künstler vor die nicht ganz leichte Aufgabe, drei vergleichsweise kleine Flächen mit vielen Türen und alten Holzfenstern zu bespielen. Oft ist die eilige Aufnahme junger Künstler in ein Galerieprogramm problematisch, besonders in einer Zeit, die nach Jahren des Jugendwahns eher zurückblickt auf historische Werte.

Doch bei Klosterfelde war es wohl weniger eine Frage der richtigen Wahl. Vielmehr lässt sich an diesem Schritt eine gewisse Orientierungslosigkeit ablesen, die derzeit viele Galeristen teilen: Die Frage, wohin der Kunstmarkt geht. Auch anderen Galerien fällt es nicht ganz leicht, sich nach der Blütezeit der Nuller Jahre klar zu positionieren. Martin Klosterfelde möchte sich zu den genauen Gründen nicht äußern – nur soviel: „Ich bleibe in Berlin und bin kerngesund!“