„Die Farbe hat mich… Das ist der glücklichen Stunde Sinn: ich und die Farbe sind eins. Ich bin Maler.“ So erinnerte sich Paul Klee (1879-1940) 1922 euphorisch an die Ekstase, die er auf der Tunisreise 1914 erlebt hat, an seine Initiation zum Maler. Das Thema Farbe sollte ihn sein ganzes Künstlerleben nicht mehr loslassen.

Was auf der Tunisreise noch ein unmittelbarer Eindruck eines überwältigenden Farbenrauschs war, schlug sich später in malerischen Experimenten und theoretischen Überlegungen zur Farbe nieder. Paul Klees Beschäftigung mit der Farbe, sein Versuch, sie zu systematisieren und zu theoretisieren, ist bekannt. In Vergessenheit geraten ist hingegen, dass Johannes Itten (1888-1967), für kurze Zeit Weggefährte Klees am Bauhaus in Weimar (1921-1923), sich ebenfalls zeitgleich und sogar noch vor Klee, nämlich seit dem Studium bei Adolf Hölzel ab 1913 an der Stuttgarter Kunstakademie, intensiv mit der Farbe auseinandersetzte. Ähnlich wie Klee arbeitete er an einer komplexen Farbenlehre. Wie sehr sich ihre Farbmodelle berühren und wie sich das in Schlüsselwerken der beiden Künstler niederschlägt – diesen Fragen geht die Ausstellung „Kosmos Farbe. Itten-Klee“ im Martin-Gropius-Bau anhand von rund 170 Gemälden, Zeichnungen, Grafiken nach.

Theorie und Praxis

Das klingt nach viel Theorie für eine Ausstellung, doch einer der beiden Kuratoren, Christoph Wagner, seines Zeichens Professor für Kunstgeschichte an der Universität Regensburg, verteidigt das Konzept: „Das ist ja gerade das Schöne, dass man sowohl bei Klee wie bei Itten im künstlerischen Schaffen Theorie und Praxis nicht ohne weiteres trennen kann: das Fest für die Augen, das beide Maler mit ihren Gemälden und Aquarellen bieten, erschließt sich vertieft, wenn man versteht, auf welcher geistigen Grundlage diese Werke entstanden sind.“

Und tatsächlich taucht man ein in einen Kosmos der Farbe, entdeckt vor allem das Werk Ittens und neue Seiten an Paul Klee. Faszinierend bei Itten sind die abstrakt-geometrischen Kompositionen aus dem Jahr 1915 „Horizintal-Vertikal“ oder „Tiefenstufen, Kompositionen“, die zu den frühen, rein abstrakten Gemälden in der Kunst des 20. Jahrhunderts gehören und zeigen, wie Itten, von seinen Farbstudien geleitet, Farbfelder nach mathematischen Proportionen anordnet und auf diese Weise mit der Farbordnung verbindet.

Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstr. 7 in Berlin-Mitte, Mi-Mo 10-19 Uhr. Bis 29. Juli 2013. Katalog: 20 Euro