Nominierungen

„Cloud Atlas“ ist der Favorit beim Deutschen Filmpreis

Am Freitag wurden die Nominierungen für die Lola bekannt gegeben. Dabei wurden wieder einmal die Tücken der Statuten erkennbar, was ein deutscher Film ist. Schon im vergangenen Jahr gab es Zoff.

Foto: TOBIAS SCHWARZ / REUTERS

Jetzt geht die Diskussion wieder von vorn los, was das, bitte schön, sei, ein deutscher Film. Im vergangenen Jahr war Roland Emmerichs Shakespeare-Epos „Anonymus“ für den Deutschen Filmpreis nominiert. Eine internationale Großproduktion, mit internationalen Stars auf Englisch gedreht, aber eben in Babelsberg, von einem deutschen Regisseur, der dafür heimgekehrt war.

In diesem Jahr nun heißt der große Favorit beim Deutschen Filmpreis „Cloud Atlas“. Bei den Nominierungen, die am Freitag in der Berliner Astor Film Lounge verkündet wurden, wurde er gleich neun Mal aufgestellt, unter anderen in der Königskategorie Bester Film und bei der Regie. Wieder wurde er in Babelsberg gedreht, wieder als internationale Großproduktion und wieder auf Englisch.

Eine Kategorie nur zu einem Drittel erfüllt

Was ein deutscher Film ist, ist eigentlich klar vermerkt in den Statuten der Deutschen Filmakademie, die über die Lola und damit über die höchste Kulturauszeichnung hierzulande entscheidet. Drei Kategorien müssen erfüllt sein. Der Regisseur muss deutsch und/oder der Film auf Deutsch gedreht worden sein. Einer der Produzenten muss aus dem deutschen Kulturkreis stammen. Und dessen finanzielle Beteiligung muss genauso groß sein wie die eines ausländischen.

Die letzten beiden Voraussetzungen treffen auf „Cloud Atlas“ klar zu. Dieser Wahnsinnsfilm, der 160 Minuten lang fünf Geschichten aus fünf Jahrhunderten erzählt, vom historischen 19. Jahrhundert bis in fernste Science-fiction-Futur, ist mit 100 Millionen Euro der teuerste Film, der je in Deutschland produziert wurde, und der Berliner X-Filmer Stefan Arndt ist daran maßgeblich beteiligt.

Tom Hanks tritt nicht gegen Tom Schilling an

Schwierig bleibt dagegen die erste Kategorie: Im Film wird keine Silbe Deutsch gesprochen. Und die Regie teilte sich der Berliner Filmemacher Tom Tykwer mit seinen Freunden aus Amerika, den „Matrix“-Machern Lana und Andy Wachowski. Streng genommen wird diese Voraussetzung also nur zu einem Drittel erfüllt. Und die Statuten der Lola erweisen sich einmal mehr als fragwürdig oder zumindest ausgegoren.

Immerhin: Der worst case bleibt den Veranstaltern erspart. Bei den Darstellern tritt kein Tom Hanks gegen Tom Schilling an und keine Halle Berry gegen Martina Gedeck. Obwohl das von den Statuten her möglich gewesen wäre – und Hanks wie Berry eine ihrer besten Leistungen absolviert haben. Dicht gefolgt wird „Cloud Atlas“ von dem kleinen, aber feinen Berlin-Film „Oh Boy“ mit Tom Schilling (acht Nominierungen).

Megaproduktion versus Arthouse-Film

Danach folgen Margarethe von Trottas bester Film seit Jahren, „Hannah Arendt“ (mit sechs) und das Weltkriegsdrama „Lore“ (vier Nominierungen). Letzterer wurde zwar von einer Australierin gedreht, aber in Deutschland und auf Deutsch, erfüllt also die Kriterien.

„Cloud Atlas“ oder „Oh Boy“, internationale Megaproduktion mit zahllosen Spezialeffekten oder ein schwarzweißer Arthousefilm, das sind die Extreme, zwischen denen bei der Lola entschieden werden muss. Die Preise werden am 26. April im Friedrichstadtpalast verliehen. Über die Statuten wird man bis dahin einmal mehr diskutieren müssen.