Musikspektakel in Berlin

So lieblos waren die MTV-Awards in Berlin

Shakira, Kate Perry, Beyoncé – die Stars bei den MTV European Music Awards in Berlin versprachen viel. Die knapp zweistündige Show erfüllte diese Erwartungen jedoch nur bedingt: Die Verleihung war lieblos inszeniert und die Stars wurden mit dem Publikum nicht warm. Einzige Ausnahme: Tokio Hotel.

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Zum dritten Mal in Folge hat die deutsche Band Tokio Hotel einen Preis bei den MTV Europe Music Awards abgesahnt. Die Magdeburger erhielten in der Berliner O2 World die Trophäe als beste Band. Große Gewinnerin des Abends aber war US-Sängerin Beyoncé.

Video: Reuters
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Viel Haut und viel Glitzer: bei den MTV Awards gaben sowohl der Sender MTV als auch die Künstler alles – zumindest modetechnisch. Latino-Star Shakira kam in einem funkelnden kurzen Kleid ganz in Silber, mit über zehn Zentimeter hohen Absätzen. Auch die Moderatorin Kate Perry, die bereits zum zweiten Mal durch eine MTV-Gala führte, gab sich mit aufwendigen Styles alle Mühe. Alle paar Minuten wechselte sie das Outfit – vom verruchten kurzen Mini bis zum weißen wallenden Kleid, das eher an ein Brautkleid erinnerte.

Die Stargäste wie Beyoncé gaben sich alle Mühe. Die Sängerin inszenierte sich live in roter Wäsche und Strümpfen – das aber nur wenige Minuten lang, obwohl sie mit „Halo“ den Preis für das beste Video abräumte. Doch egal, ob die Preisträger Jay-Z, Lady Gaga oder Beyoncé hießen: bis auf Silbermond war allen Preisträgern eine Siegesgewissheit anzumerken. Es schien, als habe man schon geahnt, wer den MTV Award bekommt. Weder Tokio Hotel, die für regelmäßige Kreischattacken bei den Fans sorgten, noch Rapper Jay-Z als auch Beyoncé schienen sich wirklich über ihre Preise zu freuen, als dann ihre Namen verlesen wurden.

Ein kurzes Statement à la „I love you all“ oder „Thanks“ – damit war der Auftritt der Superstars in der O2-World in Berlin-Friedrichshain meist getan. Nur wenige Minuten auf der Bühne, mehr nicht. Ein einstudiertes Programm, das abgespult wurde. Nicht wirklich liebevoll gemacht – so lautete das einhellige Fazit nach knapp zwei Stunden Show.

Einziger Höhepunkt des Abends: Tokio Hotel, die für ständige Beifallstürme im Publikum sorgten. Mit ihrem Aufritt und dem brennenden Klavier sorgten sie wenigstens einige Minuten lang für Spannung. Doch auch sie gaben sich dem Konformitäts-Zwang hin: So bedankte sich Front-Man Bill Kaulitz auf Englisch bei seinen Fans, als seine Band den Preis für die beste Band einheimste.

Über weite Strecken blieb die Stimmung in der O2 World an diesem Abend neutral – weder großer Beifall noch Buh-Rufe waren im Publikum zu vernehmen. Es schien, als ließe die Veranstaltung die zahlreichen Fans eher kalt – und dass, obwohl große Stars wie Shakira, Leona Lewis oder Green Day auf der Bühne spielten.

Eine der letzten Inszenierungen eines sterbenden Geschäfts. So kamen die MTV Awards im Publikum an. Eine letzte Aufbäumung der alten Musikindustrie, die noch nicht glauben will, wie sehr iTunes und das Internet das Geschäft verändern.

Kein Vergleich zu den Vorjahren, als eine betrunkene Britney Spears für Aufregung sorgte. Vielleicht – so der Eindruck nach diesem Abend – ist das Zeitalter der Megastars und der großen Plattenlabels einfach vorbei.

Sowohl die MTV-Aftershow-Party im nah gelegenen Postbahnhof als auch die Universal-Party im still gelegten Hangar 2 des Tempelhofer Flughafens zeichnete sich durch einen Mangel an internationalen Stars aus. Shakira, Beyoncé und Kate Perry hatten wohl Besseres zu tun, als sich hier die Nacht um die Ohren zu schlagen.