Auch fast zehn Jahre nach ihrem internationalen Durchbruch mit dem Welthit „Whenever Wherever“ ist Shakira der am hellsten leuchtende Stern am Horizont des internationalen Pop. In ihrer Karriere verkaufte die Sängerin weltweit mehr als fünfzig Millionen Alben, wurde mit zehn Grammys, 15 Billboard- und 16 MTV Awards ausgezeichnet. „Sale El Sol“ heißt das aktuelle Album, mit dem Shakira derzeit auf Tournee ist. Am 9. Dezember präsentiert die kolumbianische Vollblut-Entertainerin ihre neue Show in der O2 World in Friedrichshain.

Morgenpost Online: 2010 war wieder ein Spitzenjahr für Sie. Kein Wunder, dass Sie kaum zur Ruhe kommen.

Shakira: Sie haben Recht, es war wirklich ein Superjahr. Die WM war herrlich; „Waka Waka“ war unglaublich, und jetzt habe ich das Gefühl, dass die Welt mein neues Album „Sale el Sol“ wirklich gern mag. Ich singe ja dieses Mal überwiegend in Spanisch, das scheint den Menschen zu gefallen. Gerade war ich in USA auf Tournee, habe dort 35 Shows gespielt, und jetzt kommen wir zu Euch.

Morgenpost Online: Auf „Sale el Sol“ kehren Sie an Ihre karibischen und lateinamerikanischen Wurzeln zurück. Wollten Sie der Welt im Herbst ein bisschen Sonne gönnen?

Shakira: Sonne schadet nie. Die Wirtschaft liegt in vielen Ländern ja immer noch auf dem Boden, die Menschen haben es nicht leicht, und da ist es nicht verkehrt, ein paar Lieder zu singen, die Optimismus und Lebensfreude rüberbringen. Ich habe mich kreativ voll hineingestürzt in die neuen Songs. Dadurch bin ich wieder selbstbewusster geworden und habe diese Liebe zu meiner eigenen Arbeit wiederentdeckt. Ich wollte, dass „Sale el Sol“ eine Art Aufbruchstimmung verbreitet.

Morgenpost Online: Aufbruchstimmung?

Shakira: Exakt. Diesen Aufbruch, dieses Kribbeln, das spüre ich auch bei mir ganz persönlich. Dieses Jahr läuft vieles einfach besser. Diese Platte ist Ausdruck meiner aktuellen Stimmung.

Morgenpost Online: Was hat sich in Ihrem Leben denn geändert, dass Sie sich so viel besser fühlen?

Shakira: So leicht lässt sich das gar nicht beantworten. Ich weiß nur, dass ich mich im vergangenen Jahr privat und beruflich gestresst gefühlt habe. Ich steckte in einer Mühle, ich kam mir vor, als machte ich einen Bürojob, der mich nicht mehr richtig interessiert. Ich war leicht gefrustet, und dieser Frust, dieses Genervtsein, hat sich auch auf mein übriges Leben übertragen.

Morgenpost Online: Sie sagten, dass Sie auch privat gestresst waren. Was war denn los?

Shakira: Man hat eben manchmal Phasen, in denen es einem nicht so toll geht. Wir alle sind ja nicht immer bester Laune, und auch ich bin nicht immer super drauf.

Morgenpost Online: Shakira hat also auch Tage, an denen sie traurig und trübe ist?

Shakira: Aber natürlich. Ich fühle mich ab und zu einsam, ich fühle mich erschöpft und ich fühle mich unglücklich. An solchen Tagen kommt mir mein Leben nicht bunt und aufregend, sondern grau und eintönig vor. Auch ich bin kein Übermensch.

Morgenpost Online: Ihr Lebenspartner ist aber immer noch derselbe. Oder sind Sie etwa nicht mehr mit Antonio de la Rua liiert?

Shakira: Doch, doch, natürlich sind wir noch zusammen. Wir sind jetzt fast seit elf Jahren ein Paar. Unsere Beziehung würde ich als dynamisch bezeichnen. Ich kann nicht behaupten, dass es die ganze Zeit immer großartig war, auch wir haben gute und nicht so gute Phasen miteinander. Uns geht es da wie jedem anderen Paar, das lange Jahre zusammen ist, denke ich.

Morgenpost Online: Haben Sie als moderne, selbstbewusste, kolumbianische Frau eine Art Vorbildfunktion für andere Frauen?

Shakira: Durchaus möglich, dass ich viele Frauen, überhaupt Menschen, inspiriere, auch wenn ich es nicht unmittelbar darauf anlege. Mir war und ist wichtig, meine Träume zu verwirklichen. Ich wollte immer schon viel erreichen, habe mir, seitdem ich ein Teenager bin, extrem hohe Ziele gesetzt. Ich bin zäh, beharrlich und oft stur. Was nötig ist, denn mir ist nichts geschenkt worden. Ich bin eine Frau aus einem Land, das zu meiner Kindheit noch zur Dritten Welt gehörte, das immer noch vergleichsweise arm ist und geprägt wurde von Bürgerkrieg und Drogenwahnsinn. Die Wahrscheinlichkeit, dass man es nicht weit bringt, wenn man in Kolumbien geboren wird, ist immer noch hoch.

Morgenpost Online: Sie setzen sich mit ihrer Stiftung „Pies Descalzos“ sehr für mehr Bildung ein.

Shakira: Bildung ist der Schlüssel zum Wohlstand und zur Selbstverwirklichung. Bildung darf nicht davon abhängen, ob deine Familie wohlhabend ist. Und wer seine Wirtschaft voranbringen will, der muss seine Bevölkerung bilden. Je höher der Prozentsatz von Uni-Absolventen in einem Land, desto besser geht es dem Land wirtschaftlich. Und jedes Jahr, das ein Mädchen in die Grundschule geht, erhöht später ihr Einkommen um zehn bis zwanzig Prozent. Stellen Sie sich nur vor, was für einen Sprung viele Gesellschaften machen könnten, wenn die Mädchen stärker unterstützt, gefördert und ermutigt würden zu lernen und sich zu bilden.

Morgenpost Online: Heute fahren Sie im Porsche, sie fliegen im Privatjet. Ist es wertvoll für Sie, beide Seiten zu kennen?

Shakira: Ich denke, Menschen sollten kein schlechtes Gewissen haben, wenn sie ihre Träume wahr gemacht haben und dadurch viel Geld verdienen. Hey, das darf man ruhig genießen, wenn man so hart arbeitet. Und ja, ich bin in Lateinamerika aufgewachsen, in Kolumbien wachsen aufgrund von Armut und jahrzehntelangem Bürgerkrieg Millionen von Kindern ohne gerechte Chancen auf. Ich bin überzeugt, dass es die Bildung ist, die mir erlaubt hat, dieses Leben hier zu führen. Ich hatte diese Möglichkeiten, weil ich das Glück hatte, eine gute Schulbildung zu bekommen.

Morgenpost Online: Wie viel Sport ist eigentlich nötig, um diese Bauchtanzbewegungen hinzubekommen?

Shakira: Mit Tanz bin ich aufgewachsen. Ich bin allerdings keine ausgebildete Tänzerin. Und um fit zu bleiben, mache ich das, was jeder andere Mensch auf diesem Planeten auch macht: Ich gehe fast täglich ins Fitnessstudio und versuche, es nicht mit den Kohlenhydraten und den Süßigkeiten zu übertreiben. Was ein echtes Opfer für mich ist, denn ich liebe Schokolade.

Morgenpost Online: Kochen Sie selbst?

Shakira: Nein, überhaupt nicht. Ich habe das nie gelernt, weil ich arbeite, seit ich 13 war. Ich reise ja so viel und lebe dieses Nomandenleben. Ich musste nicht kochen können, um in meinem Leben zurechtzukommen.