Gesichter der Renaissance

Bode-Museum zeigt 2011 exklusive Ausstellung

Sie soll das Kunstereignis des Jahres 2011 werden: Das Berliner Bode-Museum wird die Ausstellung "Gesichter der Renaissance" zeigen. Meisterwerke der italienischen Porträt-Kunst sollen zu sehen sein. Der Louvre, das MoMA, die Florentiner Uffizien und andere hochkarätige Museen steuern Werke bei.

Berlin bekommt nach den sehr erfolgreichen Ausstellungen des MoMA und Metropolitan Museums aus New York einen neuen Blockbuster. "Gesichter der Renaissance" heißt die Schau, präsentiert werden "Meisterwerke der italienischen Porträt-Kunst". Da wird viel weibliche Bellezza zu sehen sein von großen Künstlern mit klingenden Namen wie Botticelli, Lippi und Bellini.

Eine internationale Kooperation der Berliner Gemäldegalerie mit dem New Yorker Metropolitan, das damit zum zweiten Mal mit einer starken Präsentation in der deutschen Hauptstadt vertreten sein wird. Beide Häuser besitzen Schlüsselwerke der Porträt-Kunst dieser Epoche. Doch auch andere hochkarätige Leihgeber sitzen mit im Boot: der Louvre, die Uffizien in Florenz, die National Gallery in London und die National Gallery of Art Washington.

Kaum verwunderlich, dass das Auswärtige Amt die Schirmherrschaft für dieses Prestigeprojekt übernommen hat. In globalisierten Zeiten ist die kulturelle Zusammenarbeit auf internationaler Ebene ein gutes Aushängeschild. Eröffnungstermin wird der 25. August 2011 sein. Anschließend, ab Dezember 2011, geht die Schau ins New Yorker Haus.

Mehrere Millionen Euro Kosten

Die Kosten, so hört man in Museumskreisen, liegen bei mehreren Millionen Euro. Die Finanzierung teilen sich das Museumsinselkuratorium, der Kaiser-Friedrich-Museums-Verein und die Staatlichen Museen, weitere Sponsoren sind freilich hochwillkommen. Die Versicherungskosten sind bei Werken von Botticelli & Co. sehr hoch, daher ist davon auszugehen, dass wieder einmal der Bund die Bürgschaft übernimmt.

Ausstellungsort wird das restaurierte Bode-Museum auf der touristenstarken Insel sein. Das hat seinen guten Grund: Wilhelm von Bode hat das Haus als Berliner Renaissance-Museum entworfen. Den Renaissancekult inszenierte der Museumsmann kunstvoll durch die Komposition aus Skulpturen, Gemälden und Möbeln. Holzdecken, Fußböden und Portale atmen noch heute den Geist dieser Zeit.

"Wir müssen keine Renaissance-Atmosphäre künstlich kreieren, sondern haben mit dem Bode-Museum das ideale Schatzkästchen für die Kunstwerke", sagt Kurator Stefan Weppelmann. New York und Berlin arbeiten dabei gemeinsam am kuratorischen Konzept. Alle Werke, die gezeigt werden, sollen im Laufe der nächsten Monate noch mit Infrarotlicht "geröntgt" und analysiert werden, man erhofft sich dadurch wissenschaftliche Synergien in der Aufarbeitung bestimmter Themenfelder und Motive.

Die Werke ergänzen sich ideal

"Die Berliner und die New Yorker Sammlung", so Weppelmann, "ergänzen sich auf ideale Weise. Hier handelt es sich nicht wie beispielsweise bei der MoMA-Ausstellung um die temporäre Übernahme der Kollektion, sondern um eine wissenschaftliche Ausstellung mit populärem Charakter, eben weil sie viele Highlights zeigt."

Weppelmann ist sich sicher: "Mit Alten Meistern kann man sehr publikumswirksame Ausstellungen machen." Die Rembrandt-Ausstellung oder die derzeit laufende Botticelli-Schau in Frankfurt/M. beweisen das. Zudem entspricht die Schau auch einem neuen Trend: die eigenen Sammlungen von hoher Qualität wieder zu stärken.

Rund 120 Werke werden ausgestellt

Etwa 120 Werke, gemalte Bildnisse, feinste Marmorbüsten, fragile Zeichnungen und Medaillen zeichnen die Geschichte der italienischen Kunst vom Ende des 14. Jahrhunderts bis 1500 nach. Dabei möchte die Schau die Unterschiede zwischen den Bildnis-Traditionen in Florenz und Venedig beleuchten.

Dabei spiegeln sich Hierarchien und gesellschaftliche Normen in diesen Gesichtern. So zeigen viele Porträts feste Verhaltensregeln, die sich in verschiedenen Haltungen, Kleidungscodes (wertvolle Stoffe) und anderen Statussymbolen (Schmuck) festmachen lassen. Gerade in den dynastischen Florentiner Familien spielte das Porträt zur Sicherung der Tradition eine wesentliche Rolle.

Die Darstellung der menschlichen Figur gehört in der Kunstgeschichte zu den ältesten Motiven überhaupt. Allerdings wurde in der Renaissance das Individuum erst entdeckt. "Ein zugängliches Thema mit Bezug zur Gegenwart", findet Dagmar Korbacher, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Projektes.

Die Sprache der Porträts

Porträts sprechen ihr Gegenüber auf direkte Weise an. "Das Gesicht spielt seit jeher eine ganz große Rolle. Wie stelle ich mich da? Wie inszeniere ich mich?", sagt Sabine Hoffmann, die auch an der Präsentation arbeitet. Aktualität ist da nicht zu leugnen: dem Porträt von einst entspricht das It-Girl auf den Covern der heutigen Hochglanzmagazine.

Botticellis "Simonetta" in ihrer inszenierten Schönheit und den kunstvoll, mit Perlen drapierten Haaren ist da nur ein Beispiel. Und weil Simonetta so schön ist, kann man heute schon ihre Freundin auf Facebook werden.