Europa-Premiere in Berlin

Regisseur Emmerich feiert den Weltuntergang

Roland Emmerichs Film „2012" hat am Sonntagabend rauschende Europapremiere in Berlin gefeiert – mit künstlichem Wasserfall am Potsdamer Platz. Der Spezialist für Katastrophen-Filme in Hollywood jagt dieses Mal seinen Star John Cusack durch das Weltuntergangs-Drama. Und der erzählte auf dem roten Teppich, wie er die Dreharbeiten erlebte.

Tsunamis peitschten gewaltige Wassermassen durch die Häuserschluchten, schwere Erdbeben zerrissen die Städte, heiße Lava-Ströme begruben alles Leben unter sich: So ist am Sonntag Punkt 19 Uhr die Welt untergegangen – am Potsdamer Platz. Selbstverständlich nicht wirklich, aber täuschend echt, auf der Kinoleinwand. Der Katastrophenfilm „2012“ (Kinostart: 12. November) des deutschen Hollywood-Regisseurs Roland Emmerich feierte im CineStar im Sony Center Europapremiere. Der 53-jährige Meister des Schreckensszenarios hat schon mehrere dramatische Überlebenskämpfe der Menschheit inszeniert, 1996 „Independence Day“ mit Will Smith und 2004 „The Day After Tomorrow“ mit Jake Gyllenhaal und Dennis Quaid.

Diesmal nimmt John Cusack als Schriftsteller Jackson Curtis 158 Minuten lang den Kampf mit den Naturgewalten auf. „Am Ende hatte ich im Wasser gedreht, im Feuer, im Dreck, im Ascheregen, bei Erdbeben… so ziemlich allem, was man sich vorstellen kann. Ich habe auch jedes Fahrzeug gesteuert, das man sich vorstellen kann, um jeder Katastrophe zu entkommen, die man sich vorstellen kann. Es war ein bisschen hektisch“, erinnerte sich der Hauptdarsteller beim Gang über den roten Teppich. Gemeinsam mit dem Regisseur und seinen Kollegen Amanda Peet und Chiwetel Ejiofor war er an die Spree gekommen, um die Mega-Produktion vorzustellen, die zur Hälfte aus visuellen Effekten besteht.

Doch auch die Dreharbeiten hatten es in sich. Fünf Monate lang waren im kanadischen Vancouver 720 Quadratmeter große Bühnen mit beweglichen Böden aufgebaut worden, die komplett ausgestattet waren, von Palmen bis hin zu 180 Meter langen und zwölf Meter hohen Blue Screens. 500.000 Tonnen Stahl sorgten dafür, dass nicht nur Autos, sondern sogar Flugzeuge darauf Platz fanden. Erdbeben und Flutwellen wurden per Joystick zur großen Apokalypse gesteuert.

Dass die am 21. Dezember 2012 stattfinden soll, ist keine Erfindung von Drehbuchautor Harald Kloser, sondern eine uralte Prophezeiung der Mayas: Ihr Kalender endet mit diesem Datum. Viele wissenschaftliche Studien sagen ebenfalls, die Erde werde sich nach diesem Tag einer verhängnisvollen Veränderung unterziehen. Während die Gelehrten noch darüber streiten, wie die aussieht, kamen gestern Abend viele Prominente ins Kino, um sich ein Bild davon zu machen – und Gedanken zum Thema Weltuntergang.

Was würden Sie tun, wenn Sie wüssten, das Ende der Welt stünde bevor? Schauspieler Michael Mendl würde noch mal „richtig leben“ und Harald Kloser Ski fahren („Wenn die Welle kommt, bin ich oben auf dem Berg sicher, und wenn nicht, habe ich einen schönen Ski-Urlaub“). Auch Comedian Oliver Kalkofe, der nach eigenem Bekunden gern dabei zusieht, wenn Dinge anspruchsvoll kaputt gehen und schon als Kind sein Spielzeug per Feuerwerkskörper zerlegte, nahm die Frage auf die leichte Schulter: „Ich würde vorher noch mal aufs Klo gehen und Privatfernsehen gucken, dann tut es einem nicht so leid, wenn die Welt untergeht.“

Vorsichtiger näherte sich Schauspielerin Katja Flint dem Thema und dem riesigen künstlichen Wasserfall vor dem Kino: „Ich glaube nicht an die Apokalypse, wohl aber daran, dass unser Leben begrenzt ist. Wir sollten jeden Tag genießen und uns nicht gegenseitig mit Nichtigkeiten quälen.“ Während sich Hauptdarsteller Cusack im Falle eines Falles eine Zigarette anzünden will („Ich habe mit dem Rauchen aufgehört, aber wenn die Welt untergeht, würde ich mir noch eine gönnen“), will Regisseur Emmerich lieber noch einen Film drehen. Er hat auch schon ein neues, wesentlich ruhigeres Projekt in Arbeit. In „Anonymous“ beschäftigt er sich mit dem mysteriösen Rätsel, ob William Shakespeare alle seine Werke auch tatsächlich selbst verfasst hat