Kunst

Diese Berliner Galerie beeindruckte Matt Damon

Seit zwei Jahren betreibt Alessandro Mannozzi die Galerie "Lacke Farbe" in Berlin-Mitte. In der Galerie stellt der Besitzer des Edel-Italieners Bocca di Bacco zurzeit surreale Porträts von Thomas Rauchfuss aus. Dem Hollywoodstar Matt Damon gefiel die Ausstellung so gut, dass er dem Galeristen ein besonderes Angebot machte.

Foto: M. Lengemann / M. Lengemann/VG BildKunst, Bonn 2010

Wie ein Äffchen hockt er da. Schaut grimmig hinter Brille und Pinsel hervor. Die nackten Füße passen nicht recht zum schwarzen Anzug, zum roten Tuch auf dem Kopf. Eine Farbpalette in der rechten Hand, kauert "der Maler" auf einem roten Barhocker. Öl auf Leinwand - "der Maler" ist ein Hochformat. Matt Damon hat er gefallen. Mehrere Minuten nahm sich der Schauspieler für dieses Werk. Betrachtete es trotz nervender Paparazzi am Schaufenster eingängig. "Erinnert mich an Francis Bacon", soll er zu Herrn Mannozzi gesagt haben.

Alessandro Mannozzi ist seit neun Jahren Besitzer des Edel-Italieners Bocca di Bacco an der Friedrichstraße. Und seit zwei Jahren der Galerie "Lacke Farben" an der Brunnenstraße in Mitte. Damit hat er sich einen Traum erfüllt: Die Kunst, die er schon im Restaurant förderte und wechselnd ausstellte, endlich seriös anbieten zu können. Ihr Raum zu geben, sie angemessen in Szene setzen.

Dafür hat er einen ehemaligen Farbladen in einem Berliner Altbau von 1890 gekauft und grundsaniert. Mit dem gleichen Architekten, der bereits das Restaurant geplant und umgesetzt hatte. Bei den Renovierungsarbeiten tauchte der gemalte Schriftzug "Lacke Farben" mit einem Logo von zwei Strichmännchen mit angewinkelten Armen in der Mitte auf - der Name der Galerie war gefunden. Ihre Vorgeschichte auch. Herr Mannozzi durchforstete alte Telefonbücher und wurde in einer Ausgabe von 1930 fündig: Die Gebrüder Winkelmann betrieben genau hier ein Fachgeschäft für Malerei und Lacke. Der Sohn des einen lebt noch heute in Berlin. Er freute sich, als Herr Mannozzi ihn kontaktierte und brachte sogleich Fotos aus der alten Zeit vorbei. Da sitzt ein stolzer Steppke mit Vater und Onkel vor zwei großen Schaufenstern und grient.

Die großen Fenster sind geblieben. Die Malerei im Innenraum über der Tür auch. Sonst nichts. Grauer Granit, weißer Stuck und eine geschickt ausgerichtete Lichtkonstruktion. Allein Kunst gibt hier Farbe, sie steht im Mittelpunkt. Momentan die von Thomas Rauchfuss, der seine zwischen 2005 und bis 2010 im Kreuzberger Atelier entstandenen Bilder ausstellt. Seine Werke zeigen Menschen, die einerseits gräulich, skurril, verschwommen, andererseits sehr realistisch, klar gezeichnet, echt wirken. Ihre Augen leben, ihre Proportionen jedoch sind unstimmig. Riesige Pranken, unförmige Füße und verzerrte Fratzen.

Wenn man "Die Experten", ein Großformat im Lichthof der Wendeltreppe mit sieben Gestalten im Anzug, verstohlen zusammen stehend, betrachtet, oder die "Beobachtung der Flugenten", vier der gräulichen Gestalten im hohen Gras, verschwörerisch in den dunklen Himmel blickend, so scheint es, als müsse man als Betrachter die Luft anhalten. Als seien die Figuren fremd, etwas Irres haftet ihnen an. Und als wüssten sie etwas. Etwas, das man ihnen entlocken will, von dem man eine böse Vorahnung zu haben scheint. Und doch nicht dahinter kommt. Ganz ähnlich wie bei den Realisten Francisco de Goya oder Otto Dix. Oder eben bei Francis Bacon. "Die Bilder geben einem Tristesse, sind schwer", sagt Herr Mannozzi. "Kunst kann auch nicht immer nur fröhlich sein. Und in den Werken von Rauchfuss steckt Energie."

Energie, die hat Herr Mannozzi allemal. Obwohl ihn die Arbeit im Restaurant und seine beiden Töchter voll beschäftigen, kümmert er sich um seine Galerie, sucht nach geeigneten Künstlern, entwickelt aufwendige Begleitkataloge, konzipiert die Ausstellungen. Und werkelt weiter an der Architektur.

Remise wird hergerichtet

Erst vor kurzem machte ihn ein Handwerker auf einen verborgenen Kellerraum im Souterrain aufmerksam. Herr Mannozzi ließ ausgraben - und fand im steinernen Gewölbe tatsächlich das Fundament eines weiteren Raumes, sowie mundgeblasene Vasen aus den Zeiten der Galerie als Glasbläserei, Nähutensilien und Lacke und Farben. Im Hof befindet sich eine Remise, die momentan ebenfalls für kommende Ausstellungen hergerichtet wird. Obwohl sich seine Investition wohl nie auszahlen wird, macht er weiter. Herr Mannozzi ist stolz, der Exot unter den Galeristen an der Brunnenstraße zu sein. "Es gibt hier über zwanzig Galerien, aber alle stellen eher abstrakt, gegenständlich aus. Ich bleibe da mehr klassisch-figurativ." Er freut sich, wenn die Galerie gefällt und gut besucht wird. Dafür bietet er auch private Führungen an. Wie für Matt Damon, der letzte Woche seinen Film "Green Zone" in Berlin vorstellte. Und natürlich bei seinem Lieblingswirt und Freund Mannozzi vorbeischaute.

Die Beiden kennen sich mittlerweile sehr gut. Vor zwei Jahren wohnte Damon für drei Monate während Dreharbeiten am Gendarmenmarkt in Berlin - und aß regelmäßig im Bocca di Bacco. Matt Damon freute sich, von der neuen Aufgabe seines Freundes zu hören. Und war begeistert von der Galerie. "Der Maler" von Rauchfuss faszinierte ihn am meisten. Gekauft hat er dennoch nichts. Dafür angeboten, seinen Bruder Kyle, Künstler, zu fragen, ob der nicht einmal bei Alessandro Mannozzi ausstellen wolle. Nächstes Frühjahr dürfte es soweit sein.