Statistik

Berliner Museen verlieren Hunderttausende Besucher

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Gabriela Walde

Foto: rj / dpa

Die Staatlichen Museen Berlins mussten im vergangenen Jahr einen Besucherrückgang hinnehmen. Nach Angaben von Generaldirektor Michael Eisenhauer sank die Zahl auf rund vier Millionen Besucher, etwa 600.000 weniger als im Vorjahr. Das Kulturforum soll nun zum neuen Publikumsmagneten ausgebaut werden.

Also erst die gute oder lieber die schlechte Nachricht? Fangen wir bei der schlechten an: Das vergangene Jahr war das finanziell schlechteste in der Geschichte der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK). Seit 1996 war der Haushalt eingefroren, bei stetig steigenden Kosten. Doch jetzt stocken Bund und Land Berlin fünf Millionen Euro auf.

Leider sieht auch die Besucherbilanz bei den Staatlichen Museen mit einem Minus von über einer halben Million nicht rosig aus: eine Folge der wirtschaftlichen Krise und der temporären Schließung von Hamburger Bahnhof und der Ägyptischen Sammlung im Alten Museum, die ihr Domizil heute im Neuen Museum hat. Der von David Chipperfield sanierte Bau ist der derzeitige Besucherliebling: in den ersten drei Monaten nach der Eröffnung zog das Neue Museum 300.000 Besucher an, in der Weihnachtszeit 4000 Besucher pro Tag.

Ohnehin gibt es auf der Museumsinsel genug Grund zu feiern, am 6. Juni steht das Ensemble zehn Jahre auf der Weltkulturerbeliste der Unesco und die Bautätigkeit des millionenschweren Masterplans schreitet voran: die Eröffnung des anmutigen Kolonnadenhofes zwischen Neuem Museum und Alter Nationalgalerie ist für den Internationalen Welterbestättentag vorgesehen.

Die Fertigstellung des dringend notwendigen zentralen Besucherzentrums, die James Simon Galerie, ist für 2013 geplant. Hier sollen Museumsshop, Vortragsräume und andere Infrastrukturen zusammengeführt werden und für einen fließenden Besucherstrom sorgen. Der Durchbruch zum Pergamonmuseum kann erst folgen, wenn der Südflügel umgebaut wird. Der eigentliche Umbau beginnt, so die Planung, 2013 im Nordflügel. Dort soll künftig – ab 2019 – das flächenmäßig stark vergrößerte Islamische Museum seine neue Heimstatt finden. Auch die Sammlung soll konzeptionell neu aufgestellt werden.

Die SPK will die Planung für den Wiederaufbau des Schlosses zügig vorantreiben. Derzeit wird ein internationaler Expertenbeirat gegründet, um die Ausstellungspräsentation zu diskutieren. „Es kommt nicht darauf an, ob wir ein Jahr früher oder später fertig werden. Wichtig ist, dass wir keine Unterbrechung haben“, sagte Stiftungspräsident Hermann Parzinger.

Hoch gesteckt sind die Ziele, das Kulturforum am Potsdamer Platz als „Museumsinsel 2“ zu profilieren. Auch die Philharmonie und die Staatsbibliothek sollen mit einbezogen werden. Die Neue Nationalgalerie soll zum „Tempel der Klassischen Moderne“ geadelt werden. Im Zuge der dringend notwendigen Sanierung wird das Untergeschoss erweitert. Dort sind Räume angelegt, die bei der Eröffnung in den Sechzigern „verfüllt“ wurden, weil die Sammlung damals nicht groß genug war. Mit erweiteter Grundfläche könnte dann die Sammlung adäquat ausgebreitet werden. Mit dem Zugewinn an Platz würden auch die Bedingungen geschaffen für die Schenkung der Surrealisten-Sammlung. Das Sammlerehepaar Ulla und Heiner Pietzsch ist nur gewillt, der Nationalgalerie seine Kollektion zu schenken, wenn ausreichend Platz geschaffen wird. „Ins Depot geben wir unsere Bilder nicht“, sagt Heiner Pietzsch.