Irgendwie ist es ja so unkaputtbar wie die Helden, von denen es erzählt. Das Fantasy Filmfest entführt uns alljährlich eine Woche lang in die Welt der Geister, Zombies und sonstiger Untoter. Und es kommt zuverlässig alle Jahre wieder wie der Grusel, der einen packt, wenn Lichter flackern, sich Türen öffnen oder Schreie aus dem Dunkeln kommen.
Fantasy Filmfest: Als die Zelluloid-Rollen zu brennen anfingen
Auch im mittlerweile 40. Jahr entführt uns das Festival in die Welt der Thriller, Horrorfilme, Fantasy-Märchen und sonstigen gruseligen Arthouse-Perlen. Und der Berliner Dauer-Fan erinnert sich ob des Jubiläums zum Beispiel an wohlige Nächte im Royal Palast, wo auf der damaligen „größten Leinwand Europas“ ein schwedischer Slasher-Film mit den wirklich witzigen Worten „Rest in pieces“ um Mitternacht endete.
Nun, mittlerweile ruht der Royal Palast selbst friedlich in Stücken, aber nur wenige Meter entfernt ist mal wieder der Zoo Palast Gastgeber für diesmal 41 Filme. Mittlerweile werden auch keine 35-mm-Filmkopien mehr auf Lastwagen durchs Land gekarrt, sondern die Filme digital ausgespielt, was insofern gut ist, dass keine Zelluloid-Rollen mehr zu brennen anfangen, wie tatsächlich beim Fantasy Filmfest schon geschehen. Was für eine Horror-Vorstellung!
Und waren früher Peter Jackson, Ray Harryhausen oder Guillermo Del Toro zu Gast beim Fantasy Filmfest, zeigen sich diesmal neben dem britischen Südafrikaner Abner Pastoll („Nervous“) mit der jungen Französin Marion Le Corroller für „Species“ und dem Türken Alphan Eşeli („Mutter: The Diary of a Mother“) zwei noch zu entdeckende Regisseure, die zwar leider statt nach Berlin nur nach Hamburg bzw. München kommen – aber zwei hervorragende Filme mitbringen.
Fantasy Filmfest: Wenn Angestellte ausrasten
Der Body-Horror-Schocker „Species“ – nicht zu verwechseln mit Roger Donaldsons Science-Fiction-Film von 1995 – entführt dabei gnadenlos in „The Substance“-Manier in die Welt der überforderten jungen Ärztin Margot (Mara Taquin), die als Reaktion auf ihren überaus stressigen Job im Krankenhaus überall zu bluten anfängt und sich schließlich in ein anderes Wesen verwandelt, das im Job perfekt funktioniert, aber im Alltag zur Gefahr wird.

Donnerstag
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Eine beißende Satire auf die Ausbeutung der Gen Z in der Arbeitswelt. Mit einer großartigen Karin Viard als Chefin-Monster im Arztkittel. Und Ähnlichkeiten zum japanischen Horrorfilm „AnyMart“, wo die roboterhaften Angestellten eines kleinen Supermarktes am Ende genauso ein Blutbad begehen wie der junge Burger-Brater zu Beginn von „Species“.

Auch in „Mutter“ blutet eine junge Frau stark, aber bei Gül (Hazar Ergüclü) ist das Folge einer schrecklichen Geburt, an deren Ende kein süßes Kind, sondern ein abartig merkwürdiges Wesen auf die Welt kommt, das die junge Frau an den Rand des Wahnsinns treibt. Stimmungsvoll in die nebligen, einsamen Wälder der Schwarzmeerküste versetzt, veranschaulicht Alphan Eşeli hier den Horror einer im wahrsten Sinne des Wortes alleingelassenen Mutter, die das Trauma einer schwierigen Geburt in einer patriarchalischen Gesellschaft zwischen Beschützern, Machos und Feiglingen selbstständig bewältigen muss.
Fantasy Filmfest: Ein Geist mordet in einem Gefängnis
Horror wird immer dann zum Meisterwerk, wenn sich hinter dem Schleier aus Blut, Schleim und grellen Effekten eine große Geschichte verbirgt, und das ist in Joko Anwars ungewöhnlicher indonesischer Comedy-Horror-Show „Ghost in the Cell“ der Fall. Nicht nur der offensichtliche Namensbezug zum Cyberpunk-Manga- und Anime-Klassiker „Ghost in the Shell“ ist originell.
Die Geschichte ist es auch: In einem Gefängnis tötet ein Geist Insassen auf derart grausame Weise, dass einem selbst der Serienkiller-Klassiker „Sieben“ wie ein Kindergarten vorkommt. Dass der Geist aus den Toten selber kommt, es um schlechte Energie, die Aura des Menschen an sich und schließlich ganz groß um Todesfälle im fernen Regenwald geht, macht diese anfangs so krude Geschichte zu einem vielschichtigen Drama, das letztendlich als grelle Farce über die Geister der Korruption wunderbar funktioniert.

Wer nun meint, dass es beim Fantasy Filmfest immer laut und grell zugehen muss, sollte sich „Never After Dark“, „The Fox“ oder „You are the Film“ anschauen. „Never“ ist ein auffällig stiller, japanischer Poltergeist-Film, in dem Hellseherin Airi (Moeka Hoshi) als reisender Ghostbuster mit ihrer nur geistig anwesenden Schwester den Geist in einem leer stehenden, ehemaligen Hotel vertreiben soll. Lange Flure, eine Standuhr, deren Zeiger rückwärts wandern, und sich von Geisterhand öffnende Türen sind zwar wenig originell, aber die Botschaft, dass lebendige Menschen wesentlich gefährlicher sind als Gespenster, hat es in sich.
Fantasy Filmfest: Das Animalische im Menschen
Auch in „The Fox“ sind die Menschen nicht das, als was sie scheinen. In der übermütigen australischen Komödie überredet eine sprechende Füchsin den Jäger Nik (Jai Courtney), sie zu verschonen – sie würde ihm dann helfen, seine untreue Verlobte wiederzugewinnen. Ein Handel, der zwar klappt, aber ungeahnte Folgen für alle hat – und sich als komödiantische Abrechnung mit dem Animalischen im Menschen erweist, die sich über die Domestizierung von Ehepartnern lustig macht.

Dann bleibt man doch lieber der Wildnis fern und flüchtet in die heimelige Welt des Kinos. Aber halt! Wie ist das, wenn dort plötzlich der Film mit einem spricht und man selbst Teil eines Spielfilms ist, den der andere gerade in einem anderen Filmtheater sieht? So geschieht es Madoka (Marika Ito) und Kazuma (Kai Inowaki) in der originellen japanischen Komödie „You are the Film“, die sich plötzlich als Protagonisten mitten in einem Science-Fiction-Film bzw. Krimi befinden. Hm, sie müssen zu viel beim Fantasy Filmfest geschaut haben!
Fantasy Filmfest, 2. – 9. September im Zoo Palast. Tickets 12/14 Euro, Festivalpass 240 Euro (ausverkauft). Mehr unter https://fantasyfilmfest.com/programm/





