Die Spätvorstellung um 23 Uhr war die letzte in den fünf Sälen des Royal-Palastes. Nicht nur gestern, sondern wahrscheinlich für immer. Wieder muss ein Berliner Traditionskino aufgeben. Und wieder trifft es die Kudamm-Gegend.

"Eine Katastrophe", sagt Bernd Buder vom Babylon-Filmtheater in Mitte. Der 40 Jahre alte gebürtige West-Berliner verbindet Jugenderinnerungen mit dem Royal-Palast. Auch wenn Buder gerade mit dem eigenen, vom Senat unterstützten Programmkino Babylon das 75-jährige Bestehen feiern konnte: "Das Berliner Kinosterben ist einfach deprimierend." Insgesamt wurden in den vergangenen vier Jahren mehr als 30 Berliner Kinos geschlossen. Besonders hart trifft es die Kudamm-Gegend: Von 34 Kinos in den 90er-Jahren blieben 14 erhalten. Ob sich für den Royal-Palast doch noch ein neuer Investor findet, war auch gestern noch ungewiss.

Georg Kloster, der mit der "Yorck-Gruppe" 13 Kinos - mit Schwerpunkt Filmkunst und Arthouse - in Berlin betreibt, glaubt an eine Überlebenschance für den Royal-Palast. Sofern dort mit einem anderen Konzept als bisher gearbeitet würde. Seine eigenen Kinos, etwa das Delphi oder Cinema Paris, hielten sich mit ausgewählten Programmen ihre Stammkundschaft und könnten so überleben.

"Viele Mainstream-Häuser wie das Royal aber haben in den letzten Jahren Filme als Ramschware angeboten: schlechte Filme zu niedrigen Preisen. Das rentiert sich nicht - weil es sich gegen moderne Multiplex-Kinos nicht durchsetzt", so Kloster. Eine ähnliche negative Entwicklung meint er im Zoo-Palast zu beobachten, "was schade um den hübschen Kinostandort ist".

Der Zoo-Palast - eine weitere Institution der Berliner Kinogeschichte - könnte bald aus dem Stadtbild verschwinden. Die bayerische Investorgruppe, die das "Zoobogen"-Areal neu gestalten will, hat den Abriss des Kinos nicht ausgeschlossen.

"Mit uns wurden darüber aber noch keine Gespräche geführt", sagt Christian Arbeit, Sprecher des Zoo-Palast-Betreibers UCI. "Ein Abriss steht insofern nicht zur Debatte."

Aber UCI selbst schließe bauliche Änderungen mittelfristig nicht aus: "Das Kino wird nicht jünger und genügt schon jetzt nicht mehr allen Ansprüchen der Besucher." Änderungen - vom Umbau bis zum kompletten Abriss und Neubau - seien möglich. Der Kinostandort aber könne überleben: "Wir ziehen in dieser Gegend viele Touristen an. Eine Schließung des Royal-Palastes ist zwar schade - aber gut für uns."