Interessant am Theater ist das, was man sieht – sollte man meinen. Aber manchmal ist die Maschinerie im Hintergrund mindestens ebenso interessant. Für Heiner Bomhards Inszenierung „Der Gesang des Pottwals“ ist eine Freilichtbühne im Hof des Hauses aufgebaut worden, vor der bis zu 170 Zuschauerinnen und Zuschauer das lustige Treiben von Lisa Birke Balzer, Heiner Bomhard, Manuel Harder, Florian Köhler, Daria von Loewenich und Janek Maudrich verfolgen können. Sie hat den Charme einer luftigen Installation aus Brettern, man denkt an Barock- oder Straßentheater.
Auch interessant
Doch hinter der Leichtigkeit steckt viel Arbeit. Entworfen hat die Bühne Olaf Grambow, der seit 2003 Technischer Direktor am Deutschen Theater ist. Die Vorplanungen, erzählt er, begannen vor etwa einem halben Jahr, drei Wochen lang wurde aufgebaut. „Mir war dabei wichtig, dass alle Gewerke der Theaterwerkstätten eingebunden wurden“, sagt er. Der Malsaal steuerte große Gemälde bei, die Plastiker schufen Putten nach Vorbildern aus barocken Kirchen – „die Tischler, die Schlosser und alle anderen, alle hatten gut zu tun“.
Die Konstruktion, die sogar eine kleine Unterbühne hat, ist so konzipiert, dass sie bei Bedarf auch in den Kammerspielen des Deutschen Theaters aufgebaut werden kann. Sie erfüllt auch eine weitere, für das Theater sehr wichtige Funktion: als Ausweichspielstätte. Denn die Große Bühne des Hauses wird in den kommenden Wochen nur eingeschränkt nutzbar sein. Während der Autor*innentheatertage, die am 6. Juni in ihre 31. Ausgabe starten, können Veranstaltungen nur auf der Vorderbühne stattfinden. Der Grund dafür ist gewissermaßen eine Herzoperation.
Auch interessant
Denn das „Herz“ des Theaters, zumindest sein technisches, ist die Inspizientenanlage. Wer im Zuschauerraum sitzt, kann sie nicht sehen, sie befindet sich rechts hinter dem Bühnenportal. Von hier aus wird der Ablauf der Inszenierung gesteuert: Jeder Schauspielerauftritt, jeder Licht-, Ton- und Videoeinsatz, jeder Kulissenwechsel, ja sogar die Applausordnung zum Schluss wird von hier aus koordiniert. Der Inspizient steuert mit seiner Lautsprecheranlage 500 Räume im Theater an, er dirigiert und koordiniert mit Lichtsignalen alle Menschen, die mit dem Abend beschäftigt sind.

Donnerstag
Der Wochenend-Newsletter der Berliner Morgenpost
Bestellen Sie hier den wöchentlichen Newsletter mit Tipps zum Wochenende in Berlin
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Und diese Anlage ist inzwischen 20 Jahre alt. Das Projekt, sie zu erneuern, läuft inklusive Antrag und Genehmigungsverfahren schon seit 2022. Vieles ist schon geschehen, nun muss noch die Rechnerstruktur erneuert werden. In den zehn Wochen, die dafür zur Verfügung stehen, geschieht aber noch mehr: Ganz oben, unter dem Dach, wird der Schnürboden erneuert. 16 Winden sorgen in einem separaten Raum dafür, dass der Kulissenzauber 17 Meter weiter unten funktioniert. Auch sie haben 20 Jahre auf dem Buckel. Motoren, Antriebe und Bremsen müssen erneuert werden.
Auch interessant
„Die Anlage wird danach mehr können als bislang, dreidimensionale Fahrten mit Zügen etwa, die dann zum Beispiel als Welle laufen könnten“, sagt Olaf Grambow. Mit Beginn der nächsten Spielzeit soll alles fertig sein. Doch nun steht erst einmal die Eröffnung der Freilichtbühne an. Nicht nur Regisseur Heiner Bomhard hofft darauf, dass das Wetter mitspielt.








