Wenn es um Räume für Berliner Kulturschaffende im Allgemeinen und Schriftstellerinnen und Schriftsteller im Besonderen geht, dann ist das Literaturhaus Berlin der perfekte Ort für eine Diskussionsrunde. Denn zum einen sind die beiden Leiterinnen Sonja Longolius und Janika Gelinek mit ihrem Team von den Sparmaßnahmen des Senats unmittelbar betroffen und müssen ihr Programm im laufenden und im kommenden Jahr stark einschränken. Und zum anderen sind sie – ohne sich darum beworben zu haben – zu Expertinnen für Räume geworden, die in Berlin für Kulturveranstaltungen genutzt werden können.

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Denn das Literaturhaus in der Fasanenstraße ist seit Sommer 2024 geschlossen, weil es strangsaniert und barrierefrei gemacht werden soll. Seit ein paar Monaten finden die Bauarbeiten im denkmalgeschützen Ensemble, zu dem auch das Literaturcafé und eine Buchhandlung gehören, auch tatsächlich statt. Das Team des Literaturhauses befindet sich mit seinen Veranstaltungen deshalb auf Tournee durch die ganze Stadt – mal findet es in der Steglitzer Schwartzschen Villa, mal im Kreuzberger SO36, dann wieder in der Charlottenburger Vagantenbühne Unterkunft. Ein interimistisches Hauptquartier befindet sich in einer ehemaligen Fabriketage in Moabit.

Dort saßen im Rahmen eines Abends der Berliner Literaturkonferenz in Kooperation mit Radio 3 vier Menschen auf dem Podium, die sich mit den schwindenden Kulturräumen in der Stadt bestens auskennen – im übertragenen wie im wörtlichen, das heißt immobilienwirtschaftlichen Sinn. Von beidem kann der Schriftsteller Jan Brandt berichten. Als Freiberufler ist er Leidtragender der zusammengekürzten Programmetats, weil es weniger Anfragen gibt. Als Protagonist auf dem Wohnungsmarkt ist er im Nachteil, weil kaum noch Mietverträge an Freiberufler ausgegeben werden.

Literaturhaus
Literaturhaus-Leiterin Janika Gelinek hielt den Impulsvortrag. © Thomas Ernst | www.ernst-fotos.de

Eine überteuerte Stadt also, die sich kulturell selbst verzwergt? Peer Mock-Stürmer (CDU), Vorsitzender des Kulturausschusses im Berliner Abgeordnetenhaus, wiederholte das offizielle Mantra der schwarz-roten Landesregierung, wonach der Kulturetat sich, historisch betrachtet, in vergleichsweise luxuriösen Höhen befinde. Dass dies niemandem hilft und überproportionale Kürzungen direkt ins Fleisch schneiden, weil der Großteil der Budgets in Personal und Unterhalt gebunden sei, machte Literaturhaus-Leiterin Sonja Longolius klar.

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Birgit Möhring, Geschäftsführerin der Berliner Immobilienmanagement GmbH, ließ durchblicken, warum sich die Bauarbeiten in der Fasanenstraße so lange verzögert haben: Die Baugenehmigung habe wegen des komplexen Prozederes sehr lange auf sich warten lassen. Dass beim landeseigenen Immobiliendienstleister Reformen im Bereich des Facility Managements auf den Weg gebracht werden und sein Sondervermögen für aktuelle Bedarfe zugänglich gemacht wird, gehörte zu den wenigen Hoffnungsschimmern in einem insgesamt arg dunklen Bild. Und doch freut man sich über ein so gut informiertes Podium wie dieses. Noch lieber hätte man ihm in der Fasanenstraße zugehört. Im Frühsommer 2026 soll die Villa wieder zugänglich sein.

Die Berliner Morgenpost produziert mit dem Literaturhaus Berlin den Podcast „Berlins schönste Seiten“.