Berührbare Genitalien aus Plüsch, ein Kamasutra für Blinde, eine sexy Duftstation, ein einladendes Bett mit Gefühlskissen, Tabu-Spiel mit Sex-Begriffen, Gesetzestexte zum Thema Sex: In der vielseitigen, neuen Ausstellung „Apropos Sex“ im Museum für Kommunikation in der Leipziger Straße in Berlin-Mitte gibt es viel zu entdecken. Ein achtköpfiges Kuratorenteam aus Frankfurt und Berlin erzählt in der Schau, wie wir über Sex sprechen, streiten und denken. Kultur, Erziehung und Bilder aus Film und Fernsehen prägen unsere Vorstellung davon.

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Die Museumsstiftung Post und Telekommunikation zeigte die Schau bereits am Museums-Standort Frankfurt. Dort lockte die Wanderausstellung 49.000 Menschen an. Ein vorwiegend weibliches, überdurchschnittlich junges und queeres Publikum zeigte Interesse. Die Besucher seien schnell miteinander ins Gespräch gekommen. Wermutstropfen: Während der Ausstellung in Frankfurt wurde die „Progressive Pride“-Flagge am Eingang viermal zerschnitten und angegriffen, wie Annabelle Hornung berichtet. Auch in Berlin soll die Regenbogen-Flagge während des Pride-Months 2026 vorm Museum für Kommunikation wehen.

„Ein hochemotionales Thema“
„Sexualität ist ein hochemotionales Thema“, sagt Co-Kuratorin Annabelle Hornung. „Jeder hat etwas dazu zu sagen.“ Die Ausstellung ist in fünf Bereiche untergliedert: Lasst uns reden, Aufgeklärt, Grenzziehung, Sexualität und Ich und mediale Lust. Der Bereich „Lasst uns reden“ ermuntert dazu, Worte für Gefühle und Geschlechtsteile zu finden. Obwohl Sex in Medien und Öffentlichkeit allgegenwärtig erscheint, ist die Verständigung über Intimes für viele noch immer keine leichte Sache.
Bei der Gestaltung für die Ausstellung legte man großen Wert darauf, keine Communitys und keine Spielart der Sexualität zu diskriminieren. Mit Rücksicht auf das internationale Publikum in Berlin sind die Erklärtafeln nicht nur auf Deutsch und Englisch, sondern auch in leichter Sprache gehalten, damit auch Nicht-Akademiker und Nicht-Muttersprachler alles verstehen können. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung prüfte laut Kuratorinnenteam jeden einzelnen Ausstellungstext gewissenhaft. Im Mittelpunkt standen die Kommunikation über Sex und das Recht auf sexuelle Bildung. Ausgeklammert wurden die Themen Religion und Fortpflanzung.

Aufklärung: „Wissenstand sehr unterschiedlich“
Co-Kuratorin Annabelle Hornung, die die Ausstellung in Frankfurt auswertete, weiß: „Manchen ist die Ausstellung zu brav, andere finden sie kreativ oder informativ.“ Aber der Wissensstand über Sexualität sei eben extrem unterschiedlich. Museumsdirektorin Anja Schaluschke, die sich selbst „als eher prüde“ einstuft, habe die Ausstellung als sehr spannend empfunden. Sie weist bei der Gelegenheit noch einmal darauf hin, dass die Schau sich auf die Kommunikation über Sex konzentriert, und nicht auf Sex.“

Die Art, wie Menschen Sexualität erfahren und erkunden, hat sich in den vergangenen 100 Jahren stark verändert. 1905 kursierte noch eine Postkarte, die einen Gärtner zeigte, der Babys gießt und dadurch sprießen lässt. Vom totalen Tabuthema, das mit kirchlicher Schuld beladen war, über die Aufklärung durch Magazine wie „Bravo“ oder „Praline“ avancierte Sex zu einem gesellschaftsfähigen Thema. Im Bereich für Aufklärung sind das Interessanteste vielleicht die Aufklärungserfahrungen, die Besucher auf Tafeln notieren und hinterlassen dürfen.
Einige Highlights der Ausstellung

Die große Stärke der Ausstellung „Apropos Sex“ ist sicherlich ihre Vielfalt und Interaktivität. Viele Ausstellungstücke im Museum für Kommunikation sind ironisch. Beispielsweise die vibrierende Unterwäsche von der Telekom mit dem klangvollen Namen „Love Magenta Connected Underwear“. Via Bluetooth-Signal sind die Dessous mit dem Smartphone des Partners verbunden. Per Push-Nachricht kann dieser dazu animiert werden, den „Love Mode“ einzuschalten. Allerdings kann man dort auch den „Nicht Stören“-Modus einschalten. Die Unterwäsche sollte laut Telekom im Jahr 2019 der digitalen Entfremdung entgegenwirken. Sie ist heute nicht mehr erhältlich.

Apropos Sex – Speaking of Sex, empfohlen ab 14 Jahren, jüngere Kinder sollten von ihren Eltern begleitet werden; 16. Oktober 2025 bis 6. September 2026, Eröffnung am Mittwoch, 15. Oktober, um 19 Uhr. Museum für Kommunikation, Leipziger Str. 16, 10117 Berlin-Mitte, Dienstag bis Freitag 9 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag, 10 bis 18 Uhr.





