Es ist ein Running Gag des Films. Immer wieder wacht der Mann auf und weiß erst mal nicht, wo er ist. Ist aber auch nicht so einfach. Der Mann (Colin Farrell) gibt sich als Lord Doyle aus. Und wohnt in Macao, dem Las Vegas des Ostens. In einer luxuriösen Suite in einem Fünf-Sterne-Hotel. Dabei ist der Adelstitel nur eine Täuschung, Doyle ein irisches Arbeiterkind namens Riley. Und ein Spieler. Der sich völlig verzockt hat.
„Ballad of a Small Player“: Ganz allein mitten in einer wuseligen Glitzerstadt
Er hat all sein Geld verspielt, hat immense Schulden aufgetürmt. Nun will nicht nur das Hotel die Rechnungen bezahlt haben. Ihm ist auch noch eine Privatdetektivin (Tilda Swinton) auf den Fersen, deren Auftraggeberin auch von Doyle/Riley geprellt wurde. Da gibt ess nur eins: Noch einmal spielen, dann wird das Geld sprudeln. Dumm nur, dass kein Casino ihn mehr reinlassen will.
„Ballad of a Small Player“ handelt von einem glücklosen Glücksspieler. Der, und das ist die größte Ironie des Films, ganz allein ist in der Glitzermetropole. Immer wieder sieht man ihn mitten in der wuseligen Stadt, an zentralen Orten, die aber stets menschenleer sind. Was die Isolation der Hauptfigur umso mehr betont. Ein Fremdkörper, der hier nicht hingehört – aber auch nicht weg will. Bis er eines Morgens an einem einsamen Strand aufwacht.
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Diese „Ballade“ ist kein tragisches Psychodrama, mehr ein irrwitziger Suchtfilm, der in seiner ästhetischen Überreizung an „Trainspotting“ erinnert. Auch der falsche Lord giert nach dem nächsten Kick, nur ist das kein Schuss Heroin, sondern das Zocken am Spieltisch. Auch wenn der Rausch dabei ausbleibt, der Turkey dafür aber sofort einsetzt.
Berger setzt so sehr auf Oberflächenreize, dass die Leere dahinter greifbar wird
Die Illusion vom schnellen Geld und trügerischen Luxus: Der deutsche Regisseur Edward Berger, der seit dem Oscar-Erfolg von „Im Westen nichts Neues“ international arbeitet, weiß das wunderbar in Bilder umzusetzen, indem er den Protz und die Dekadenz überreizt. Passend zum Glücksspiel arbeitet auch er mit Bluffs und Tricks.

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Da kippt schon mal die Kamera oder lauert wie das falsche Glück unter den Karten und guckt von da auf den Mann mit der Pechsträhne, den Colin Farrell oscar-verdächtig als Loser in edelstem Zwirn spielt, der immer mehr ins Schwitzen kommt. Ein zusätzliches Ass im Ärmel ist Tilda Swinton, einmal mehr in skurriler Aufmachung, als habe sie sich aus einem Wes-Anderson-Film verlaufen. Noch ein Fremdkörper in dieser Welt.
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Allein: Berger setzt bis zuletzt auf stylish-glitzernde Oberflächenreize, wenn man als Zuschauer längst die Leere dahinter erkannt hat. Diese Leere befällt dann zunehmend den Film selbst. Berger versäumt es, dem tragikomischen Antihelden mehr Tiefe zu verleihen. So dass man sich zwar über dessen Pechsträhne belustigt, aber nie wirklich um ihn bangt.
Dass sich am Ende alles ganz anders erweist als gedacht, mag dann den falschen Lord überraschen,. Cineasten haben das aber längst erahnt. Mit Film-Tricks kennen sie sich aus. Berger dagegen hat sich mit dieser Spielerei ein bisschen verzockt.
Tragikomödie USA 2025, 102 min., von Edward Berger, mit Colin Farrell, Tilda Swinton, Fala Chen






