Regisseur Torsten Körner spricht von der „Methode Wander“, die er sich für diesen Film zu eigen gemacht hat, was auch dessen Untertitel erklärt. Für ihren 1977 erschienenen Bestseller „Guten Morgen, du Schöne“ hatte die österreichische und 1956 in die DDR eingewanderte Schriftstellerin Maxie Wander Frauen aller Schichten und Altersklassen nach ihrem Alltag, ihren Hoffnungen und Enttäuschungen befragt und die Aussagen zu exemplarischen Monologen verdichtet.

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Es entstand ein literarisiertes, umwerfend wahrhaftiges Porträt weiblicher Lebensformen, das auch in der Bundesrepublik mit Begeisterung aufgenommen wurde. Noch heute erstaunt die Unmittelbarkeit, mit der diese Frauen zum Publikum sprechen – in diesem sicher einflussreichsten Buch, das in der DDR geschrieben wurde.
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Körner stand, noch während er mit „Die Unbeugsamen“ vor drei Jahren sein gelungenes Porträt über die parlamentarisch-politisch erfolgreichen Frauen der Bonner Republik drehte, vor der Frage, ob er sich nicht auch den Verhältnissen im sozialistischen deutschen Teilstaat zuwenden sollte. Nur hätte er sich auf dabei auf die Volkskammer beschränken sollen, so wie er auch den Bundestag im Westen in den Blick genommen hatte? Nein, denn das machtstrategisch bedeutungslose Akklamationsorgan des Politbüros repräsentierte nur ideologisch Erwünschtes, keine soziale Realität.

Die Dokumentation beschreitet einen anderen Weg und ist so sehenswert geworden, weil sie gewissenhaft gesellschaftliche Vielfalt abbildet. Mit Katrin Seyfarth kommt eine Metallurgin zu Wort, die anschaulich von männlicher Arroganz in der Maxhütte Unterwellenborn berichtet – und auf deren Leben der Film mithilfe einer in den 1980er-Jahren entstandenen Defa-Dokumentation zurückblicken kann.
Körner zeigt zurecht Empathie für das Leben in einem Land, in dem der Begriff der Hausfrau ebenso wenig Prestige genoss wie in der Bundesrepublik – wo aber zusätzlich zur häuslichen Fürsorge-Arbeit die Werktätigkeit wie selbstverständlich erwartet wurde und für den Erhalt der Wirtschaft unabdingbar war.
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Welche Belastungen das zeitigte, kann man nicht nur den Interviews entnehmen, es wird auch offen in den eingespielten Defa-Produktionen der 1970er- und 1980er-Jahre thematisiert: Zumindest die offenkundigsten Missstände der Ungleichberechtigung wurden hier einigermaßen ehrlich verhandelt
. Zeitzeuginnen wie die Schlagzeugerin Tina Powileit, die Schauspielerin Katrin Sass, die Historikerin Annette Leo, die Landwirtin Solveig Leo, die Schriftstellerin Katja Lange-Müller oder Brunhild Hanke, ehemalige Bürgermeisterin von Potsdam, tragen zu diesem Mosaik der deutschen Sozialgeschichte je eigene Farben bei.
Dokumentation D 2024, 109 min., von Torsten Körner






