„RIN, RIN, RIN“, ruft die überwiegend jugendliche Masse an Zuschauerinnen und Zuschauern, die den Rapper an dem spielfreien Tag der Fußball-EM 2024 endlich auf der Bühne in der Fan Zone vor dem Reichstag in Berlin sehen wollen. Renato Simunović, wie der Musiker mit bürgerlichem Namen heißt, lässt sich nicht lange bitten. Begleitet von Securitys läuft er ein bisschen im Rocky-Balboa-Style in das Adidas-Stadion ein und ruft: „Habt ihr noch Energy?“, und die Menge kreischt.

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„Ihr müsst euch eure Kräfte einteilen, denn jetzt machen wir die Scheiße vintage“, sagt er wenig später und startet in den gleichnamigen Song. „Rolex (ja) / Komm in meine Stadt, ich bring‘ den Vibe back (Vibe back) / Lagerfeld-Flow, alles vintage (oh, Junge) / Ihr macht alle nichts mehr Neues, Kodak (Kodak) Bring‘ den Vibe back (Vibe back)“, so sein Abgesang auf den Hip-Hop der Nullerjahre. Der neue Sound kommt mit reichlich Bass aus Bietigheim.

RIN in Berlin: Fanbase kommt aus der Stadt

Dabei ist auch Berlin eine kleine Heimkunft für den Deutsch-Rapper mit kroatischen Wurzeln. „Hier war schon immer so ein früher Kern meiner Fanbase“, sagt der 30-Jährige. Und das glaubt man an diesem Abend sofort. Denn das Publikum singt die Mischung aus Cloud Rap und Trap Line für Line mit, vielleicht ein bisschen getrieben von der Sehnsucht nach der großen Welt.

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„Wir wollen alle nach Amerika wie NASCAR (Hollywood) / Träume in der S-Bahn / Geblendet von den Lichtern dieser Weltstars (wouh) / Die Schwerkraft verschwindet in mei‘m Benzer (ayy)“, singt RIN, auf der Leinwand hinter ihm steht in großen Lettern der Name der Kleinstadt aus dem Stuttgarter Umland wie in den Hollywood Hills. Ein bisschen Fernweh, ein bisschen Heimweh, beides rückt eng zusammen, wo das Zentrum der Macht an diesem Abend doch so nah liegt.

RIN in adidas-Stadion
Blick auf Publikum und Reichstag beim Auftritt von RIN.© BM | Marc R. Hofmann

„Die Kulisse flasht – man guckt so einfach auf den Bundestag beim Auftreten“, so der in Ulm geborene Musiker, der noch auf seinen deutschen Pass wartet. „Olaf, du hast ihn mir versprochen“, sagt RIN und meint Bundeskanzler Olaf Scholz.

Donnerstag

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Der Bietigheim-Beat verfängt an diesem Abend. In der Mitte des Stadions hat sich in der Zwischenzeit ein großer Moshpit gebildet, die erste Reihe springt, schnelle Brille inklusive.

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Zum Abschluss kommt „Dior 2001“. Ein Jahr, in dem vermutlich ein großer Teil des anwesenden Publikums noch nicht geboren war. „Ich bin im mei′m“, singt RIN, „Zimmer high, sie killt den Vibe (ohh)“ die Menge. „Immer wenn sie“, der Rapper, „Immer“ schreibt, weiß ich gleich (ohh) / Dass sie nicht mehr bleibt (ai, ai, ja)“, die Menge. Denn auch Renato Simunović bleibt nicht mehr. Nach knapp 50 Minuten endet die Zeitreise mit dem Rapper mit Fern- und Heimweh im Herzen.