Elf Freunde müsst ihr sein – das gilt frei nach dem Titel des Jugendbuch-Klassikers von Sportreporter Sammy Drechsel auf dem Fußballplatz. Doch beim Gucken dürfen es gern auch etwas mehr Menschen sein und nicht nur die engsten Freunde, die sich vor Bildschirmen oder Leinwänden versammeln. Mit der Heim-WM 2006 kam das Public Viewing in Deutschland so richtig in Mode. Seitdem versammeln sich echte Fans und reine Turniergucker bei wichtigen Spielen zum gemeinsamen Schauen. Die Auswahl reicht vom Späti mit TV bis zur Grillrunde im Park mit Handyempfang. Wir stellen drei der größten und wichtigsten Berliner Treffpunkte für Fußballfans während der EM 2024 in Berlin vor.

Fanzone am Brandenburger Tor: Größter Kunstrasenplatz der Welt

Auf der Straße des 17. Juni wurden vom Brandenburger Tor bis zur Yitzhak-Rabin-Straße 24.000 Quadratmeter Kunstrasen für die Fanzone verlegt.
Auf der Straße des 17. Juni wurden vom Brandenburger Tor bis zur Yitzhak-Rabin-Straße 24.000 Quadratmeter Kunstrasen für die Fanzone verlegt.© picture alliance / SULUPRESS.DE | Marc Vorwerk/SULUPRESS.DE

Atmosphäre: Auf der Haupt-Fanmeile Berlins werden nur die großen Fußballbegegnungen gezeigt – heißt: alle Deutschland- und Finalspiele sowie die in Berlin ausgetragenen Spiele. Hier kommt am ehesten Stadionstimmung auf. Aber auch während spielfreier Zeiten kann man sich in der Fanzone die Zeit vertreiben und sich etwa auf dem Kunstrasen ausruhen.

Verbote: Vor den Eingängen der Fanzone werden Kontrollen durchgeführt. Alkoholische Getränke und Glasflaschen dürfen nicht reingebracht werden. Zudem dürfen mitgeführte Rucksäcke nicht größer als DIN A4 sein.

Zuschauer: Bis zu 60.000 Menschen passen in die Zone zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule. Während der Spiele machen vor allem die Fans aus den jeweiligen Ländern die Mehrheit der Gäste aus.

Bier/ Essenspreise: Ein halber Liter Bier kostet sechs Euro. Darüber hinaus gibt es ein diverses, internationales Essensangebot. So erhält man einen uruguayischen Chivito Burger mit gegrilltem Hüftsteak für zehn Euro.

Sitzen/ Stehen: Die Spiele lassen sich im Stehen verfolgen. Vor der Hauptleinwand vor dem Brandenburger Tor kann es besonders eng werden. Personen mit geringer Körpergröße haben hier das Nachsehen.

Leinwand: Die Hauptleinwand befindet sich vor dem Berliner Wahrzeichen. Insgesamt gibt es fünf Großleinwände, damit auch das Publikum weiter hinten das Spiel mitbekommt.

Besonderheiten: Der 24.000 Quadratmeter große Kunstrasen bietet Sitzmöglichkeiten für die Halbzeit und die spielfreien Zeiten.

Fanzone am Reichstag: Mit DJs und E-Gaming mehr als nur Fußball

Polnische Fußballfans feiern in der Fanzone-Arena vor dem Reichstag.
Polnische Fußballfans feiern in der Fanzone-Arena vor dem Reichstag.© FUNKE Foto Services | Sergej Glanze

Atmosphäre: Das Areal zwischen Reichstag und Scheidemannstraße wurde in ein kleines Fußballdorf verwandelt und bietet in gemütlicher Atmosphäre ein facettenreiches Programm für Jung und Alt, das auch über Fußball hinaus geht.

Verbote: Wie vor dem Brandenburger Tor ist das Mitbringen von alkoholischen Getränken und Glasflaschen in der Fanzone vor dem Reichstag verboten. Ebenso Rucksäcke und Koffer, Taschen dürfen nicht größer als DIN A4 sein.

Zuschauer: Auf das Gelände vor dem Reichstag passen deutlich weniger Menschen als vor das Brandenburger Tor: Maximal 10.000 Fußballfans können sich hier aufhalten – bei Spielen mit großer Strahlkraft werden lange Wartezeiten vor dem Eingang erwartet. Das 18.000 Quadratmeter große Eventgelände mit seinen vielen Aktivitätsmöglichkeiten zieht viele junge Menschen an.

Bier/Essenspreise: Es gelten die gleichen Bierpreise wie in der Fanzone vor dem Brandenburger Tor: Sechs Euro für einen halben Liter. Zudem können die Fans aus einem vielfältigen Essensangebot auswählen. Vegane Waffeln etwa kosten fünf Euro.

Sitzen/ Stehen: Die Spiele lassen sich im Sitzen verfolgen. Entweder in dem vom Sporthersteller Adidas aufgebauten Mini-Stadion „Home of Adidas Football“, wo bis zu 3000 Personen Platz finden, oder in einem Liegestuhl-Bereich.

Leinwand: Die Spiele werden auf mehreren Leinwänden, die über das Gelände verteilt sind, übertragen, drei davon in dem 3000 Quadratmeter großen Stadion. Gute Sicht ist garantiert.

Besonderheiten: Das Areal zwischen Reichstag und Scheidemannstraße bietet aber mehr als nur gemeinschaftliches Fußballfieber. Das Programm wird ergänzt durch DJ-Sets, und Livemusik. Zudem gibt es einiges zu entdecken: Neben kreativer Textilgestaltung gibt es unter anderem eine E-Gaming-Box und eine historische Ausstellung zu Europameisterschaften, die man innerhalb von 15 Minuten besichtigen kann.

11 Freunde-Quartier: Für Fußballfans und Party-People

Gucken auf Tribüne oder Bierbank: Das 11 Freunde EM-Quartier 2024 beim Astra auf dem RAW-Gelände in Friedrichshain.
Gucken auf Tribüne oder Bierbank: Das 11 Freunde EM-Quartier 2024 beim Astra auf dem RAW-Gelände in Friedrichshain.© FUNKE Foto Services | Sergej Glanze

Atmosphäre: Das Quartier beim Astra auf dem RAW-Gelände im Friedrichshainer Partykiez zeigt ausnahmslos alle Spiele. Die je nach Bestuhlung bis zu 1000 Zuschauer sitzen unter freiem Himmel. Als wetterfeste Erweiterung können die Spiele auch drinnen auf Leinwand und Fernsehern geschaut werden.

Verbote: Es dürfen nur Taschen mithinein, die so groß sind wie ein DIN A4 Blatt. Außerdem findet eine Taschenkontrolle statt. Mitgebrachte Drinks werden konfisziert – das kostenlose Public Viewing finanziert sich unter anderem über die Gastronomie.

Zuschauer: Die typische Friedrichshainer Mischung aus verstrahlten Partykids und echten Kindern mit ihren Eltern und allen anderen.

Bier/Essenspreise: 0,4 Liter Astra vom Fass kosten 4,50 Euro (11,25 Euro pro Liter). Pommes 4 Euro, Bratwurst 3,50 Euro. Die Schlange am Bierstand ist zwar dauerhaft lang, aber die Zapfer flink.

Sitzen/Stehen: Auf 5er-Bierbänken, auf der Tribüne, die echte Stadion-Atmosphäre herbeizaubert oder auch auf einigen wenigen Parkbänken mit Rückenlehne – es gibt die unterschiedlichsten Sitzmöglichkeiten. Außerdem gibt es auch Stehtische. Sehr gut: Man raubt niemandem die Sicht, weil die Leinwand hoch hängt.

Leinwand/Technik: Die LED-Leinwand ist auch bei den Nachmittagsspielen im Hellen trotz Sonnenschein bestens zu erkennen, am Ton gibt es nichts auszusetzen, alles bestens zu verstehen.

Besonderheiten: Der Biergarten auf dem RAW-Gelände in Friedrichshain öffnet eine Stunde vor dem ersten Spiel des Tages. Echte Fußball-Nerds freuen sich auf die Experten-Talks zwischen den Spielen. Nach dem späten Spiel ist der Partykiez gleich um die Ecke.