Wer dachte, Nina Chuba wäre ein One-Hit-Wonder, liegt voll daneben. Das Publikum einer ausnahmslos ausverkauften „Glas”-Tour kann jedenfalls nicht irren, erst recht nicht zum Finale an diesem Abend in der Max-Schmeling-Halle in Berlin. „Wer ist wieder da“, leuchtet in großen Lettern auf dem Bühnenvorhang, während Bläserklänge untermalt von bollerndem Bass fast bedrohliche Lautstärke annehmen. Zu Blitzlichtgewitter fällt der Vorhang.

„Hallo, hallo, ich bin hier ganz oben. Hoch motiviert, ich musste mich nur kurz erholen. Wer gesagt hat, ich wär weg vom Fenster, hat gelogen”, startet die Deutsch-Rapperin durchaus selbstkritisch mit einem ihrer neuen Stücke in den Abend. Ruft rund eine Viertelstunde nach Ende des Support-Acts: „Wer ist wieder da?” und die überwiegend jugendliche Menge antwortet: „Nina, Nina, Nina.”

Auftritt in Berlin: Nina Chuba ist längst ein Star

Support-Act, Wartezeit, Show: Nina Chuba, die vor Auskopplung ihres Nr.-1-Hits „Wildberry Lillet” vor knapp zwei Jahren in erster Linie als Kinderdarstellerin aus „Die Pfefferkörner” bekannt war, weiß ihr Publikum zu bespielen. Und bekennt doch: „Ich bin bei keiner Stadt so aufgeregt wie hier”, so die Wahl-Berlinerin zur Begrüßung. In baggy Jogginghose, Crop Top und einem Hoodie, der fast nur aus Stofffetzen besteht, danct die 25-Jährige gewohnt fit über die Bühne, stimmt passend dazu „Tracksuit Velours” an. Wie ihre Band augenscheinlich komplett in Klamotten von Partner Adidas bekleidet, versteht sich.

Tour-Finale in der Max-Schmeling-Halle in Berlin.
Tour-Finale in der Max-Schmeling-Halle in Berlin.© BM | Marc R. Hofmann

Die volle Halle hat jedenfalls Temperatur, als sie bei zu „Ich glaub ich will heut nicht mehr gehen” zum Duett mit Vincent Waizenegger von „Provinz” ansetzt. Denn du willst viel vom Leben, glaub an dich, glaub an dich. Ey, deine Ziele sind zu ambitioniert für mich. Du inspirierst, doch bitte sei heute faul für mich. All meine Freunde unterwegs, suchen, was wir schon sind”, singen die beiden.

Nina Chuba zeigt sich auf „Glas“-Tour nachdenklich

Doch auch die Sängerin, die mit bürgerlichem Namen Nina Katrin Kaiser heißt, braucht mal einen Moment Pause. „Es war zu schnell, zu viel”, erklärt sie, gut ein Jahr, nachdem ihr Debütalbum „Glas” die Spitze der Charts eroberte.

Wenig später verschwindet die 25-Jährige zu Bläserklängen von der Bühne, es wird dunkel, ehe sie auf einem Podest gegenüber wieder auftaucht. Zum gleichnamigen Song erstrahlen Tausende Handy-Lichter. Die sichtlich gerührte Sängerin bedankt sich. „Ich komme nicht klar. Ich bin sehr emotional heute, macht euch drauf gefasst“, sagt sie, nachdem sie sich schon in der Ballade von ihrer zerbrechlichen Seite gezeigt hat.

Während der Ballade „Glas“ verwandelte das Publikum die Halle in ein Lichtermeer.
Während der Ballade „Glas“ verwandelte das Publikum die Halle in ein Lichtermeer.© BM | Marc R. Hofmann

Und doch ist die Künstlerin mit den aufwendigen Flecht-Zöpfen gechillt genug, sich mitten im Konzert die Stirn zu pudern. Umringt von ihren drei Bläserinnen stimmt Chuba „Wieder vergessen” an. Girlpower pur, während ihre Band auf der Bühne derweil auf einer Picknick-Decke sitzend für die passende Untermalung sorgt.

Anschließend bahnen sich die Musikerinnen maximal lässig ihren Weg durchs Publikum zurück zu Bühne, ehe das Konzert zu „Ich hass dich” noch mal richtig Fahrt aufnimmt. Den Part von „Chapo102” mimt sehr überzeugend Nachwuchsmusiker „Ennio”. Gemeinsam singen sie: „Und ich glaub‘, ich hass dich. Deine Frise, deinen Charme. Deine fette, fette Karre und die Art, wie du sie parkst. Ja, ich hass dich“, singen die beiden und die Masse tanzt und pogt.

Kamera am Mikro eröffnet neue Perspektiven

Zu „Glatteis” ist auf einmal eine Kamera am Mikro montiert. Nina Chuba hautnah, wackelige Bilder mit viel Dynamik, dazu die feiernde Menge im Hintergrund. „Mit 200 km/h. Glatteis, Autobahn. Ist mir alles scheißegal. Nur dieses eine letzte Mal”, gibt die Künstlerin sprichwörtlich Vollgas.

Neue Perspektiven: Mit Kamera am Mikro auf Tuchfühlung mit Nina Chuba.
Neue Perspektiven: Mit Kamera am Mikro auf Tuchfühlung mit Nina Chuba.© BM | Marc R. Hofmann

Ein Ritt der Gefühle. „Leute, ich hab schon Backstage geweint“, sagt sie anlässlich der letzten Show der „Glas“-Tour. „Ihr habt gemacht, dass mein Traum wahr wird“, bedankt sie sich bei ihrer Band, der Crew und dem Publikum. „Ich danke jedem, der sich eine Karte gekauft hat, dass ihr meine Musik hört. Ich bin euch unfassbar dankbar“, so Chuba schluchzend.

Konzert ohne Wildberry Lillet?

Im Anschluss folgt sie Klarinette spielend ihren Band-Kolleginnen mit Saxophon, Trompete und Posaune von der Bühne. Kann es etwa sein, dass Chuba ein Konzert spielt ohne den Song, mit dem sie ihren Durchbruch feierte? „Zugabe” ruft das Publikum.

„Ich will auch ganz viel”, antwortet sie. Zum Beispiel eine Alpaka-Farm. Dabei ist eigentlich längst unausweichlich, was nun kommen muss: „Ich will Immos, ich will Dollars, ich will fliegen wie bei Marvel”, singt sie ihren Superhit „Wildberry Lillet” und in diesem Moment ist wirklich jeder und jede im Publikum textsicher.

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Was folgt, ist ein Techno-Remix des Songs, zu dem die ganze Band auf der Bühne tanzt. Rap, Hip-Hop, Pop, ein bisschen Indie, schon mit gefühlt anderthalb Alben zeigt Chuba ein beeindruckendes Repertoire, gilt zu Recht als eine Stimme der Gen Z. „Den spiel’ ich nur live”, sagt Nina Chuba, bevor sie „Waldbrand” anstimmt und mit „Fahr zur Hölle” einen weiteren neuen Song zum Besten gibt, bevor die Zugabe endet.

„Ich bin hier noch nicht fertig, ich misch‘ den Laden auf”, hatte die 25-Jährige in „Nina” zu Beginn des Abends gesungen. Das ist ihr mit Sicherheit gelungen. Mit Selbstbewusstsein und doch erstaunlich wenig Allüren.
Mal sehen, ob das so bleibt, denn ihr Auftritt in der Zitadelle Spandau am 3. August ist bereits restlos ausverkauft. Für 2025 steigert sich Chuba weiter, kommt am 9. November in die Uber Arena. Dann vielleicht mit neuem Album. Noch sind Tickets verfügbar.