Es könnte eine Fußball-Europameisterschaft werden, die das Potenzial hat, an das Sommermärchen der WM von 2006 anzuknüpfen: Denn neben der Fan Zone am Brandenburger Tor mit Leinwand im größten Fußballtor der Welt entsteht 2024 zum ersten Mal wieder ein eigenes Stadion mit Blick auf den Reichstag in Berlin. Was das 18.000 Quadratmeter umfassende Areal bietet, haben wir uns angeschaut.

„Wir wollen den Spaß am Fußball feiern“, sagt Oliver Brüggen von Adidas. Der Sportartikelhersteller baut wie schon zur Heim-Weltmeisterschaft ein Stadion auf der Wiese vor dem Reichstag auf, das als Herzstück der zweiten Fan Zone gelten kann. Er nennt es „Home of Adidas Football“. Es bietet nach Angaben des Unternehmens Platz für insgesamt 2500 Zuschauer, davon gut 1000 auf Tribünen inklusive zehn rollstuhlgeeigneten Plätzen und rund 1500 Stehplätzen vor einer großen Leinwand zum Public Viewing. Das Stadion ist laut Adidas eine Holzkonstruktion, die ebenso wiederverwendbar ist wie die Folie. Vergleichbar mit der Allianz-Arena in München, die ebenfalls in verschiedenen Farben angestrahlt werden kann.

Fußball-EM in Berlin: Das bietet die Fan Zone Reichstag

Während die Außenhaut schon steht, ist die Fläche um und in der Arena noch eine Baustelle. Bagger rangieren mit Warnton über das Gelände, schütten Kies auf, während Arbeiter Traversen mit Lautsprechern im Innenraum bereit machen.

Im Inneren des Stadions wird Ende Mai noch eifrig gearbeitet.
Im Inneren des Stadions wird Ende Mai noch eifrig gearbeitet.© FUNKE Foto Services | Reto Klar

In der Mitte des Mini-Stadions soll ein 40 Mal 20 Meter großes Areal mit Platz zum Kicken für jeweils fünf Mitspieler pro Mannschaft oder alternativ Stehplatz für Konzerte entstehen. Auf dem Boden verlegt wird dazu genau der Kunstrasen, der auch für die Fan Zone vor dem Brandenburger Tor Verwendung findet. Für die Veranstaltungen jenseits des Fußballs zeichnet sich die landeseigene Kulturprojekte Berlin GmbH verantwortlich, die mehr als 100 Veranstaltungen managt.

So groß ist das Gelände vor dem Reichstag

Das insgesamt 18.000 Quadratmeter große Gelände bietet demnach Platz für 15.000 Fans. Ihnen wird ein Gastronomiebereich geboten, indem es wie auch auf der zweiten Fanmeile sowohl Klassiker wie Currywurst und Bier geben soll, als auch eine große Auswahl an vegetarischen und veganen Speisen und Getränken. Was übrig bleibt, soll der Tafel gespendet werden. Außerdem gibt es insgesamt fünf Leinwände. Geplant ist, im Unterschied zur anderen Fan Zone, alle Begegnungen der Europameisterschaft der Männer zu zeigen.

Die Fan Zonen vor Brandenburger Tor und Reichstag.
Die Fan Zonen vor Brandenburger Tor und Reichstag.© Berliner Morgenpost Infografik | C. Schlippes

Auf dem Gelände soll außerdem noch ein Oldtimer-Bus stehen, dessen Innenraum als Kino fungiert und ikonische Momente aus der Historie der Nationalmannschaft zeigen soll. Dazu gibt es ein sogenanntes „Lass zocken“-Areal, auf dem Besucherinnen und Besucher Sportarten von Fußball bis Roller Skating ausprobieren können. Entsprechendes Equipment kann ausgeliehen werden. Wer vor Ort aktiv werden will, muss sich vorher jedoch über eine App des Unternehmens anmelden. Für mehr oder minder bleibende Erinnerungen sollen ein Friseur und ein Tätowierer vor Ort sorgen.

Diese Sicherheitsvorkehrungen gelten im Mini-Stadion

Wie vor dem Brandenburger Tor gelten auch in der zweiten Fan Zone direkt im Regierungsviertel scharfe Sicherheitsvorkehrungen. So soll es Taschenkontrollen geben, das Mitbringen von eigenen Speisen und Getränken ist nach Aussage von Brüggen nicht zulässig. „Es gibt aber kostenloses Trinkwasser“, sagt der Projektverantwortliche. Ob im Hinblick auf die Konflikte im Nahen Osten und der Ukraine das Mitbringen von Flaggen von Ländern, die nicht bei der Fußball-EM teilnehmen, verboten wird, ist offenbar noch nicht endgültig geklärt. Innensenatorin Iris Spranger (SPD) hatte bei der Vorstellung der Fan Zone vor dem Brandenburger Tor betont: „Hass und Hetze haben hier keinen Platz.“

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Kleiner Wermutstropfen bleibt, dass nicht nur die Fan Zone vor dem Brandenburger Tor statt kolportiert 2006 eine Million Zuschauern nur noch rund 60.000 Besucher fassen wird. So wird auch das Stadion vor dem Reichstag kleiner. Es fasste damals 8000 Plätze. Wer vor den Spielen sicher unterkommen will, muss sich im Zweifel früh anstellen.

18 Jahre nach der Heim-WM in Deutschland macht die EM Hoffnung auf eine Wiederholung des Sommermärchens von damals.
18 Jahre nach der Heim-WM in Deutschland macht die EM Hoffnung auf eine Wiederholung des Sommermärchens von damals.© picture alliance / dpa | Miguel Villagran

Geöffnet ist die Fan Zone vor dem Reichstag während der ganzen EM vom 14. Juni bis zum 14. Juli von 14 bis 24 Uhr beziehungsweise ab Abpfiff der Spiele, sollte es noch später werden. Der Eintritt ist frei. Danach soll das Areal bis zum 28. Juli zurückgebaut werden. Am 12. Juni gibt es vor dem Brandenburger Tor ein Eröffnungskonzert mit Musikern wie Álvaro Soler und Rapper Luciano.