Es war eine versteckte Steilvorlage in „Alles steht Kopf“, dem Animationshit aus dem Hause Pixar von 2015. Am Ende des Films, in dem die Gefühle Freude, Kummer, Angst, Ekel und Wut 95 Minuten lang auf der Kommandobrücke der Gefühle die verschiedensten Knöpfe gedrückt und das Leben der damals 11-jährigen Riley ordentlich durcheinandergewirbelt haben, thronte auf einmal ein roter Knopf mit Warnhinweis „Pubertät“.

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Ein Knopf, den die Gefühle damals getrost ignoriert haben und der jetzt, neun Jahre nach dem erfolgreichen ersten Teil, knapp eine Milliarde Dollar und einen Oscar für den besten Animationsfilm später, gedrückt wird. Im wahrsten Sinne des Wortes. Und wie das im Leben Heranwachsender so ist, sorgt dieser Knopf für ordentlich Trubel. Denn eben noch stand die 13-jährige Riley mit ihren besten Freundinnen auf dem Eis ihrer Hockeymannschaft, drehte Pirouetten, schleuderte den Puck, foulte, schoss ein Tor, jubelte – all das während in der Kommandozentrale ihrer Emotionen eben diese wie auf einem Klavier perfekt aufeinander abgestimmt die Finger über die Tasten respektive Knöpfe fliegen lassen. Mit allen Gefühlen, die zu einem Eishockeyspiel dazu gehören – Freude, Kummer, Angst, Ekel und Wut. Bis über Nacht der Pubertäts-Knopf ausgelöst wird, die Konsole eine Generalüberholung bekommt und die alten Gefühle in einem Einmachglas ins Gefühls-Jenseits geschickt werden und Neue einziehen: Zweifel, Neid, Ennui, die Langeweile und Peinlichkeit.

Ein gefährlicher Cocktail, den jedes Elternteil mit pubertierenden Kindern wohl kennt. Und was Pixar aus dieser Mischung macht, ist großes Kino. Das neue Hauptgefühl in diesem wahnsinnig gut aussehenden Animationsfilm ist Zweifel, ein kleines, aufgedrehtes orangefarbenes Männchen mit breitem Grinsen und wuscheliger Haartolle. Das perfekte Gefühl nicht nur für die Pubertät, sondern auch für das Jahr 2024. Denn man kann es keinem Teenager verübeln, sich genau diesem Gefühl hinzugeben. In einer Zeit nach einer weltweiten Pandemie, in einer Zeit der globalen Erderwärmung, dem Rechtsruck in Europa und dem Druck der sozialen Medien. Kommen dann noch Neid, Langeweile und Peinlichkeit dazu, ist die pubertäre Gefühlsverwirrung komplett – von Pixar mehr als einmal als echter Gefühlssturm in Szene gesetzt, in dem nicht nur die Erinnerungen durchdrehen, sondern auch die Emotionen.

Kann ganz schön groß sein: die Peinlichkeit (rechts).
Kann ganz schön groß sein: die Peinlichkeit (rechts).© Walt Disney | Pixar

Regisseur Kelsey Mann und Kreativchef Pete Docter haben sich nicht nur Unterstützung von studierten Spezialisten geholt, sondern auch selbst bei der Zielgruppe nachgefragt. Ein neunköpfiges Team aus Mädchen zwischen 13 und 16 Jahren hat den Machern beratend zur Seite gestanden und sorgt so mit ihrem emotionalen Einsatz für die größtmögliche Authentizität im Leben eines 13-jährigen Mädchens. Hin- und hergerissen zwischen ihren besten Freundinnen und dem Wunsch nach Anerkennung in der coolen neuen Hockeymannschaft. „Alles steht Kopf 2“ ist wild, traurig, lustig, überbordend vor Fantasie, ist manchmal zu schnell, manchmal zu langsam, zu forsch, zu chaotisch. Genauso wie die Pubertät eben ist. Ein Film, der wieder einmal perfekt die richtigen Knöpfe drückt.

Animation USA 2024, 96 min., von Kelsey Mann