Es ist eine schallende Ohrfeige. Und es setzt nicht nur eine, sondern gleich vier. Es ist glücklicherweise nicht Will Smith, der sie austeilt. Im Gegenteil: Er ist derjenige, der sie kriegt. Weil er Ladehemmung hat. Und sein Partner ihn wachrütteln will. Und zu jeder Watsche ruft: Sei ein Bad Boy!
Möglicherweise hätte man früher über die Szene lachen können. Ging es doch bei den „Bad Boys“, die es in immerhin 29 (!) Jahren auf vier Filme gebracht haben, immer darum, ein böser Bube zu sein. Wobei Will Smith und Martin Lawrence als Drogenfahnder Mike Lowry und Marcus Burnett rituell ihren „Bad Boys“-Ertüchtigungssong anstimmten.
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Aber die Szene weckt natürlich ganz andere Assoziationen, nachdem Will Smith bei der Oscar-Verleihung 2022 Chris Rock auf offener Bühne geohrfeigt hat. Der hatte eine zugegeben geschmacklose Pointe über dessen Frau Smith gemacht. Aber die ganze Welt sah bei dem tätlichen Angriff zu. Smith, bis dahin Everybody’s Darling, fiel in Ungnade. „Bad Boys: Ride or Die“ ist nun sein erster Kinofilm seither („Emancipation“ startete Ende 2022 nur auf Apple TV). Und da ist er ausgerechnet ein Bad Boy? Und wird mit einer Ohrfeige ertüchtigt?
Die Fans haben Will Smith längst verziehen. Das haben sie auch bei der Europa-Premiere des Films in Berlin bewiesen, wo sie ihm zujubelten. Aber die Ohrfeigenszene ist natürlich kein Zufall. Eine ironische Verkehrung. War das wirklich nötig?
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Doch man muss bei dem Film noch über vieles andere milde hinwegsehen. Wie lang kann man überhaupt ein „Boy“ sein? Smith und Lawrence rasen noch immer ballernd und kalauernd durch die Straßen von Miami, sie sind aber deutlich älter geworden. Frischblut gibt’s hinter der Kamera: Nach Martin Bay, der 1995 und 2003 die ersten beiden Teile inszeniert hat, führten wie schon in „Bad Boys For Life“ (2020) erneut die deutlich jüngeren Adil el Arbi und Bilal Fallah Regie.
Während Marcus im dritten Teil liebäugelte, abzutreten, wird jetzt erst mal Smiths Mike domestiziert. Der ewige Junggeselle kommt unter die Haube. Noch auf seiner Hochzeit erleidet Marcus einen Herzinfarkt. Damit aber verkehren sich die Kraftverhältnisse des ungleichen Duos. Der sonst so ängstliche Marcus überlebt und wähnt sich nunmehr unbesiegbar. Während der sonst so coole Mike aus Angst um seine Liebste plötzlich von Panikattacken befallen wird.
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Um die alte Geschichte neu zu erzählen, wird gar die ganze Grundkonstellation auf den Kopf gestellt: Ihrem Chef, der im letzten Teil getötet wurde, wird postum Korruption unterstellt und Kooperation mit den Drogenkartellen, die er doch immer bekämpft hat. Die Bad Boys wollen seine Unschuld beweisen und werden bald selbst Opfer dieser Intrige. Die Jäger werden zu Gejagten. Nicht nur von der Polizei. Es wird auch ein Kopfgeld bei allen Kartellen auf sie aufgesetzt.
Wie üblich finden die beiden auch in den brenzligsten Situationen noch Zeit zum Kabbeln. Aber sie sind nicht mehr gar so schnell und müssen einen Großteil der Action dem Nachwuchs überlassen. Das immerhin ist ehrlich. Auch echte Fans könnten sich fragen, ob sie das Feld nicht ganz den Jüngeren überlassen sollten.
Actionfilm, USA 2024, 115 min., von Adil El Arbi und Bilall Fallah, mit Will Smith, Martin Lawrence, Vanessa Hudgens, Eric Dane, Jacob Scipio



