Sie ziehen um die Häuser. Aber nicht, weil sie feiern wollen, sondern einen Schlafplatz suchen. Die 15-jährige Sophie und ihr 17-jähriger Freund Dominik leben rund um den Görlitzer Park. Sie lassen sich in Hauseingängen und unter Brücken nieder, sammeln Pfandflaschen und lungern auf Spielplätzen herum.

„Berlin Bytch Love“: Deutsche Version von „Die Liebenden von Pont Neuf“

Sie reden dabei, wie ihnen die Berliner Schnauze gewachsen ist. Zum einen über Dominiks Gerichtsverhandlung, denn der 17-Jährige hat ein paar Straftaten begangen und Angst vor dem Knast. Aber vor allem geht es um Sophie, denn die junge Frau ist im vierten Monat schwanger und will natürlich das Kind nicht ohne den Vater bekommen.

Klingt erstmal wie eine Berliner Version von „Die Liebenden von Pont Neuf“, zumal das Ganze gedreht ist wie ein Spielfilm mit einem erzählerischen Grundbogen, Höhepunkt, Wendung und einer Art Happy End. Ist aber tatsächlich ein Dokumentarfilm. Die Regisseure Heiko Aufdermauer und Johannes Girke haben für „Berlin Bytch Love“ ein junges Liebespaar seit 2018 begleitet und aus mehr als 100 Stunden Filmmaterial eine erzählerisch dichte Studie von der Straße gemacht.

„Berlin Bytch Love“: Das Glück liegt in Eberswalde

Die große Stärke ist dabei die Nähe der stets präsenten Kamera, die die Protagonisten komplett bei ihrem Kreuzzug durch Kreuzberg vergessen. Dabei hält sie sich dezent zurück, etwa wenn sie Dominiks Sozialarbeiter nur von hinten zeigt oder sich zurückzieht, wenn Besuch in die später zugewiesene Wohnung kommt.

Dort, im verschlafenen Eberswalde, liegt dann das kleine Glück. Und nicht in Paris, wohin sich die Teenager träumten. Man gönnt es ihnen. Denn unter den dortigen Brücken schläft es sich genauso hart wie in Berlin.

Dokumentarfilm D 2022, 90 min., von Heiko Aufdermauer und Johannes Girke