Es ist heiß im Jahre 1987 im texanischen El Paso. Rotes Eis tropft auf verschwitzte Oberschenkel, aus dem Off besingen Bananarama den „Cruel Summer“, und selbst der 16-jährige Nichtschwimmer Aristoteles (Max Pelayo) traut sich ins Schwimmbad. Kurzum: Es ist die Zeit der Grenzgänge und des Erwachsenwerdens, des Verlusts der Unschuld und des Entdeckens von Familiengeheimnissen.

„Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums“: Suche nach eigener Identität

Wie immer in diesen Filmen wie „Stand by me“, „Big Fish“ oder „American Graffiti“ geht es um den letzten Sommer vor der Adoleszenz, den Abschied von der Jugend und der Angst vor neuen Wegen.

Insofern befindet sich das Coming-of-Age-Drama „Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums“ auf vertrautem Terrain. Nur dass Aitch Albertis Verfilmung des preisgekrönten Jugendbuches von Benjamin Alire Sáenz nicht vom Übergang in die Collegezeit erzählt, sondern von der viel wichtigeren Suche nach der eigenen Identität.

„Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums“: Verbotene Liebe

Aristoteles kommt aus einem einfachen mexikanischen Haus. Seine Eltern reden nicht über den Bruder im Gefängnis und „Ari“ nicht über seine eigenen Gefühle. Bis er den lebensoffenen Dante (Reese Gonzalez) trifft, mit dem ihm nicht nur der Vorname eines Philosophen verbindet.

Dante schaut in die Sterne und überhaupt gerne als Sohn eines Philosophen über die Dinge hinaus. Sein Zimmer ist bunt, seine Mutter (Eva Longoria) so geheimnisvoll wie schön, und er malt Bilder, die er als „meine Romane“ bezeichnet. Als Dante mit seinem Vater für ein Jahr nach Chicago muss, entwickelt sich über die Brieffreundschaft hinaus zwischen ihm und Aristoteles eine Liebe, die im konservativen Texas mit mehr als nur Argwohn gesehen wird.

„Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums“: Starke Hauptdarsteller

Sensibel entführt Regisseurin Aitch Alberto in die Seelenwelt ihrer Protagonisten. Vom Purzelbaum im Wasser bis zum Unterhosentanz im Regen verdeutlicht sie in klaren wie poetischen Bildern die langsame Befreiung ihres Helden Aristoteles aus den Fängen der Konvention.

Mit ihrem natürlichen, zurückhaltenden Spiel, in dem schon ein verständnisloser Blick die Zerrissenheit widerspiegelt, sorgen die Hauptdarsteller für große Glaubwürdigkeit. Und wer in den 80er-Jahren groß wurde, wird sich an der Musik von „La Bamba“ bis „Smalltown Boy“ erfreuen, als Sommer noch echte Sommer waren, so schwül wie verführerisch.

Drama USA 2023, 98 min., von Aitch Alberto, mit Max Pelayo, Reese Gonzales, Eva Longoria