Nicht ganz wie Wacken, aber doch alles andere als beschaulich: Mehr als 30 Stars von Annemarie Eilfeld bis Frank Zander verwandeln mit Lübars den vermutlich dörflichsten Ortsteil Berlins beim „SchlagerOlymp“ in ein Mekka der Szene. Rund 10.000 Zuschauer sind zusammen gekommen, um noch einmal einem ganz Großen der Zunft zu huldigen: Der 81-jährige Zander hatte im Vorfeld angekündigt, dass der Auftritt bei der Kultveranstaltung in seiner Heimatstadt sein „letztes großes Konzert“ sein soll.
„Ich habe fast alles gesungen. Ich habe fast alles gesagt. Ich habe fast alles gemacht. Ich habe es verdient, eine gewisse Ruhe in mein Leben zu bringen“, sagte Frank Zander wenige Tage vor dem letzten großen Auftritt der „Bild“. „Nur nach Hause“, die Hymne von Hertha BSC, soll der letzte Song des Schlager-Stars sein. Sohn Marcus ergänzte: „Das Lied können die Fans gemeinsam singen und sich dabei wohl fühlen.“
„SchlagerOlymp“: Mehr als 20 Künstler sorgen am Sonnabend für Stimmung
Standen am Freitagabend mit Hits wie „Cotton Eye Joe“ von „Rednex“ über „Captain Jack“ bis hin zu „Layzee aka Mr. President“ die 90er im Fokus der Veranstaltung, wird den Fans am Sonnabend bereits seit 10 Uhr morgens eingeheizt. Auch wenn die Sonne nicht ganz wie erwartet strahlt, hält sich Regen vorerst fern. Zahlreiche Gäste tanzen bei sommerlich-milden Temperaturen vor der Bühne, es wird im Takt geklatscht. Weiter hinten haben es sich Fans auf Campingstühlen und Decken bequem eingerichtet oder baden im Ziegeleisee.

Viele Fans sind bunt gekleidet und geschminkt, das Altersspektrum reicht von jungen Party-Schlagerfans bis 70er-Jahre-Hitparaden-Guckern. Sie erwarten am Sonnabend 22 verschiedene Künstler. So sorgt etwa Mitch Keller mit „Das kann doch jedem Mal passieren“ für Stimmung. Später am Nachmittag treten noch Anna-Carina Woitschack (die Verflossene von Stefan Mross) und Annemarie Eilfeld auf der Bühne im Strandbad Lübars.
Obwohl gut gefüllt, verteilen sich die Menschen Strandbad Lübars. Jeder kann auf seine Art feiern. Mit Foxtrott vor der Bühne, einem kühlen Drink an einem der zahlreichen Biertische oder sogar beim Bogenschießen. Derweil setzt Annemarie Eilfeld zum Duett „Nur durch Dich“ mit Kevin Brain Smith an.

Punkt 19 Uhr: Der letzte Auftritt von Frank Zander

Um Punkt 19 Uhr ist es soweit: Unter dem Grölen der Fans dröhnt es „Zander“ aus den Lautsprechern, und Frank Zander tritt aus dem Schatten der Bühne. Schwarzer Hut und Mantel, Hutband, Schal, Handschuhe weiß, Brille blau, eindeutig, das ist er.
„Es sind 50 Jahre auf der Bühne, meine Fresse“, sagt Zander mit seiner berühmt-rauchigen Stimme. „Es gibt nur eine Antwort, Freund, hier kommt Kurt“, singt er.

Dabei macht Zander aus seinen 81 Jahren keinen Hehl, sagt: „Mir geht es nicht richtig gut“, ordert sich trotzdem noch ein Bier auf die Bühne und fährt fort mit „Kopf oben“ und singt: „Hurra, wir leben.“
„Nur nach Hause, nur nach Hause, nur nach Hause geh‘n wir nicht“ singt die Masse, alle Hände in die Höhe zur Hymne von Hertha BSC. „Oh, wie geil“, kommentiert Zander den absoluten Gänsehautmoment des Abends. Dabei ist Zander ja nicht weg. „Ich wechsel nur von der Seefahrt zur Binnenschifffahrt“, sagt Frank Zander, bevor er von der Bühne tritt.

Nino de Angelo und Vanessa Mai: Song-Premiere und Überraschungsgast in Lübars
Entspannte Atmosphäre bis in die Abendstunden auch beim Auftritt von Sotiria, Tochter von Organisator Olaf Schenk.
Als die Dämmerung einsetzt, tritt Nino de Angelo auf die Bühne, schmettert: „Ich brenne fürs Leben“. Fans mit blinkendem Kopfschmuck bevölkern den Bereich vor der Bühne, der auch zum Abend gut gefüllt bleibt.

Zum späten Abend fegt dann noch Vanessa Mai über die Bühne. Kaum hat die 31-Jährige begonnen, zieht ein kurzer aber doch kräftiger Schauer auf. „Wir singen den Regen einfach weg“ ruft sie dem Publikum zu, verteilt an Fans in der ersten Reihe Armbänder.

Als sie „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ singt, kocht die Menge noch einmal.
Mit Boyband Team 5ünf und DSDS-Gewinner Ramon Roselly geht der Abend auf dem Höhepunkt der Stimmung seinem Ende entgegen.
Fans von Frank Zander sei übrigens gesagt: Der Künstler tritt zwar ab von der großen Bühne, seine Malerei und sein Engagement für Obdachlose in Berlin soll es aber weiter geben, verspricht Sohn Marcus Zander.



