Ein bisschen seltsam ist es ja schon. Vor zwei Wochen erst saßen wir an diesem Ort, um in einem bis in den letzten Stock vollen Haus die Verleihung der Berlinale-Bären zu verfolgen. Jetzt aber wurde der Berlinale-Palast wieder zurückverwandelt in das Theater am Potsdamer Platz. Und seit Sonntag beherbergt er hier ganz offiziell die Komödie am Kurfürstendamm, nachdem diese ihre erste Zwischenstation, das Schiller Theater, für die Komische Oper räumen musste.
Alles fühlt sich noch etwas fremd an, gibt Theaterchef Woelffer zu
Schon das Schiller mit seinen 1000 Plätzen war deutlich größer als die alte Komödie mit ihren 700 Plätzen. Das Theater am Potsdamer Platz aber fasst 1700 Plätze und war bislang Abspielstätte für Musicals und Konzerte. Wie nur soll in einem solchen Riesenraum Sprechtheater funktionieren? Es funktioniert ganz gut, wie der erste Abend gezeigt hat.
Das Ankommen ist immer noch etwas eigenartig an diesem nach wie vor etwas verwaisten Potsdamer Platz. Und an den Außenscheiben hängen nicht nur Plakate der Komödie, sondern auch von „Elvis - Das Musical“, was schmerzhaft zeigt: Die Komödie ist hier nur ein Gast unter mehreren. Kein Hausherr, wie es das am Schiller Theater war. Im Foyer steht denn auch Theaterchef Martin Woelffer und gibt zu, dass sich hier alles noch etwas fremd anfühle.

Aber, das ist schon mal die erste gute Nachricht: Für die erste Vorführung hier wurden 600 Tickets verkauft. Die Ränge werden natürlich nicht belegt, aber das Parkett ist gut gefüllt. Es ist auch klug, hier am ersten Abend nicht gleich mit dem Wagnis einer neuen Inszenierung zu starten.
Es läuft „Rosige Aussicht“, die letzte Produktion an der alten Spielstätte, die ein ziemlicher Erfolg ist und mit dem Schauspieler-Ehepaar Edgar Selge und Franziska Walser (in einer Scheidungs-Komödie!) veritable Stars bieten kann. Wenn Selge an einer Stelle direkt an die Rampe tritt und ins Publikum spricht: „Hey! Hallo Leute! Schön, dass Ihr da seid“, dann hat das plötzlich noch eine andere Bedeutung: Schön, dass ihr mitgezogen seid!
Wer hätte das gedacht: Die Akustik hier ist besser als im Schiller Theater
Auch wenn das Stück ein eher intimes Kammerspiel ist, verliert es sich nicht auf der breiten Bühne dieses Theaters. Das ist die zweite gute Nachricht. Und dann sprechen die Schauspieler wider Erwarten ohne Mikroport. Und sind doch überall gut zu verstehen. Überraschung Nr. 3: Die Akustik ist hier besser als am Schiller Theater.
Dort gibt es berüchtigte Schalllöcher, die immer mal Text verschlucken. Davon wusste Edgar Selge noch aus seiner Zeit am Schiller Theater. Das war auch ein großes Problem, als das Haus Ausweichstätte für die Staatsoper war. Und damit wird sich auch die Komische Oper plagen müssen, wenn sie erst mal ihr Zwischendomizil dort aufgeschlagen hat.

Wir geben zu, wir hatten ein wenig Angst, die Komödie könnte sich in diesem Riesensaal verlieren. Aber das scheint ganz unbegründet. Die Woelffer-Bühne kann hier einen erfreulichen Neustart feiern, bei dem es am Ende auch viel Applaus gibt. Es ist freilich der erste Abend, zu dem auch viele Freunde des Hauses gepilgert sind.
Hoffen wir für das Theater auf eine rosige Aussicht
Die Nagelprobe sind die nächsten Vorstellungen, vor allem unter der Woche. Aber auch da sendet der Vorverkauf erfreulich positive Signale. Und wer weiß: Vielleicht zieht dieser Standort in der Mitte der Stadt ja sogar Zuschauer aus anderen Ecken an, die den langen Weg bis nach Charlottenburg nicht gefunden haben.
Zu wünschen wäre es der Komödie. Sie wird die nächsten anderthalb bis zwei Jahre hier spielen. Für den erneuten Standortwechsel hat sich das Theater ein neues Logo gegönnt – mit einem Ö, das auf dem Kopf steht –, das überall prangt. Und dann wird, nach der ersten Spielwoche, kommenden Sonntag groß gefeiert: „Der Kudamm kommt nach Mitte“, ein Fest von 13 bis 16 Uhr. Man kann dem Haus nur wünschen, was die derzeitige Produktion verheißt: Eine rosige Aussicht.



