Kultur

Digital im Museum: Mit der Datenbrille vor den Kunstwerken

Das Modellprojekt „museum4punkt0“ untersucht, wie Museen von digitalen Innovationen profitieren können.

Wagte einen Blick in die digital  codierte Zukunft: Kulturstaatsministerin Monika Grütters.

Wagte einen Blick in die digital codierte Zukunft: Kulturstaatsministerin Monika Grütters.

Foto: David Heerde

Berlin. Das Renaissancegemälde „Der Kaufmann Georg Gisze“ ist nicht nur eines der bedeutendsten Werke von Hans Holbein dem Jüngeren (1497–1543), es zählt auch zu den Prunkstücken in den Beständen der Berliner Gemäldegalerie. Es ist ein Bild voller Rätsel und vieldeutiger Symbolik, für die der Betrachter Zeit investieren muss.

Am Mittwoch wurde im Untergeschoss des Kulturforums eine Technologie präsentiert, mit deren Hilfe der Zugang zu Bildern wie diesem einfacher und spielerischer gelingen könnte: mittels einer web­basierten App. Hält man einen Tablet-Computer vor das Gemälde, erkennt diese App es selbstständig und bietet weiterführende Erläuterungen an.

Auf dem Bildschirm kann man beispielsweise die Blumenvase auf dem Tisch vor dem Kaufmann berühren, woraufhin eine weibliche Stimme ertönt und erklärt, was es damit auf sich hat. Man kann sich auch eine Röntgenaufnahme des Gemäldes zeigen und sich über seine Entstehungsgeschichte aufklären lassen, Informationen zum Künstler einholen und vieles andere mehr.

Auch am Humboldt Forum wird das Projekt getestet

Das Programm gibt Hinweise darauf, wie die eigentlich gänzlich analoge Welt des Museums Impulse aus der wachsenden digitalen Sphäre erhalten könnte. Es ist im Rahmen eines deutschlandweiten Modellprojekts mit dem Titel „museum4Punkt0“ entstanden, für das aus dem Haushalt von ­Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) 15 Millionen Euro bereitgestellt wurden. Unter der Federführung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) und ihres Chefs Hermann Parzinger haben sich sieben Museen aus Bayern, Sachsen, Bremen, Baden-Württemberg und Berlin daran beteiligt. Am Ende sollen die Ergebnisse interessierten Forschungseinrichtungen zur Verfügung gestellt werden. Am Mittwoch konnte man einen ersten Eindruck davon gewinnen, wohin die Reise geht.

Etwa auch am Humboldt Forum, das, wenn alles gut geht, Ende 2019 eröffnen wird. Auch hier forscht man an spielerischen Zugängen, die sich gerade auch für ein jüngeres Publikum als attraktiv erweisen könnten. Mit dem aus Dating-Apps wie „Tinder“ geläufigen Links-rechts-Wischprinzip erkundet das Tablet-Programm, welche Vorlieben der Museumsbesucher haben könnte und in welchem Tonfall man ihn am besten ansprechen sollte. Er kann sodann auf eine individualisierte Reise durch die Ausstellung geschickt werden.

Andere Häuser wie das Deutsche Museum in München oder das Fasnachtsmuseum Schloss Langenstein experimentieren mit verschiedenen Formen der 3D-Visualisierung – für die man sich mal mehr, mal weniger klobige Brillen aufsetzen muss. Offen bleibt die Frage, ob die technische Aufrüstung den Museumsbesuch dereinst wirklich nur ergänzen oder ganz ersetzen könnte.

Weitere Infos zum Digital-Projekt finden Sie hier.

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