Neustarts

"Halloween" im Kino - Das Grauen kehrt zurück

40 Jahre nach dem Filmklassiker wird Jamie Lee Curtis in „Halloween“ wieder von einem Mörder heimgesucht. Ein Muss für Horrorfans.

Foto: Ryan Green / dpa

Keine Figur hat den modernen Horrorfilm so nachhaltig beeinflusst wie der von Regisseur John Carpenter ausgeheckte Maskenmann Michael Myers. Mit „Halloween“ kam 1978 ein atmosphärisch dichter und inszenatorisch meisterhafter Klassiker in die Kinos, der richtungweisend für ein ganzes Genre wurde. „Halloween“ provozierte Angst und Schrecken vor allem dadurch, dass er das Grauen nicht zeigte, sondern der Phantasie seiner Zuschauer überließ.

Kein Wunder, dass der Erfolg der nur 325.000 Dollar teuren Produktion, die allein in den USA 47 Millionen einspielte, Fortsetzungen und Remakes hervorbrachte. Nun kommt mit „Halloween“ von Regisseur David Gordon Green der mittlerweile elfte Teil in die Kinos. Der ignoriert sämtliche Fortsetzungen und führt die Story des Originals konsequent weiter: 40 Jahre danach. Wieder mit Jamie Lee Curtis als Laurie Strode und Nick Castle unter der grauen William-Shatner-Maske des Serienkillers Michael Myers.

In Carpenters „Halloween“ mordete sich der aus der Psychiatrie geflohene Michael Myers in der Halloween-Nacht durch das fiktive Städtchen Haddonfield/Illinois. Sein Psychiater Sam Loomis (Donald Pleasance) und das Kindermädchen Laurie (Jamie Lee Curtis) brachten ihn schließlich (vermeintlich) zur Strecke. Halloween stand Pate für das Slasher-Genre, das später ähnliche Killerfiguren hervorbrachte wie Jason aus der „Freitag der 13.“-Serie oder Freddy Krüger in „Nightmare On Elm Street“.

Carpenter, der vor allem die beiden Remakes von Rob Zombie als grauenhaft empfand, ist als Produzent mit an Bord und hat auch seine minimalistische Filmmusik beigesteuert. Laurie hat das Trauma der Halloween-Nacht von 1978 nie verwunden. Sie hat ihr Haus am Rande der Stadt zu einer kleinen Festung umgebaut, mit einem imposanten Waffenarsenal. Ihr einziger Lebenszweck ist es, Michael Myers zur Strecke zu bringen. Das hat sie ihrer Tochter Karen (Judy Greer) entfremdet. Nur Enkelin Allyson (Andi Matichak) hält noch den Kontakt zu ihrer Großmutter aufrecht. Einsam und verbittert wartet Laurie darauf, dass Michael erneut ausbricht. Sie ist sich sicher, dass das geschehen wird. Und wirklich soll der, nach 40 Jahren in der geschlossenen Psychiatrie, nun in eine andere Anstalt verlegt werden.

Anstelle des 1995 gestorbenen Donald Pleasance wird Michael jetzt von dem Psychiater Dr. Sartain (Haluk Bilginer) betreut. Ein Journalistenpärchensucht ihn auf. Sie versuchen, Michael zum Reden zu bringen, doch auch die alte Maske, die sie extra besorgt haben, hilft nicht weiter. Der angegraute Michael Myers, dessen Gesicht nur andeutungsweise zu sehen ist, bleibt stumm. Als der Anstaltsbus beim Transport einen Unfall hat, kann Myers fliehen. Er holt sich seine Maske zurück. Es zieht ihn zurück nach Haddonfield. Und zufällig schreiben wir den 31. Oktober: Halloween.

„Halloween“ ist gespickt mit Anspielungen auf die früheren Verfilmungen. In „Halloween“ von 1978 etwa sitzt Laurie in der Schulklasse in der letzten Reihe und blickt verträumt aus dem Fenster. Da sieht sie auf der anderen Straßenseite Michael Myers stehen. In „Halloween“ von 2018 sitzt Enkelin Allyson in der Schulklasse in der letzten Reihe und blickt verträumt aus dem Fenster. Und sieht auf der anderen Straßenseite Oma Laurie. In „Halloween II“ von 1981 stellte sich heraus, dass Michael und Laurie Geschwister sind. Jetzt erfahren wir aus einem Gespräch unter Teenagern, dass das gar nicht stimmt.

Es gibt jede Menge Zitate im Film, der freilich erheblich brutaler und blutiger ausfällt als sein vier Jahrzehnte älterer Vorgänger. Der sich aber auch mehr Zeit nimmt für die Charakterisierung seiner Figuren. Michael meuchelt sich erneut durch die Stadt, bis sich das Opfer von einst und ihr Peiniger beim Showdown gegenüber stehen. „Halloween“ von 2018 ist die gelungene Fortsetzung eines Klassikers. Ein Muss für Fans des Gruselkinos.