Film

Vater sein dagegen sehr: „Die Unglaublichen 2“

Was ist ein Superheld gegen einen Hausmann? Das zeigt die Pixar-Fortsetzung um die animierte Superhelden-Familie Parr.

Die wahren Herausforderungen: Mr. Incredible muss den Haushalt schmeißen und das Baby hüten

Die wahren Herausforderungen: Mr. Incredible muss den Haushalt schmeißen und das Baby hüten

Foto: - / dpa

Ein Loblied auf die Quote. Und eins auf den Hausmann. Sonst tut sich das Kino ja doch eher schwer mit der Gleichberechtigung von Mann und Frau und mit der Aufwertung von Frauenrollen. Aber ausgerechnet im Animationsfilm setzt man jetzt mal richtig Zeichen.

„Die Unglaublichen 2“ ist die Fortsetzung des Disney/Pixar-Erfolgsfilms „Die Unglaublichen“ von 2014 um eine ganze Familie von Superhelden. Womit das derzeit grassierende Comic-Kino schon recht früh aufs Korn genommen wurde – als nicht nur Daddy, sondern auch die Mami und sogar die Kids über Superkräfte verfügten. Aber während sie ganz am Ende von Teil Eins als Super-Familie im Powerpack agierten, wird dem zu Beginn des zweiten Teils wieder ein Riegel vorgeschoben.

Die Kids müssen weiter zur Schule und dort ihre Superkräfte verbergen. Der Daddy versaubeutelt seine Supertaten mal wieder, wobei versehentlich die halbe Stadt in Schutt und Asche fällt. Das staatliche Superhelden-Programm wird danach endgültig eingestellt. Ein Fernseh-Unternehmer will die Helden allerdings weiter unterstützen und mit einer Kamera auf deren Superanzügen beweisen, dass sie wirklich nur Gutes tun. Vater Parr alias Mr. Incredible ist jedoch so angezählt, dass er nicht damit betraut wird. Also macht das Mutti Parr alias Elastic Girl – und wird schnell zum Reality-TV-Star, wenn sie live die Stadt vor allem Bösen bewahrt.

Papi muss derweil den Haushalt übernehmen, den Kindern bei den Hausaufgaben helfen und das Super-Baby hüten. Und während er früher mit links Häuser vorm Einstürzen und U-Bahnen vorm Entgleisen bewahrte – mit dem „bisschen Haushalt“, wie das mal in einem Schlager von Johanna von Koczian hieß, ist er bei weitem überfordert. Er findet keinen Schlaf mehr, kriegt zunehmend Ringe unter den Augen, und der Bartschatten wird auch immer größer.

Eine wunderbare Wendung, die prima zur aktuellen Quotendiskussion und überhaupt zum Bild der Frau passt. Aber das kann dennoch nicht ganz übertünchen, dass das Pixar-Studio, das einst für große Innovationen stand, inzwischen auch nur noch die großen Erfolge mit Fortsetzungen weiterschreibt.

Da sind dann viel Déjà-Vu-Momente: Diesmal wird eben Elastic Girl von einer bösen Macht ausgeschaltet, wie Mr. Incredible im ersten Teil. Und wieder muss die ganze Restfamilie ran, um die Mutti, die ganze Superheldenriege und irgendwie überhaupt die Welt an sich zu retten. Wieder muss sie erkennen, dass sie vereint am Besten funktioniert. Und das Baby, das am Ende von Teil Eins erste Wunderkräfte zeigen durfte, fährt hier erneut zu großen Überraschungen auf. So weit, so bekannt.

Schema F ist das dennoch nicht. Dafür sorgt Pixar dann schon, ist das Animationsfilmstudio doch vor allem bekannt für seine vielen kleinen Gags und Einfälle, die auch diesmal wieder so zahlreich sind, dass man sie beim ersten Gucken vielleicht gar nicht alle wahrnimmt. Aber dennoch: So ganz unglaublich wie im ersten Teil sind diese Unglaublichen in der Fortsetzung halt doch nicht mehr.

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