Eigentlich hat noch keiner den Film gesehen. „Werk ohne Autor“, der neue Film von Florian Henckel von Donnersmack, wird erst nächsten Dienstag auf den Filmfestival von Venedig uraufgeführt. Aber zuvor wurde er schon als einer von elf Produktionen für die Vorauswahl zum Auslands-Oscar eingereicht. Eine unabhängige Fachjury hat über diese Filme beraten und schickt nun, wie German Films, die Auslandsvertretung des deutschen Films, bekannt gab, „Werk ohne Autor“ als deutschen Kandidat ins Auslands-Rennen.
Schon wieder, darf man sagen. Denn Henckel von Donnersmarck hat gleich mit seinem Filmdebüt „Das Leben der Anderen“ vor elf Jahren den Auslands-Oscar gewonnen. Als bislang letzter von ohnehin erst drei deutschen Preisträgern nach Volker Schlöndorff („Die Blechtrommel“, 1978) und Caroline Link („Nirgendwo in Afrika, 2003).
Wer nominiert wird, wird erst im Januar bekannt gegeben
Im Rennen war auch Bully Herbigs erstes Filmdrama „Ballon“ über eine Flucht aus der DDR, die Thomas Kretschmann, einer seiner Hauptdarsteller, der selbst in Los Angeles lebt, „wie gespuckt“ für den Oscar fand. Aber auch Joachim A. Langs „Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm“ mit Lars Eidinger als Bert Brecht. Und, last not least, „3 Tage in Quiberon“ über die späte Romy Schneider, ein Film, der allein sechs Lolas einheimste und auch international reüssierte. Alles große Filme über große deutsche Themen. Dass sich die neunköpfige Jury nun für Donnersmarck entschied, ist ein Novum. Denn noch nie ging ein deutscher Oscar-Preisträger ein zweites Mal ins Rennen um den besten nicht-englischsprachigen Film.

In „Werk ohne Autor“ greift Henckel von Donnersmarck, angelehnt an die Vita Gerhard Richters, nicht nur wieder DDR-Geschichte auf, sondern auch die der frühen Bundesrepublik und der Malerei hüben wie drüben. Dann spielt aber auch noch der Schatten der NS-Vergangenheit hinein und das Reizthema Euthanasie. „Der Film hat, unterstützt von einem grandiosen Schauspielerensemble, große poetische Momente und geht gleichzeitig einer essenziellen, auch heute noch aktuellen Frage nach: Das Finden einer eigenen Haltung“, wie die Jury erklärte. Die Rolle des Künstlers spielt Tom Schilling, die seines NS-Täter-Schwiegervaters erneut Sebastian Koch, der schon im „Leben der Anderen“ die Hauptrolle spielte.
Florian Henckel von Donnersmark zeigte sich gestern sehr glücklich, dass er wieder „unser Land bei den Olympischen Spielen in Hollywood“ vertritt, wie er das formulierte. Ob sein Film wirklich in der Kategorie nominiert wird, darüber entscheidet aber erst Hollywoods Film Academy am 22. Januar. „Toni Erdmann“ hatte diese Hürde 2017 geschafft, verlor dann aber gegen „The Square“. Fatih Akins NSU-Drama „Aus dem Nichts“ kam 2018 zwar noch auf die Short List, wurde dann aber überraschend nicht nominiert.






