„Du da mit dem Handy“, ruft Sänger Arnim Teutoburg-Weiß einem Zuschauer zu. „Ich will nicht dein Handy sehen, ich will dich!“ Das Publikum reagiert mit Jubel, obwohl die meisten selbst schon mehrere Male ihre Handykamera auf die Bühne gerichtet haben. „Ich will jeden einzelnen heute Abend springen sehen“, sagt Teutoburg-Weiß, „denkt dabei nur an heute Abend, denkt nicht an morgen.“
Der Tourabschluss der Beatsteaks in der Parkbühne Wuhlheide am Sonnabend ist ein echtes Heimspiel für die Berliner Band. Unter anderem in Wien, London und Würzburg waren sie mit der Tour zu ihrem aktuellen Album „Yours“. In Berlin, das sie auf der Bühne nur „zu Hause“ nennen, sind sie im Rahmen ihrer Tour bereits zum zweiten Mal. Doch das Konzert in der Waldbühne im Juni bezeichnet Sänger Teutoburg-Weiß als bloße Pflicht, in der Parkbühne hingegen gehe es nun um die Kür.
Zu Beginn empfängt die Band ihr Publikum mit einem Regen aus Luftschlangen. Von einigen Zuschauern werden Rauchfackeln gezündet. Innerhalb von Sekunden verwandelt sich die beschauliche Parkbühne in einen Ort der Eskalation. Sänger Teutoburg-Weiß steht am vorderen Rand der Bühne. Er breitet die Arme aus wie ein Priester bei der Messe und lächelt genüsslich. So kann man ein Konzert beginnen.
Live sind die Beatsteaks unschlagbar
Die Songs des neuen Albums sind absolut für die große Bühne geeignet. Lieder, die auf dem Album stellenweise wie etwas zu kalkulierte Stadionhymnen daherkommen, entziehen sich live durch ihre Wirkung jeglicher Kritik. Für den Song „L auf der Stirn“ muss sich das gesamte Publikum hinsetzen. „Auf 4 springt ihr alle hoch“, ruft Teutoburg-Weiß. „Und dann nehmt ihr irgendetwas in die Hand und schleudert es weg, euer Portemonnaie, euer T-Shirt oder am allerbesten euer Handy. Befreit euch von dem Ballast.“
Der Sänger agiert auf der Bühne als eine Art hyperaktiver Animateur. Er macht zwischen seinen Tanzeinlagen Liegestütze und beißt von einer Brezel ab, die aus dem Publikum in seine Richtung geflogen kam.
Der Frontmann fordert unablässig die Teilnahme des Publikums. Offensichtlich ist es sein oberstes Ziel, dass die Ekstase zu keinem Zeitpunkt abflaut. Dabei ist er kaum zufriedenzustellen; wenn ihm ein Applaus nicht laut genug ist, fordert er ihn gerne ein weiteres Mal, und wenn die Zuschauer auf den Rängen denken, dass sie sich zwischendurch ausruhen könnten, dann scheint das für ihn einer persönlichen Beleidigung gleichzukommen.
Das gesamte Konzert ist eine einzige familiäre Party. Immer wieder werden Bengalos auf den Boden geworfen, wo das flackernde Licht von den Zuschauern kreisförmig umtanzt wird, als wären sie Teil irgendeines altertümlichen Rituals.
Wenig Zeit für Romantik
Ein wenig ruhiger wird es während ihrer Cover-Version der Berliner Musical-Nummer „Hey du“. Während Gitarrist Peter Baumann den Gesang übernimmt, werden Handy- und Knicklichter und von einigen Nostalgikern sogar Feuerzeuge in die Höhe gereckt.
Doch natürlich währt die Romantik nur kurz. Für „Gentleman Of The Year” stellt sich Teutoburg-Weiß auf die Absperrung vor dem Publikum. Ein Junge im Grundschulalter wird zu ihm auf den Wellenbrecher gehoben und unterstützt den Sänger mit seinen lässigen Tanzeinlagen so rührend, dass das Publikum fast die Beherrschung verliert.
Gegen Ende des Konzerts verabschiedet sich der Sänger mit den Worten: „Vielleicht sieht man sich beim nächsten Mal oder beim Bäcker um die Ecke.“ Dann spielen sie eine ausgedehnte Zugabe, an deren Ende es alles andere als selbstverständlich erscheint, dass die Parkbühne noch unversehrt in der Wuhlheide steht.
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