Konzert in Berlin

So war's bei Dieter Thomas Kuhn in der Waldbühne

Partystimmung in Berlins schönster Open-Air-Arena: Der frisch geföhnte Schlagerbarde begeisterte die ausverkaufte Waldbühne.

Dieter Thomas Kuhn auf der Bühne (Archivbild)

Dieter Thomas Kuhn auf der Bühne (Archivbild)

Foto: semmel concerts

Berlin. Bevor Dieter Thomas Kuhn auch nur einen Ton gesungen hat, steht das Publikum in der komplett ausverkauften Waldbühne tanzend auf den Beinen. Wie ein Fanal läuft nämlich "Musik ist Trumpf" vom Band. Erinnerung an die Hochzeit der Schlagershows im TV. Dann geht es Schlag auf Schlag mit den Hits "Quando" und "Fiesta Mexicana". Und bei den zum Großteil in Siebziger-Optik kostümierten Zuschauern aller Altersklassen gibt es endgültig kein Halten mehr. Von nun wird bis zum Ende des Konzerts durchgeschwoft.

Partystimmung in Berlins schönster Open-Air-Arena. Das Publikum feiert sich mindestens ebenso sehr selbst wie seinen Star Dieter Thomas Kuhn. Der macht Station auf seiner Lieblingsbühne und ruft seine Botschaft in die Welt: "Love and Peace". Die aktuelle Tour indes heißt "Für immer und dich“. Benannt nach einem der schönsten Lieder vom legendären Rock-Poeten Rio Reiser. Die Show jedoch ist selbstredend eine Hommage an den deutschen Schlager mit populären Melodien aus drei Jahrzehnten.

Die Fans haben sich dafür mächtig aufgehübscht. Man sieht allenthalben Polyester-Schick, Paillettenhemden, Blumenkleider und tatsächlich einige Exemplare der eigentlich schon ausgestorbenen Pornobrillen. Manche tragen sogar Brusthaar-Toupets oder Vokuhila-Perücken. Die meisten der Zuschauer sind im wahren Leben keine echten Schlagerfans. Aber sie alle mögen es vor allem grellbunt, schwelgen gemeinsam mit Kuhn, dem „Papst des schlechten Geschmacks“, im Schlagerrausch.

Dieter Thomas Kuhn, für seine Fans kurz DTK, erfand die Kunstfigur des frisch geföhnten Schlagerbardens 1992. Und läutete damit seinerzeit ein Revival mit Kultklassikern des viel geschmähten Genres ein. Zunächst spielte er in kleinen Clubs. Doch rasch wurden die Säle immer größer. Obwohl hymnisch von einer wachsenden Anhängerschar, den „Kuhnis“, gefeiert, gab er 1999 in der Stuttgarter Schleyerhalle sein Abschiedskonzert. Um sich anschließend musikalisch neu zu orientieren. Aber die „Singende Föhnwelle“ ließ ihn nicht los. Daher startete Dieter Thomas Kuhn Ende 2004 mit einem fulminanten Comeback durch und covert seitdem wieder Schlager-Evergreens.

Immer mit dabei, so wie auch jetzt: Die Musiker seiner „Kapelle“, wie Kuhn die siebenköpfige Band liebevoll nennt. Alle, genau wie Kuhn, in Seventies-Outfits mit gigantischen Schlaghosen gehüllt.

Zu den Hits, etwa „Griechischer Wein“ und „Ich war noch niemals in New York“ vom verstorbenen Udo Jürgens, lässt sich Kuhn Ramazotti auf der Bühne krefenzen. Offensichtlich das ultimative Schlagergetränk. Gehört alles mit zur Kuhn-Show. Der 53-jährige Musiker interpretiert die Schlager dabei durchaus zeitgemäß. Mal rockig, mal balladesk. Katja Ebsteins "Wunder gibt es immer wieder" kommt regelrecht funky daher Aber sobald es um die große, wahre, einzige Liebe geht, hat Kuhn natürlich immer eine gehörige Portion Schmalz in der Stimme.

Dafür wird Kuhn, der an diesem Abend unter einem riesigen Peace-Zeichen einen Pailletten-Anzug in Silber trägt, mitreichlich Blumen beschenkt. Und er steht unter stetem Beschuss von BHs. Ob das unter die Metoo-Debatte falle, fragt er sich lachend angesichts des Dessousregens. Der gefällt ihm allerdings ausgesprochen gut.

Die Frauenquote ist hoch im Publikum. Aber auch die Männer haben durchaus ihren Spaß. Etwa, wenn Kuhn und seine Band zu "Die kleine Kneipe" Headbangen. Im gemütlichen Schunkelrhythmus versteht sich. Absolutes Highlight des Abend ist aber der Karat-Klassiker "Über sieben Brücken". Handys und bunte Leuchtelemente liefern sich dabei einen wunderschönen Wettstreit. Und das Publikum singt lauter als Kuhn, der es gern geschehen lässt. Familien-Atmospäre in der Waldbühne.