Selten bin ich so oft auf ein Interview angesprochen worden. Was, du darfst Terence Hill sprechen? Selten wurde ich so beneidet. Selbst als Tom Tykwer vergangene Woche in unserer Filmreihe „Hauptrolle Berlin“ 20 Jahre „Lola rennt“ im Zoo Palast feierte und mitbekam, dass dort am gestrigen Dienstag Terence Hills neuester Film Premiere feierte, wollte er unbedingt dabei sein. Aber nein, alle Säle sind seit Wochen ausverkauft, auch für Promis gab es keine Möglichkeit, noch an eine Karte ranzukommen.
Das zeigt nur, welch treue Fans Terence Hill noch heute hat. Und welche Macht seine Filme besitzen, die aus gestandenen Männern wieder kleine Jungens machen. Und um die wichtigsten Fragen, die mir ständig gestellt wurden, gleich zu beantworten: Ja, der Mann hat immer noch so blitzeblaue Augen. Und ja, es setzt auch wieder Backpfeifen im Film. Auch wenn der Mann inzwischen 79 Jahre alt ist.
Das Interview führt er selbstredend auf Deutsch
Hill kommt mit Basecap, Jeanshemd und -hose und – fast möchte man sagen: standesgemäß – in Cowboystiefeln zum Interview ins Hotel Adlon. Und ja, da müssen wir gar nicht erst lange nachhaken, natürlich wird er Deutsch sprechen. Die Deutschen haben ihn zwar als Italiener kennengelernt, als er unter seinem echten Namen Mario Girotti in den 60er-Jahren in Karl-May-Filmen mitgewirkt hat. Und dann in den 70er-Jahren mit seinem „Vier Fäuste“-Partner Bud Spencer, wo er schon unter seinem Künstlernamen Terence Hill auftrat. Weshalb einige ihn gar für einen Amerikaner halten.
Aber Girotti/Hill, der einfach nur Terence genannt werden will, verbrachte entscheidende Jahre seiner Kindheit in Lommatzsch bei Dresden, als Sohn einer Deutschen und eines Italieners. Und er hat noch heute die schönsten Erinnerungen an diese Zeit, auch wenn er den Krieg und die Luftangriffe auf Dresden miterlebt hat. „Kindheit“, sagt er mit leichtem, charmanten Akzent, „prägt dein Leben einfach am meisten.“ 1947 ist die Familie dann zurück nach Italien gezogen, seine Mutter sei früh gestorben, deshalb sei sein Deutsch ein bisschen verarmt. Später sei er dann in die USA gezogen, weshalb auch sein Italienisch verarmt ist. Heute wohnt er wieder in Italien. „Und jetzt“, grinst er, „spreche ich keine Sprache richtig gut.“

Liegt es an dieser Verknüpfung mit Deutschland, dass sich hier das treueste Publikum der Spencer-Hill-Filme findet? Dass die Deutschen, denen man doch nachsagt, dass sie keinen Humor hätten, am meisten gelacht haben über die letztlich slapstickhaften Westernkomödien, in denen viel gewitzelt und viel Backpfeifen verteilt wurden? Darauf hat Terence Hill keine rechte Antwort. Aber dass man ihn immer als flott und frech gesehen und besetzt hat, das hätte nichts mit dem südlichen Temperament seines Vaters zu tun. Im Gegenteil, das habe er von der Mutter.
Nun hat Hill, pardon: Terence in hohem Alter noch mal einen Film gedreht. Nicht nur als Hauptdarsteller, er hat auch das Drehbuch geschrieben und gleich noch Regie geführt. „Mein Name ist Somebody“ erinnert nicht von ungefähr an einen seiner größten Hits, „Mein Name ist Nobody“ vor 45 Jahren, wo Henry Fonda als alternder Revolverheld in die Alte Welt aufbrechen wollte und Hill als Jüngerer ihm immer in die Parade gefahren ist. In seinem jüngsten Film, der ab Donnerstag in den Kinos läuft, ist nun Hill der Alte, der von Italien aus mit einer Harley-Davidson aufbricht in die Wüste von Andalusien, um dort allein zu sein. Wovon ihn aber eine junge Frau (Veronica Bitto) immerzu abhält. Eine interessante Spiegelung.

„Zwei Fäuste kehren zurück“ heißt der Untertitel. Auch das ein deutlicher Verweis: auf seine Filme mit Bud Spencer, die immer von vier Fäusten und wahlweise einem Halleluja oder einem Ave Maria handelten. Der Film ist Bud Spencer gewidmet. Der ist vor zwei Jahren gestorben, war aber noch am Leben, als Hill seinen Film plante. Im Gegensatz zu Hills letzter Kinoregie „Die Troublemaker“ (1994) hatte er diesmal keine Rolle für Bud. Aber der war trotzdem irgendwie mit dabei.
Hill entschied sich, in der spanischen Tabernas-Wüste zu drehen, wo einst viele Italowestern entstanden sind, auch „Vier Fäuste für ein Halleluja“. Das erste Mal, dass er Bud Spencer begegnet ist, war in eben jener Wüste. Und just als Hill sich mit seinem Kameramann den Schauplatz ansah, rief Bud Spencers Sohn ihn an und sagte, dass sein Vater gestorben sei. Von daher war klar: Hier musste Hill drehen. Hier würde Bud irgendwie mit dabei sein.
Der Film soll keineswegs ein Abschied sein
An den großen Kumpel hat er viele gute Erinnerungen. Wie man immer Angst vor den Prügelszenen mit ihm hatte, weil Bud Spencer ohne Brille praktisch nichts sehen konnte und dann oft versehentlich richtig traf, statt daneben zu hauen. Auch wenn Hill jetzt 79 ist und sein Roadmovie eigentlich kein Backpfeifenfilm ist, so ganz ohne Prügelszene geht es auch diesmal nicht. Eine ironische Verbeugung.

Ein bisschen Wehmut ist aber schon dabei, wenn man Hill so in die Einöde fahren sieht. Als ob sich da einer verabschieden möchte. Aber nein, meint der Schauspieler, der nur ganz selten ins Englische verfällt, daran sei gar nicht zu denken. Er hat gerade in Italien die elfte Staffel seiner Serie „Don Matteo“ abgedreht, sonst hätte er den Film schon viel früher gemacht. Das ist also keineswegs ein Abschied. Irgendwann will er auch eine Autobiografie schreiben. Sein nächstes Projekt sei nun aber erst mal sein 80. Geburtstag kommenden März: Den möchte er gern in Island verbringen, auf Eis laufend.
Letzte Frage: Sein Alter sieht man ihm nicht an. Wie macht er das? Wie hält er sich fit? Hat er irgendwelche Geheimtipps? „Leider nein“, entschuldigt sich Terence Hill. „Ich mache gar nichts. Das sind alles nur die Gene meines Vaters.“





