Tom Tykwer kann es nicht fassen. In der Filmreihe „Hauptrolle Berlin“, die der Zoo Palast gemeinsam mit der Berliner Morgenpost einmal im Monat veranstaltet, präsentierte er am gestrigen Dienstag noch einmal seinen Klassiker „Lola rennt“, der fast auf den Tag genau vor 20 Jahren ins Kino kam. Aber auf die Frage, ob es jemanden gebe, der diesen Berlin-Klassiker noch nie gesehen haben sollte, geht ein Drittel der Hände im Saal hoch. Doch dann freut sich der Berliner Regisseur umso mehr: So fühlt sich das 20-Jährige noch mal wie eine Premiere an.

Alle Filmemacher wollen, dass ihre Filme „laufen“, dass sie ein „Renner“ sind. Bei „Lola rennt“ wurde das zum Handlungsprinzip. Der Film musste aber wirklich ein Renner werden. Denn die damals noch junge Berliner Produktionsfirma X Filme war, nach gerade mal drei Filmen, fast schon pleite. „Wir waren total naiv“, gibt Tykwer im Zoo Palast zu. Sie hatten keine Rücklagen und saßen auf einer Menge Schulden. Also haben sie einfach noch einen Film gemacht – und weitere Fördermittel erhalten.

Franka Potente besetzt, bevor sie einmal rannte

In unglaublicher Schnelligkeit hat Tykwer ein Skript entwickelt, in unglaublicher Schnelligkeit haben sie gedreht. Umso länger, frotzelt er, habe es aber gedauert, um dieses Tempo auch in den Film zu kriegen. Fast ein Jahr hat er mit seiner begnadeten Cutterin Mathilde Bonnefoy dafür im Schneideraum gesessen. Und einen Film geschnitten, der wie ein einziger MTV-Clip wirkte. Was heute in digitalen Zeiten nichts Besonderes ist, war damals aber eine Sensation.

Tykwer erzählt viele Schmankerl. Wie er Franka Potente besetzt hat, ohne zu wissen, wie sie rennend aussah. „Und es gibt viele Stars, die dabei blöd aussehen.“ Wie er die damals frisch fertiggestellte Friedrichstraße filmte und die so leer war, dass er meinte, die Weltstadt könne einpacken. Und wie bei der TV-Ausstrahlung in der ARD die Quote innerhalb von nicht mal vier Minuten von 9 Millionen auf 1,5 Millionen sank. Das hat dem Siegeszug dieses Films aber nichts anhaben können. Tykwer hat den Film zum Zehnjährigen das letzte Mal gesehen, stellt nun aber beruhigt fest: Der Film ist nach wie vor nicht gealtert.

Als nächstes wird in der Filmreihe am 4. September die Artur-Brauner-Produktion „Hotel Adlon“ von 1955 gezeigt. Zu Gast ist dann Alice Brauner.