Ein Etikett klebt an ihr wie Brei, und auch an ihrem heutigen 80. Geburtstag wird er wieder in zahllosen Artikeln auftauchen: dass sie eine Ulknudel ist. Das kann Grit Boettcher partout nicht mehr hören. Aber das verbinden die Menschen bis heute mit ihr.
Das liegt natürlich vor allem an der Fernsehreihe, die sie von 1977 bis 1980 am populärsten gemacht hat und die heute noch in Sketchparaden wiederholt wird: In „Ein verrücktes Paar“ spielte sie mit Harald Juhnke in zahllosen Sketchen, wo sie ständig in andere Figuren, Frisuren, Kostüme und Dialekte sprangen. Und die Deutschen bogen sich vor Lachen.
Das lag auch an Boettchers großen Augen, ihrer weichen Stimme, die so hübsch kieksen konnte, und dem leichten Sex-Appeal, den sie in den eher prüden Witz steckte. Aber sie selbst bezeichnet sich als Komödiantin und betrachtet „Ulknudel“ als Körperverletzung. Ihr größter Wunsch zu ihrem 75. Geburtstag war denn auch: „Nennt mich nie wieder Ulknudel“. Er fand kein Gehör.

Immer nur nett, komisch und flott zu sein, das wurde auch zum Makel für die Schauspielerin, die kaum noch andere Rollen bekam. „Ich bin einfach zu nett“, gab sie einmal rückblickend zu. „Schon Harald Juhnke meinte: ‚Du brauchst eine Marotte, Mädchen – saufen geht nicht, das mache ich schon selber!’“ Aber das ist vielleicht genau ihr Markenzeichen: Grit Boettcher ist ein Star ohne Marotten.

1938 in Spandau geboren, begann sie als Kind Ballett zu tanzen und arbeitete als Teenager als Model. Bis Regisseur Viktor de Kowa sie entdeckte und ihr zum Schauspielunterricht und zu ersten Rollen verhalf. Sie spielte an verschiedenen Bühnen, oft in der Komödie am Kurfürstendamm und in der Kleinen Komödie in München. Ab Ende der 50-er kam auch das Kino hinzu, vor allem die Edgar-Wallace-Filme „Der schwarze Abt“ und „Der Mönch mit der Peitsche“ an der Seite von Joachim Fuchsberger. Dann kam das Fernsehen, kam „Ein verrücktes Paar“. Und die Ulknudel.
Jede Generation kennt eine andere „Grit“. Die Älteren denken an die Wallace-Krimis, die Mittleren assoziieren sie als Paar mit Juhnke, Jüngere mit „Hotel Paradies“, und die ganz Jungen mit der Telenovela „Hanna – Folge deinem Herzen“. Grit Boetttcher kann aber auch anders. Sie verfasste einen Ratgeber fürs Älterwerden und, inspiriert von „Hotel Paradies“, das auf Mallorca spielte, einen Reiseführer über die Insel, schrieb Gedichte, machte eine Ausbildung als Heilpraktikerin. Und bewies Selbstironie, als sie in der Edgar-Wallace-Parodie „Der Wixxer“ eine kleine Gastrolle übernahm.

Es gab auch finstere Momente in ihrem Leben. Etwa als sie Ende der 90er-Jahre bei einem Immobiliengeschäft an die 900.000 Mark verloren hat. Aber sie hat sich immer wieder aufgerappelt. Auch als ihr im vergangenen Herbst ein großes Aneurysma im Bauch entfernt wurde. Seither hat sie sich etwas zurückgezogen. Seit vielen Jahren lebt sie in Ismaning bei München in einem Haus zusammen mit ihrer Tochter Nicole Belstler-Boettcher, die auch Schauspielerin ist, ihrem Sohn Tristan und deren Familien. Alle unter einem Dach, auf verschiedenen Ebenen, und sie in der Mitte, als „Sandwich“, wie sie das nennt. Die Familie erdet sie. Und hier lässt sie an geselligen Abenden auch mal die Ulknudel raus, die sie in der Öffentlichkeit nicht mehr sein will.




