Peter Zander

    Das Wort Jahrhundertschauspieler wird ja etwas inflationär gebraucht. War Götz George ein Jahrhundertschauspieler, wo doch schon dessen Vater Heinrich George so bezeichnet wurde? Ist das Jahrhundertgen gar vererbbar? Wie auch immer: Götz, der Sohn, war einer der ganz Großen. Ein Ausnahmeschauspieler. Ein Star, von denen es im deutschen Film nicht viele gibt. Ein Raubein, an dem sich die ganze Nation immer wieder abgearbeitet hat. Und ein Mann, der um starke Ausdrücke nie verlegen war. Das zumindest ist ihm wirklich in die Wiege gelegt worden: Hat ihn sein Vater doch nach dessen Lieblingsrolle benannt, Goethes „Götz von Berlichingen“, der mit dem derben Fluch. Götz George war auch der Inbegriff der Virilität. Als er vor zwei Jahren nach kurzer Krankheit starb, war die Öffentlichkeit völlig überrascht, wirkte er doch immer tough und fit. Dass er damals schon 77 war, wollte man gar nicht glauben.

    Wie groß ein Star wirklich ist, zeigt sich an der Frage, wie man ihm gedenkt. Ob man etwa zum Todestag spontan das TV-Programm ändert. Was bei George der Fall war. Und ob man ihm noch postum zu einem Runden ehrt. Auch das darf nun bejaht werden. Und wie! Am heutigen Montag wäre Götz George 80 Jahre alt geworden. Duisburg, die Stadt der unvergessenen Schimanski-„Tatorte“, dankt es ihm mit der Ausstellung „Tatort Ruhrort“, die schon am Wochenende eröffnet wurde, und macht ihn so museumsreif. In Berlin, der Stadt, in der er geboren wurde, verleiht die Götz George Stiftung heute in der Astor Film Lounge zum ersten Mal den Götz-George-Preis an einen älteren Schauspieler oder eine Schauspielerin, der oder die dich um die Schauspielkunst verdient gemacht hat. Wer der erste Preisträger sein wird, wird erst am Abend bekannt gegeben. Fortan soll der Preis dann jährlich verliehen werden.

    Auch das Fernsehen gedenkt des 80. und strahlt auf allen Kanälen Filme mit George aus. ARD One widmet ihm gleich einen ganzen Themenabend. Den Auftakt macht „Besondere Schwere der Schuld“ (20.15 Uhr), einer der letzten Filme, die George noch gedreht hat. Danach laufen mit „Zahn um Zahn“ (22 Uhr) und „Zabou“ (23.25 Uhr) die beiden „Tatorte“, die Schimanski auch ins Kino brachten – mit weit mehr Erfolg als Til Schweigers Kino-„Tatort“. Auch der RBB zeigt einen Schimmi-Krimi („Gebrochene Blüten“, 22.15 Uhr).

    Andere Dritte Programme zeigen den Star von anderen Seiten. Der MDR wiederholt „Alpenglühen“ (12.30 Uhr), eine Liebeskomödie mit Christiane Hörbiger, mit der George oft und gern gearbeitet hat. Der NDR hält mit Dominik Grafs Thriller „Die Katze“ (23.45 Uhr) dagegen. Und der WDR zeigt zwei seiner wichtigsten Filme: „Schtonk!“ (22.10 Uhr), Helmut Dietls Satire über die gefälschten Hitler-Tagebücher, und gleich danach „George“ (23.55 Uhr), wo Götz George seinen eigenen Vater verkörpert. Die ARD zieht mit dem gesellschaftskritischen Film „Zivilcourage“ nach, zwar erst am Mittwoch, aber immerhin zur Primetime. Von so viel Gedenken könnten andere nur träumen. Den Fans stellt sich nur eine Frage: Welchen George gucken wir denn nun?