Am meisten hat sie in den letzten Monaten das Publikum vermisst. „Darauf freue ich mich“, sagt Katja Blomberg. Kein Wunder, seit 15 Monaten ist sie nun schon Chefin ohne Ausstellungshaus. Denn momentan wird das Haus am Waldsee rundum erneuert, Dach, Heizung, Licht, Klima – alles kommt neu. Auch ein freches neues Logo wird es geben. Schließlich erfindet sich auch Kunst immer wieder neu. Herzstück aber ist der Neubau des rechten Flügels, dort, wo vorher der Weg vom Haus in den verwunschenen und mit einzelnen Skulpturen ausgestatteten Garten führte.

Als die private Villa 1922/23 gebaut wurde, stand an dieser Stelle eine Garage samt Tankstelle, darüber lag eine Wohnung für Angestellte. Ein Querschläger beschädigte 1945 den Gebäudeteil so stark, dass er abgetragen werden musste. Auf diesen alten Fundamenten lässt Blomberg nun den Neubau errichten. Drei Millionen Euro kostet diese Maßnahme, finanziert aus Mitteln der Lottostiftung, 100.000 Euro spendiert der Bezirk für den Brandschutz. Statt Garage wird es im Erdgeschoss ein Café geben, das bei Bedarf als Veranstaltungsraum genutzt werden kann. Im ersten Stock soll eine kleine öffentliche Bibliothek eingerichtet werden, einige Büros gibt es dort auch.

Noch sieht es im Haus mächtig nach Baustelle aus, kaum vorstellbar, dass das unter Denkmalschutz stehende Kunsthaus am 27. September wiedereröffnet. Punktgenau zur Berlin Art Week. Karin Sander wird das Gebäude in ein begehbares Gesamtkunstwerk verwandeln. 300 Quadratmeter bekommt das Haus für Bibliothek und Veranstaltungen dazu, 500 Quadratmeter stehen als Ausstellungsfläche zur Verfügung. Damit das Haus am Waldsee während der Schließzeit nicht von der Berliner Kunst-Landkarte verschwindet, hat Blomberg ein zentrales „Schaufenster“ im Bikini-Haus am Zoo freigemacht. Bis 23. August ist dort die Berliner Künstlerin Sonja Alhäuser zu sehen.

Zur Eröffnung bespielt Karin Sander das ganze Haus

Eigentlich hatte Blomberg die schöne Idee, einen Pavillon in den Garten unten am See zu stellen, der als temporärer Ausstellungsort funktioniert. Ihr Vorbild: Die erfolgreiche Serpentine Gallery im Londoner Kensington Garden, wo jährlich Künstler und Architekten einen solchen Pavillon neu entwerfen, der jedes Mal wieder zum Anziehungspunkt wird. Allerdings scheiterte das Berliner Projekt an der Finanzierbarkeit.

Wir stehen jetzt dort, wo einmal die Garage war und bald das Café aufmachen wird. Ein lichter, klar geschnittener Raum, die Fenster öffnen sich gen Garten, vorne Richtung Argentinische Allee. Der Künstler Tobias Rehberger wird hier ein 17 Meter großes textiles Bild mit einem von ihm kreierten Alphabet für die Wand installieren.

Mag sein, dass Katja Blomberg die Kunst-Biennale in Venedig im Kopf hatte, wo der Künstler vor einigen Jahren ein Café einrichtete – und dafür den Goldenen Löwen erhielt. Tatsächlich war es so, dass man dort einige Mühe hatte, sich auf seinen Cappuccino und das Mozzarella-Panini zu konzentrieren, weil man abgelenkt war von den schrillen, poppigen Farben und den noch schrägeren Formen des wilden Interieurs. Wir als Besucher wurden irgendwie beweglicher Bestandteil der Installation. Die Jury jedenfalls lobte Rehbergers Transferleistung, einen normalen Imbiss in Kunst zu verwandeln, wo „soziale Kommunikation zu ästhetischer Praxis“ wird.

Platz für Workshops im Dachgeschoss

Vielleicht gelingt Rehberger so etwas auch in Zehlendorf. Jedenfalls bekommt er im Herbst 2019 eine eigene Ausstellung. Durch den Ausbau des Dachgeschosses wird Katja Blomberg künftig mehr Platz haben für Workshops und andere Veranstaltungen. Das ist wichtig, um die Position als Ausstellungshaus für Gegenwartskunst zu stärken. „Mehr Angebote kann ich deshalb aber nicht machen, auch wenn viele das denken“, erzählt die Kunsthistorikerin. Dazu bräuchte sie mehr Mitarbeiter, das heißt: mehr Geld. Sie arbeitet mit nur sechs Mitarbeitern, vier davon in Teilzeit, Presse, Aufsicht, Assistenz.

Mit etwas mehr als 300.000 Euro wird sie vom Bezirk und Senat bezuschusst. Davon geht die Pacht ab, die Gartenpflege und vieles mehr. Große Sprünge also kann Katja Blomberg nicht machen. Wie bei anderen Berliner Museumsdirektoren besteht Blombergs Job auch darin, Drittmittel einzuwerben. Das heißt, sie ist ständig damit beschäftigt, Anträge zu schreiben. Einen nach dem anderen: Bundeskulturstiftung, Siemens Kulturstiftung, Hauptstadtkulturfond.

Mittlerweile hat sie da ein Know-how entwickelt. So kam sie auf die Idee des Künstlerbanketts am 24. August. Sonja Alhäuser wird für das Schauessen Skulpturen zum Naschen entwerfen. Meerjungfrauen, Schokolade und Marzipan sollen im Spiel sein. Die 60 Euro pro Anmeldung kommen in die Umzugskasse.

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