Ehemaliges Schwimmbad

Stadtbad Steglitz könnte Kunst- oder Kletterhalle werden

Studenten der Beuth Hochschule haben Ideen für eine neue Nutzung des Stadtbades Steglitz entwickelt.

So könnte das Stadtbad Steglitz genutzt werden

So könnte das Stadtbad Steglitz genutzt werden

Foto: Gözde Cicek/ Tatjana Belz

Berlin. Unter dem Glasboden sind noch die türkisfarbenen Fliesen des Schwimmbades zu sehen. Lichtstrahler zeichnen die Konturen des alten Beckens nach. Besucher laufen über den Glasboden und betrachten die ausgestellten Skulpturen. Aus dem Stadtbad Steglitz ist ein Freizeit- und Eventzentrum geworden, zumindest im Konzept von Gözde Cicek und Tatjana Belz – beide Studentinnen an der Beuth Hochschule für Technik.

Die Kuppelhalle haben sie zu einem Veranstaltungssaal umgebaut. Statt Kesselhaus, Wannenabteilung und Wäscherei gibt es ein Labyrinth, einen Club über zwei Etagen und sogenannte Escape-Räume – Orte für moderne Abenteuerspiele und Rätselraten per Mausklick.

Das Konzept der beiden Architekturstudentinnen ist nur eines von 17 weiteren für das alte Stadtbad an der Bergstraße in Steglitz. Seit 2002 ist das mehr als einhundert Jahre alte Jugendstilbad geschlossen. Zwischenzeitlich wurde es von einer neuen Eigentümerin bereits als Theater, Eventlocation und Café genutzt. Doch die Einnahmen reichten nie für die notwendige Sanierung und die Wiedereröffnung des Schwimmbades aus – eine Forderung des Bezirks, die im Kaufvertrag steht.

Berliner Immobiliengesellschaft sucht neuen Investor

Daraufhin fiel das Gebäudeensemble an die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) zurück. Die BIM sucht nun einen neuen Investor, aber zuallererst neue Ideen für eine Nutzung. Denn der Schwimmbadbetrieb allein ist nicht rentabel. So kam es zur Kooperation mit der Beuth Hochschule. Architekturstudenten im Bachelorstudiengang entwickelten unter der Leitung von Mara Pinardi, Professorin für Denkmalpflege und Bauen im Bestand, Konzepte für das Stadtbad. Zum Abschluss ihres 5. Semesters haben die 17 Arbeitsgruppen jetzt ihre Ideen präsentiert.

Die Studenten konnten ihre gestalterische Fantasie voll nutzen – es gab kaum Vorgaben. Machbar und wirtschaftlich sollten die Vorschläge möglichst sein, und mit dem Denkmalschutz zu vereinbaren. Kulturzentrum, Bibliothek, Musikschule, Kunsthaus, Event- und Kongresszentrum und Co-Working mit Spa – das sind nur einige der vorgestellten Projekte.

Ein Rehazentrum in allen möglichen Varianten

Gleich mehrere Arbeitsgruppen haben sich mit dem Thema „Rehabilitation“ beschäftigt. Die Idee liegt nahe. Der Bezirk wünscht sich, dass das Schwimmbecken erhalten bleibt. Zudem steht die russisch-römische Dampfsauna im Stadtbad unter Denkmalschutz. Im hinteren Gebäudeteil befindet sich ein Fitnessstudio. Die Studenten haben diesen alten Bestand allerdings um originelle neue Angebote erweitert.

So würde Studentin Asena Ufakcan noch zusätzliche einen Sportbereich mit Kletterwand anbieten. Im Kurzen­trum von Rosa Illi und Saide Sirangi gäbe es ein Beratungszentrum für Ernährung und Bewegung, dazu ein Lesecafé und ein Restaurant mit regionaler Küche.

„Behandeln, Betreuen, Beleben“, kurz BBB, hat die Gruppe von Samira Maleh und Olivia Misztal ihr Projekt genannt. In ihrem Rehabilitationszentrum teilen sich Ärzte und Physiotherapeuten die Behandlungszimmer. Das Schwimmbecken wird auf eine Tiefe von 1,60 Meter angehoben, um Wassergymnastik und Kinderschwimmen anzubieten. Manuel Schmidt und Tristan Aulig gehen noch einen Schritt weiter: Sie richten im Kesselhaus eine Pension für Reha-Gäste ein.

Dass die Musikschule von Steglitz-Zehlendorf mehr Platz und neue Räume braucht, haben drei Arbeitsgruppen in ihre Konzepte einfließen lassen. In allen Vorschlägen wird der historische Kuppelbau mit dem Schwimmbecken zu einem Veranstaltungssaal umgebaut. Zur Musikschule würde nach Ansicht der Studenten auch noch eine Theater- und eine Tanzhochschule passen. In letztem Fall entstünde auf dem geschlossenen Schwimmbecken ein Ballsaal. Allerdings mussten alle Gruppen darauf verweisen, dass ihre Vorschläge – wenn überhaupt – nur knapp wirtschaftlich sein würden. Die von allen Arbeitsgruppen errechneten Umbaukosten lagen etwa um die sechs Millionen Euro.

Co-Working, Wohnen und Gesundheit bieten sich an

Freizeit in Verbindung mit Gesundheit und Wohnen, aber auch Co-Working mit einem Spa würden sich anbieten, sagt Professorin Mara Pinardi zu den Vorschlägen. Interessant findet sie ebenfalls die Reha-Angebote. Einer ihrer Favoriten ist die Idee für ein Kunsthaus Steglitz. Ateliers, Apartments, Räume für Workshops, Unterricht und Vorträge unter einem Dach und damit eine neue Adresse für Fortbildung, Kunst und Nachbarschaft in Steglitz – das wäre eine Option für die Professorin. Doch auch sie zweifelt die Wirtschaftlichkeit einer kulturellen Nutzung an.

Das jedoch zählt für die Berliner Immobilienmanagement GmbH. Das Stadtbad Steglitz soll zwar in einem Konzeptverfahren vergeben werden. Das heißt, dass nicht das höchste Gebot sondern das beste Konzept gewinnt. „Aber es sollte nicht nur Gemeinwohl-orientiert sein sondern auch wirtschaftlich“, sagt Susanne Fiddeke, Vermarktungsmanagerin der BIM. Sie war bei der Präsentation der Projekte dabei – für sie alles kleine Machbarkeitsstudien – und sieht ebenfalls in den Physio- und Reha-Zentren eine Chance. Im März wird die BIM in einem Steuerungsausschuss über die Konzepte der Studenten beraten. Dann muss nur noch ein Investor gefunden werden.

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